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Oberhausen. Bei der Hälfte aller Deutschen im Alter zwischen 60 und 80 Jahren bilden sich am Darm kleine Ausstülpungen, sogenannte Divertikel. Sie entstehen unter anderem, weil das Bindegewebe im Alter schwächer wird, so dass die Darmwand sich ins Gewebe drückt. Viele Betroffene bemerken davon nichts und haben keinerlei Beschwerden. In etwa 30 Prozent der Fälle entzünden sich diese Divertikel jedoch auf kurz oder lang, dann sprechen Mediziner von einer Divertikulitis. Anlässlich des Magen-Darm-Tags 2016 erläutert Dr. Ingo Böcker, Chefarzt der Klinik für Innere Medizin an der HELIOS St. Elisabeth Klinik Oberhausen, wie die Erkrankung erkannt und behandelt wird und gibt Betroffenen Tipps.

Bauchschmerzen im linken Unterbauch, Übelkeit, Fieber, Verstopfung oder Durchfall können Symptome für eine Divertikulitis sein. „Die Erkrankung gewinnt allerdings oftmals sehr zügig an Fahrt. Aus Anfangs als harmlos abgetanen Bauchschmerzen können sich schnell starke Beschwerden entwickeln“, sagt Dr. Ingo Böcker. Deshalb sei es wichtig, einen Arzt zur Abklärung hinzuzuziehen, denn unbehandelt könne die Erkrankung zu schwerwiegenden Komplikationen, wie Verengungen im Darm, einem Darmverschluss oder sogar -durchbruch führen. Doch wie genau kommt es zu der Entzündung der kleinen Beulen am Darm? „In den Ausbuchtungen setzt sich harter Stuhl fest. Die darin enthaltenen Bakterien greifen die Darmschleimhaut an, sie entzündet sich“, erläutert der Chefarzt. Die Divertikulitis kann akut und einmalig entstehen. Oftmals tritt sie aber wiederkehrend in Schüben auf, wird also chronisch.

Zu Diagnosestellung wird dem Patienten zunächst Blut abgenommen, um die Entzündungswerte zu checken. Außerdem kann eine Computertomographie vom Bauch Hinweise auf die Erkrankung liefern. Von innen einen Blick auf die Divertikulitis zu werfen ist allerdings nicht sinnvoll. „Eine Darmspiegelung sollte nicht durchgeführt werden, solange die Entzündung nicht abgeklungen ist. Dabei ist die Verletzungsgefahr einfach zu groß. Eine Endoskopie kann allerdings anschließend nötig werden, um zu prüfen, ob der ganze Darm Divertikel aufweist oder nur ein Stück des Organs betroffen ist“, so der Mediziner.

Je nach Ausprägung variiert auch die Behandlung der Divertikulitis. Bei einer leichten Form reicht oftmals eine medikamentöse Therapie mit Antibiotika. Außerdem hilft eine vorübergehende Schonkost dem Darm, sich zu beruhigen. „Die Ernährung sollte vorerst ballaststoffarm sein. Auf den Speiseplan gehören dann vor allem Produkte aus hellem Mehl, etwa Weißbrot, Zwieback oder weiße Nudeln. Auch Kartoffeln ohne Schale und Obstsorten wie Äpfel und Bananen sind in Ordnung“, sagt Dr. Böcker. Bei einer massiven Entzündung, wenn sich Abszesse bilden oder keine Besserung eintritt, dann kann ein operativer Eingriff helfen. Dabei wird das betroffene Darmstück entfernt, denn wo keine Divertikel mehr sind, kann sich auch nichts mehr entzünden.

Aber Betroffene können mit einer ausgewogenen, ballaststoffreichen Ernährung selbst auch dazu beitragen, das Risiko einer Divertikulitis zu senken. „Frisches Gemüse und Obst, Vollkornprodukte, Hülsenfrüchte und Nüsse halten die Verdauung auf Trab“, weiß der Chefarzt. So besteht weniger Gefahr, dass der Stuhl sich in den Darmbeulen verfängt. Allerdings werden die Ballaststoffe im Darm von Bakterien abgebaut, die Gase bilden – Blähungen können zunächst unangenehme Folge sein. Zur Beruhigung: Meist gewöhnt sich der Körper aber rasch an die Umstellung und die Darmwinde lassen nach. 

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