Duisburg. Zu den „Risiken“ und „Nebenwirkungen“ eines Praktikums in einem AWOcura-Seniorenzentrum zählt: Frau (und gerade auch Mann) könnte seinen Traumberuf finden. Bis zum 1. Oktober haben 20 angehende Altenpfleger/innen in einem der fünf AWO-Häuser in Duisburg ihre Ausbildung begonnen. Für alle Azubis des Jahres 2016 gilt: Sie starten in eine Karriere nach Wunsch.

Wer mit den Berufsanfängern spricht, lernt zweierlei. Erstens: Nahezu alle haben zunächst ein Praktikum absolviert, ein Freiwilliges Soziales Jahr oder ein Jahr im Bundesfreiwilligendienst. Und zweitens: „Altenpflege ist auf jeden Fall mein Ding“, das ist ein ausgesprochen häufig gehörter Satz.

Mert Can Demir sagt ihn zum Beispiel. Der 19-Jährige beginnt jetzt seine Ausbildung im AWOcura-Seniorenzentrum Im Schlenk in Wanheimerort. Zum offiziellen Fototermin mit den „Neuen im Team“ hatte er es nicht weit. Einfach die Treppe hoch zur Dachterrasse auf der dritten Etage. Der „Azubi“ aus Meiderich sagt, wie er zu seinem Traumberuf fand. „Ich habe erst ein Praktikum bei der AWOcura gemacht, dann im Bundesfreiwilligendienst gearbeitet und mich dann beworben.“ Ursprünglich wollte er Polizist werden, weil er gern Menschen hilft. „Jetzt werde ich Altenpfleger, weil ich erlebt habe, dass ich auch in diesem Beruf helfen kann.“

Die Ausbildung ist dabei nicht allein etwas für junge Berufsstarter. Jolanda Piniero Diaz beginnt als „Spätberufene“ ihre Lehrzeit im AWOcura-Seniorenzentrum Ernst Ermert in Duissern. Fast 30 Jahre hat die Spanierin als Reiseleiterin und Animateurin auf den Kanarischen Inseln gearbeitet. Seit anderthalb Jahren lebt die 53-Jährige in Duisburg. Über das Arbeitsamt erhielt sie den Tipp mit der Pflege. Dann ein Praktikum bei der AWOcura, eine Ausbildung zur Alltagsbegleiterin und danach die Entscheidung: „Das will ich nicht nur machen, sondern auch können.“ Im April begann sie ihre Ausbildung als Altenpflegerin.

Stella Tews ist schon seit zwei Jahren dabei. Ihre Ausbildung hatte sie bei einem Pflegedienst in einer Nachbarstadt begonnen, nun ist sie im Wohndorf Laar für die AWOcura tätig. Warum sie Altenpflegerin werden will? Aus familiären Gründen: Ihr Vater arbeitet in der Pflege, ihre Stiefmutter ebenfalls. Ihre Großmutter hatte Stella Tews lange Zeit betreut.

Aber Tradition allein trägt nicht, deshalb fügt sie hinzu: „Die Arbeit in der Pflege ist ausgesprochen vielseitig.“ Immer neue Herausforderungen und immer neue Menschen, auf die sie sich einlassen will. „Ja, der Beruf sei nicht einfach. Aber das Team ist gut, wir helfen uns gegenseitig und sprechen es an, wenn zum Beispiel ein Bewohner, den man lieb gewonnen hat, stirbt.“ Auch für sie ist die Altenpflege längst und ohne Zweifel ihr Traumberuf.

Bei der Gelegenheit lässt es sich dann auch mit einem anderen Vorurteil aufräumen. Pflege ist keineswegs nur was für Frauen. Unter den 20 neuen AWOcura-Azubis in diesem Jahr sind acht Männer. Man(n) muss nicht lange fragen: Erst haben sie ein Praktikum absolviert und dann schnell festgestellt: „Hier bin ich richtig. Hier werde ich gebraucht.“