Chefarzt Dr. Klaus Kattenbeck gemeinsam mit Krankenschwester Jennifer Rosinski bei einer Ablationstherapie im neuen Herzkatheter-Labor des St. Bernhard-Hospitals (Foto: SBK/priv.)

Kamp-Lintfort. Von der häufigsten Störung des Herzens, dem Vorhofflimmern, sind etwa eineinhalb bis zwei Prozent der menschlichen Bevölkerung betroffen. Besonders ältere Menschen leiden unter dieser Volkskrankheit. Im Kamp-Lintforter St. Bernhard-Hospital gibt es darum seit kurzem ein spezielles Katheterlabor für Patienten mit Herzrhythmusstörungen. Erkennbar ist: Der Bedarf ist groß.

„In der Behandlung von Herzrhythmusstörungen und Vorhofflimmern kann es dazu kommen, dass Medikamente nicht ansprechen oder nicht vertragen werden. Manch einer entscheidet sich auch bewusst gegen Medikamente. Nun können unsere Kardiologen im Herzkatheter-Labor Vorhofflimmern mit einer so genannten Ablationstherapie behandeln. So besteht die Aussicht auf eine Therapie mit dauerhaftem Erfolg“, erläutert Ottmar Köck, Geschäftsführer des Kamp-Lintforter Hauses, das eine Einrichtung der St. Franziskus-Stiftung Münster ist.  

 

Elektrische Reizungen

Vorhofflimmern wird vorwiegend durch elektrische Impulse aus den Lungenvenen ausgelöst. Dadurch, dass diese Impulse in die Vorkammern des Herzens weitergeleitet werden, stören sie dort die elektrische Aktivität. „Ein solches Vorhofflimmern tritt bei einigen Betroffenen nur zeitweise auf, bei anderen ist es permanent der Fall“, weiß Dr. Klaus Kattenbeck. Er ist Chefarzt der Medizinischen Klinik II für Kardiologie, Elektrophysiologie, Angiologie, Pulmologie und Schlafmedizin.

„Eine Gefahr beim Vorhofflimmern sind Blutgerinnsel, die sich im Herzen bilden können. Wenn sie mit dem Blutstrom in den Körperkreislauf gelangen, können sie zu Gefäß-Verschlüssen oder Schlaganfällen führen“, erläutert er.

 

Per Navigation durch das Herz

Alternativ zu blutverdünnenden Medikamenten gibt es im St. Bernhard-Hospital nun die Möglichkeit einer sogenannten „Katheterablation“. Dabei werden dünne Elektrodenkatheter in die linke Herzvorkammer eingeführt. Mit einem Katheter in der Lungenvene kann kontrolliert werden, ob zusätzliche elektrische Impulse von dort aus in den Vorhof gelangen. „Wenn dies der Fall ist, erfolgt eine so genannte „Pulmonalvenen-Isolation“. Dabei wird das Gewebe im Mündungsbereich zwischen Vorhof und Lungenvene verödet, so dass die elektrische Leitung unterbrochen wird“, erklärt Klaus Kattenbeck.

Um diesen Eingriff sicher durchführen zu können, wird vorab ein Computer-Tomogramm (CT) des Herzens angefertigt. Die Bildinformationen daraus werden im eigenen Katheterlabor in ein spezielles Navigationssystem übertragen, so dass während der Untersuchung ein dreidimensionales Bild des Patienten-Herzens zur Verfügung steht.

 

Effektiver als Medikamente

„Die Erfolgsraten einer Katheterablation bei Vorhofflimmern liegen zwischen 65 und 75 Prozent“, weiß Chefarzt Kattenbeck. Bis sich ein stabiler Sinusrhythmus einstellt, muss der Eingriff darum teilweise wiederholt durchgeführt werden. Das liegt häufig daran, dass die Isolation der Lungenvenen undicht geworden ist. Diese Stellen müssen dann neu isoliert werden. „Dennoch ist die Methode der Katheterablation effektiver als jedes Medikament gegen Vorhofflimmern“, so Klaus Kattenbeck.

Je früher dieser Eingriff bei Vorhofflimmern durchgeführt wird, desto besser. „In einem Stadium, in dem die Beschwerden von allein kommen und gehen, sind die Herzvorkammern durch das Vorhofflimmern meist noch nicht beschädigt. Dann stehen die Chancen gut, eine chronische Erkrankung zu verhindern“, führt der Chefarzt abschließend aus.

 

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