Anzeige

Kamp-Lintfort. „Alles mit IT (Informationstechnologie) macht einfach Spaß“, so das Credo der beiden Praktikanten, die derzeit im St. Bernhard-Hospital Kamp-Lintfort erste Erfahrungen mit der Berufswelt machen. Das Besondere an ihnen: beides sind Flüchtlinge, beide sind erst seit einem Jahr in Deutschland, Süleyman Mohamed kommt aus Syrien und hat den Weg nach Deutschland genauso allein geschafft wie Amadou Ly aus Guinea.

Süleyman Mohamed hat in Syrien sein Abitur gemacht. Amadou Ly bringt neben Abitur auch einen Universitäts-Abschluss in Französisch mit. Beide mögen die Menschen in Kamp-Lintfort und ihr Praktikum im Krankenhaus. „Es ist schön hier und die Menschen sind so nett. Und wir lernen sehr viel“, so die übereinstimmende Meinung.

Betreut werden sie vom Gemeinschaftsprojekt des Rotary-Clubs Kamp-Lintfort, der Stadt und dem Internationalen Bund (IB). Ihre Ansprechpartnerin ist unter anderem Bettina Feldmann. „Wir haben das Projekt mit 20 jungen Menschen gestartet. Ihnen wollten wir die Chance geben, hier Fuß zu fassen.“ Es begann mit Deutsch-Unterricht, jetzt folgte das Praktikum. „Wir haben den beiden jungen Männern gern die Chance geboten, einmal den Berufsalltag in Deutschland zu erleben“, so Josef Lübbers, Kaufmännischer Direktor des St. Bernhard-Hospitals Kamp-Lintfort. „Es ist beeindruckend zu sehen, mit welchem Engagement sie hier arbeiten.“

Die beiden jungen Flüchtlinge eint ihre Begeisterung für die IT. „In einem Krankenhaus stehen Menschen und ihre Gesundheit an erster Stelle. Deshalb ist helfen immer gut, aber IT ist einfach das Beste. Ob mit einem Studium oder mit einer Ausbildung, das weiß ich noch nicht“, erläutert Süleyman Mohamed. Da vertraut er, wie auch Amadou Ly, auf den Rat seiner Betreuerin.

Für den Syrer startete das Praktikum im St. Bernhard-Hospital in den Bereichen Medizintechnik und Haustechnik. Jetzt ist er in seinem Wunschbereich, der IT. Er hat in dem einen Jahr, das er bisher in Deutschland lebt, an Sprach- und Integrationskursen teilgenommen. Gemeinsam mit anderen Flüchtlingen lebt er in Kamp-Lintfort. „Wir verstehen uns gut“, erzählt er. Drei seiner Cousinen sind mittlerweile auch in Deutschland und leben in Neuss. „Wir sehen uns von Zeit zu Zeit. Das tut uns allen gut.“

Wenn Amadou Ly die Geschichte seiner Flucht erzählt, bekommt man Gänsehaut. Sein Vater, ein angesehener Importeur, wurde von der Miliz verschleppt und ist seitdem verschwunden. Der junge Mann versuchte zunächst, das Geschäft seines Vaters fortzuführen, wurde dann aber ebenfalls von der Miliz bedroht. Da die Grenzen rund um Guinea seinerzeit geschlossen waren, entschloss er sich zur Flucht über Marokko. Auch er absolvierte vor seinem Praktikum Sprach- und Integrationskurse.

Im St. Bernhard-Hospital sitzt er derzeit an der Pforte, gibt freundlich Auskunft, betreut die Ausgabe der Telefonkarten und bereitet die Patientenunterlagen vor. Natürlich war auch er schon in der IT-Abteilung im Einsatz. Auch bei ihm glänzen die Augen, wenn er von diesem Fachbereich spricht. „IT ist immer meine Richtung gewesen“, lacht er. Auch Amadou Ly lebt zusammen mit anderen Flüchtlingen in Kamp-Lintfort,

Beide haben mittlerweile Freunde gefunden und genießen die Ruhe und den Frieden. „Hier können wir ohne Angst leben. Das ist wie ein Geschenk“, betonen sie.

Beitrag drucken
Anzeigen