(Foto: BokanPhotography über HELIOS)
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Rhein-Ruhr. Die kommenden Feiertage gelten für Viele als der Inbegriff der Besinnlichkeit. Man verbringt viel Zeit mit seinen Liebsten, die Familie rückt zusammen und der Zauber der Weihnacht liegt in der Luft. Doch oftmals sieht die Realität ganz anders aus: Rund um den heimischen Esstisch und unterm Tannenbaum wird gezankt, gezofft, gestritten. Dr. Simon Cohen, Chefarzt der Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Gerontopsychiatrie an der Helios Marien Klinik, erklärt, warum aus Weihnachten manchmal Schreinachten wird und wie man das verhindern kann.

Wenn die Stimmung an Weihnachten plötzlich im Keller ist, dann liegt das in den meisten Fällen an völlig überzogenen Erwartungen. „Wir begehen die Feiertage mit dem Anspruch, dass alles perfekt sein muss – dieses Vorhaben ist aber oft von vorneherein zum Scheitern verurteilt,“ sagt Dr. Cohen. Ob das Weihnachtsmenü, die Abläufe bei der Bescherung, die Reihenfolge der Verwandtschaftsbesuche – in vielen Familien sehen die Feiertage seit Jahren immer gleich aus. Traditionen sind zwar etwas Schönes, pressen den Hergang der Weihnachtstage jedoch in eine Art starres Korsett. „Da fehlt jede Möglichkeit für spontane Genussmomente, denn man ist viel zu sehr damit beschäftigt, dass alles nach Plan verläuft“, so der Chefarzt. Damit setzen wir uns selbst immens unter Druck, sind gestresst und als Ausdruck dessen oftmals auch viel gereizter. Ein falsches Wort kann dann leicht das Fass zum Überlaufen bringen. Es reicht beispielsweise schon die Aussage des Vaters, dass die Gans in diesem Jahr irgendwie anders schmeckt und die Mutter ist gekränkt und verletzt. Aber warum muss es denn immer die gleiche Rezeptur sein? Warum nicht mal ein anderes Festtags-Menü? „Haben Sie ruhig den Mut, mit Althergebrachtem zu brechen. Das Familienleben kann sich ändern, Kinder werden älter, Geschmäcker verändern sich und vielleicht passt der Kartoffelsalat mit Würstchen auch ganz gut zu Ihrem gelungenen Fest.“

Was uns an Weihachten zudem Jahr für Jahr ins Schleudern bringe, sei der vermeintlich plötzlich auftretende Stress, sagt Dr. Cohen. Man hat plötzlich nur noch drei Tage um alle Geschenke zu kaufen, das Weihnachtsessen muss vorbereitet werden, der Tannenbaum ist immer noch nicht vernünftig geschmückt und eigentlich wollte man ja noch eben Staub wedeln, bevor Tante Lisbeth kommt: „Die Anspannung übermannt uns plötzlich. Für viele andere Stresssituationen – etwa eine lange Autofahrt in den Urlaub mit zwei kleinen Kindern – wappnen wir uns entsprechend und überlegen uns Strategien, um den Stress zu umgehen. An Weihnachten fehlen uns diese Strategien oft.“ Wir sollten uns also bewusst machen, dass das Fest der Liebe auch mit Stress verbunden sein kann und uns kleine Inseln für spontane Wohlfühlmomente schaffen. Gemeinsam im Bademantel am Frühstückstisch sitzen, ein ausgiebiger Spaziergang, endlich mal mit dem Buch beginnen, das schon lange auf dem Nachttisch liegt – jeder kann andere Wege finden, zur Ruhe zu kommen. Und damit stehen die Chancen gleich viel besser, dass die stille Nacht nicht im Palaver endet.

 

Tipps für ein besinnliches Fest

  • Machen Sie sich vorab schon bewusst, dass es Weihnachten etwas stressiger werden könnte. Planen Sie kleine Pausen ein, in denen Sie zur Ruhe kommen können.
  • Prüfen Sie Ihre Erwartungen – sind Ihre Wünsche und Anforderungen an ein gelungenes Fest realistisch?
  • Vermeiden Sie es, in starren Abfolgen zu denken. Planen Sie nicht die kompletten Feiertage durch.
  • Trauen Sie sich, auch mal etwas anders zu machen als in den Jahren zuvor. Vielleicht können Sie als Familie regelmäßig neue Traditionen schaffen.
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