Arbeitsplatz in der Lebensmittelindustrie (Foto: NGG)
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Krefeld. Die Digitalisierung könnte in Krefeld viele Jobs kosten – wenn Unternehmen nicht in Weiterbildung investieren. Davor warnt die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) und beruft sich auf eine Regionalstudie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB). Demnach sind in Krefeld 17,9 Prozent aller sozialversicherungspflichtigen Stellen besonders leicht durch computergesteuerte Maschinen ersetzbar. Hier können Handgriffe künftig zu 70 Prozent vom „Kollegen Computer“ erledigt werden, berichten die Forscher.

Manja Wiesner, Geschäftsführerin der NGG Krefeld-Neuss, spricht von einem „Weckruf“. Die heimische Wirtschaft müsse dringend auf Qualifikation setzen, um die digitale Zukunft nicht zu verschlafen. „Je mehr wir für die Aus- und Weiterbildung tun, desto geringer ist die Gefahr eines starken Arbeitsplatzabbaus in Krefeld“, sagt Wiesner. Gewerkschaften und Betriebsräte sollten hierbei ein „entscheidendes Wort“ mitreden.

Nach Angaben des IAB sinkt die Gefahr eines Jobverlustes mit steigender Qualifikation: Bei ungelernten Kräften liegt die Quote einer Arbeitsübernahme mit 22 Prozent besonders hoch. Fachkräfte kommen auf 17,5 Prozent, Spezialisten wie Meister und Techniker lediglich auf 13,4 Prozent.

„Besonders anfällig sind Berufe in der Industrieproduktion. In der Lebensmittelbranche etwa organisieren Computer schon heute selbstständig die Warenlieferung“, erklärt Wiesner. Die Maschine melde, wenn eine Zutat zur Neige gehe und bestelle sie dann selbst. Der Lagerlogistiker von heute werde damit immer mehr zum IT-Fachmann – „vorausgesetzt, er bekommt die nötige Weiterbildung“.

Lebensmittel- und Gastgewerbeberufe sind laut IAB-Studie ebenfalls betroffen. Die „PC-Übernahmequote“ liegt hier bei 32 Prozent. Besonders heikel sieht es jedoch bei „fertigungstechnischen Berufen“ aus. 65 Prozent der Arbeiten dort könnten ersetzt werden. Gewerkschafterin Wiesner: „Die nächste Bundesregierung hat den klaren Handlungsauftrag, sich nicht nur um den Ausbau der digitalen Infrastruktur zu kümmern. Sie muss konkret sagen, wie sie die Beschäftigten für eine neue Arbeitswelt fit machen will.“

Die NGG sieht die Entwicklung dabei nicht nur skeptisch: „Durch den technischen Wandel entstehen auch neue Arbeitsplätze. Die Computer müssen entwickelt und gebaut werden. Und es braucht Fachkräfte, um die Maschinen zu steuern, zu kontrollieren und zu warten.“

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