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Krefeld. Das Thema Demenz beschäftigt zunehmend die in der Pflege Tätigen, und auch Angehörige von älteren Menschen werden immer häufiger damit konfrontiert. Die Mediothek Krefeld hat nun ein neues Angebot in ihren Bestand aufgenommen, das Hilfestellung bietet: In acht ausleihbaren Taschen stellt das Institut am Theaterplatz Materialien bereit, die im Umgang mit Demenzkranken eine Grundlage für sinnvolle Beschäftigung bieten. Die roten Medientaschen tragen die Aufschrift „Nicht vergessen!“ und beinhalten jeweils sechs Medien, wobei alle Beutel unterschiedlich gepackt sind. Enthalten ist immer ein Singbuch aus dem Verlag Singliesel. Zudem findet man zwei bis drei Bücher mit kurzen Vorlesetexten, dazu entweder ein Groß-Puzzle oder Stickkarten beziehungsweise Bildkarten für die Erinnerungsarbeit und jeweils ein Buch mit Anregungen zur Beschäftigung. Das Ausleihen der Medientaschen für vier Wochen ist für jeweils einen Euro am Serviceschalter der Mediothek möglich. Die Rückgabe erfolgt ebenfalls dort. 

Schon seit Jahren hält die Mediothek einen eigenen Ratgeberbereich „55 plus“ vor, in dem Medien zum Thema „Älter werden“ zusammengefasst sind. Besucher finden hier neben Ratgebern, wie „Großeltern sein“, „Reisen“, „Computer für Senioren“ oder „Silver Sex“ auch Bücher, die das Erinnern anregen oder bei „Betreuung und Pflege“ vor allem Ratgeber für Angehörige. „Was wir bis jetzt allerdings noch nicht hatten, war eine Tasche mit unterschiedlichen Materialien für Angehörige oder Betreuer, die mit Demenzkranken umgehen“, sagt Mediotheksleiter Helmut Schroers. In seinem Bekannten- und Freundeskreis kenne er genügend Beispiele der Erkrankungen und es habe ihn beeindruckt, was Demenz mit den Menschen macht, berichtet er. Schroers hat deshalb eine ähnliche Idee aus der Stadtbücherei Düsseldorf aufgegriffen und gemeinsam mit Mitarbeiterin Marie-Theres Eßer-Ehmke die Medientaschen realisiert.  

Eßer-Ehmke ist von dem Konzept überzeugt. „Wir möchten in einer abwechslungsreichen, überschaubaren Auswahl Materialien an die Hand geben, mit denen Angehörige oder professionelle Pflegekräfte versuchen können, den Menschen mit Demenz in seiner Welt zu erreichen“, erklärt sie. Das geschehe am leichtesten über die Erinnerungen, zum Beispiel an Musik, Stimmen oder besondere Ereignisse. Die Singbücher zeigen zum Beispiel auf ihren Seiten aus dickem Karton Motive zu Liedern und enthalten ein Klapp- oder Fühlelement. Gleichzeitig gibt es zu jedem Lied einen roten Startknopf, bei dessen Betätigung das Lied akustisch abspielbar ist. Die Bücher laden zum Fühlen, Mitsingen und sich Erinnern in Gesprächen ein. Studien zufolge können sich nämlich Demenzpatienten, die ihre eigenen Kinder nicht mehr erkennen, oft noch an Lieder aus ihrer Kindheit erinnern. Für Mediotheksleiter Schroers ist die neue Medientasche deshalb auch eine „Tasche voller Schlüssel“, wobei die Musik der mächtigste Schlüssel sei, um einen Zugang zu Menschen mit Demenz zu finden, sagt er.

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