Assessorin Dagmar Tietsch-Lipski, Präses Manfred Rekowski und Superintendent Gerald Hillebrand (v.l.) vor der Petrikirche

Mülheim. Weisheit und Besonnenheit, Teamgeist in der Leitung und so mancher zu übende Spagat zwischen verschiedenen Anforderungen – diese Gedanken zum neuen Amt standen bei der Einführung von Superintendent Gerald Hillebrand im Mittelpunkt. Vor einer großen Gottesdienstgemeinde in der Mülheimer Petrikirche führte Präses Manfred Rekowski den neuen Superintendenten des Kirchenkreises An der Ruhr in seinen Dienst ein. Am 20. Mai war Pfarrer Gerald Hillebrand aus der Kirchengemeinde Broich-Saarn von der Kreissynode An der Ruhr gewählt worden.

„Wenn es aber jemandem an Weisheit mangelt, so bitte er Gott, der jedermann gern und ohne Vorwurf gibt; so wird sie ihm gegeben werden“, diesen Vers aus dem Jakobusbrief stellte Superintendent Hillebrand ins Zentrum seiner Predigt im Einführungsgottesdienst. Den Ratsuchenden tadle Gott nicht für Zögern oder Unsicherheit. Und er spotte auch nicht darüber, wie die Kirche sich gegen gesellschaftlichen Ansehensverlust stemme und „hilflos zappelt wie ein Käfer, der auf dem Rücken liegt“. Gott schaue nicht schadenfroh lächelnd zu, sondern er hilft jedem, einen Ausweg zu finden. „Gott ist nämlich – im Gegensatz zu unserer an Leistung und Erfolg ausgerichteten Gesellschaft – gnädig und barmherzig“, so Superintendent Gerald Hillebrand. Eine besondere Aufgabe der Kirche sei es „sich derer anzunehmen, die am Rande der Gesellschaft stehen, ihre Ausgrenzung zu überwinden und ihnen mehr Teilhabe am Leben zu ermöglichen. Diese Menschen gehören in unsere Mitte“, sagte Superintendent Hillebrand weiter in seiner Einführungspredigt. Hillebrand ist als langjähriger Diakoniepfarrer des Kirchenkreises Mitglied in Kuratorium und Geschäftsleitung  des Diakonischen Werkes sowie im Aufsichtsrat der Diakoniewerk  Arbeit  & Kultur gGmbH. Mit Blick auf gesellschaftliche Entwicklungen wünschte er sich „Respekt vor Verschiedenheit“, ließ aber auch anklingen, dass Respekt Grenzen habe, wenn jemand „menschenverachtende oder rassistische Ansichten“ vertrete.

Um den gefühlt großen Erwartungsdruck an einen neuen Superintendenten zu mildern, wählte Präses Rekowski ein Bibelwort aus dem Korintherbrief (1. Korinther 4, 1-2). Ein „treuer Diener und Haushalter Christi“, sollen die Leitenden sein, so heißt es in der Bibel – mehr nicht. Die Verse im Korintherbrief, so machte Präses Rekowski mit Worten Martin Luthers deutlich, zeigen, dass „alle aus der Taufe gekrochenen“ nichts als Mitarbeiter auf Gottes Baustelle sind. Teamplay sei im kirchlichen Leitungsamt daher unerlässlich.

Mit rund 200 geladenen Gästen feierten die Evangelischen nach der Einführung im Mülheimer Altenhof weiter. Auf dem Weg vom Gottesdienst in den Veranstaltungsraum läuteten nicht nur die Glocken der Petrikirche, sondern auch die der katholischen Nachbarkirche St. Mariae Geburt. – Um zu zeigen, „dass unsere Herzen und Türen für die Ökumene weit offen sind“, wie Stadtdechant Michael Janßen in seinem Grußwort später betonte. Die Unterstützung der Stadt bei Aufgaben, die oft „Kreativität oder einen sportlichen Spagat“ erfordern, versprach Bürgermeisterin Margarete Wietelmann. Mit einem fröhlichen „Bwana Asifiwe“ (Kisuaheli für „Gott segne dich“), überbrachte Pfarrerin Ursula Thomé stellvertretend die Glückwünsche von Districtpastor Anta Muro aus dem Partnerkirchenkreis in Daressalam / Tansania. Grußworte sprachen weiterhin Markus Zaja für die Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Mülheim an der Ruhr, Präses Manfred Rekowski für die Evangelische Kirche im Rheinland, Superintendent Joachim Deterding (Oberhausen) und Superintendentin Marion Greve (Essen) für die Regional-Superintendenten, Dr. Heinz-Rudi Spiegel für den Kreissynodalvorstand und Dorothee Hartnacke für das Kuratorium des Diakonischen Werkes.

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