Nachbar Peter Seyferth (l.) und Ehefrau Giesela retteten Karl-Heinz Woitalla mit Unterstützung von Leitstellendisponent Matthias Venhoven (r.) das Leben (Foto: © Landeshauptstadt Düsseldorf/Michael Gstettenbauer)
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Düsseldorf. Jedes Jahr sterben rund 80.000 Menschen in Deutschland durch den plötzlichen Herztod. Alleine im Jahr 2017 ist die Feuerwehr Düsseldorf zu 135.000 Notfalleinsätzen ausgerückt. Dabei musste mehr als 17.000 Mal der Notarzt bei lebensbedrohlichen Krankheiten, wie zum Beispiel Herzkreislaufstillständen, medizinische Hilfe leisten. Darauf macht die Feuerwehr im Zuge der “Woche der Wiederbelebung” von Montag, 17. September, bis Sonntag, 23. September, aufmerksam.

Schon seit vielen Jahren geben die Leitstellendisponenten, die unter anderem Feuerwehrleute und Notfallsanitäter sind, per Telefon lebensrettende Hilfestellung für die Anrufer. Seit 2014 wird dies einheitlich mithilfe eines festgelegten Algorithmus’, der mit dem ärztlichen Leiter der Landeshauptstadt zusammen ausgearbeitet wurde, an Hilfesuchende übermittelt.

So geschehen am 11. Oktober 2017. Am frühen Abend erreichte die Feuerwehr ein Notruf aus Gerresheim. Aufgrund der Meldung war dem Disponenten am Telefon sofort klar, dass es um jede Sekunde geht. Während sich der Rettungswagen und der Notarzt von den nächstgelegenen Wachen auf den Weg machten, gab er dem Anrufer wertvolle Hilfestellung und Anweisungen für die Wiederbelebung seines bewusstlosen Nachbarn. Als nur wenige Minuten später die professionellen Helfer eintrafen, übernahmen diese die weitergehende medizinische Versorgung. Bereits zwei Wochen nach dem Vorfall konnte der damals 68-Jährige ohne gesundheitliche Einschränkungen das Krankenhaus verlassen.

“Jede Minute, die bis zum Beginn der Herzdruckmassage verstreicht, verringert die Überlebenswahrscheinlichkeit des Betroffenen um etwa 10 Prozent”, erläutert Branddirektor David von der Lieth. “Jeder kann helfen. Bei der Wiederbelebung kann man nichts falsch machen. Nur wer nichts macht, macht etwas falsch. Da der Großteil der Herzkreislaufstillstände im privaten oder beruflichen Umfeld geschehen, ist die Chance sehr groß, dass es sich dabei um einen Menschen aus der Familie, dem Bekannten- oder Freundeskreis handelt.”

Die Woche der Wiederbelebung wird durch das Bundesgesundheitsministerium initiiert, um in der Bevölkerung die Bereitschaft der Herzdruckmassage zu stärken und Wissensdefizite abzuschaffen. Im Zuge des Führerscheins hat jeder Fahrzeugführer einen Erste-Hilfe-Kurs besucht. Aber was nicht regelmäßig geübt wird, gerät in Vergessenheit und führt zu Unsicherheit, wenn es angewendet werden soll. Daher schult die Feuerwehr Düsseldorf schon seit vielen Jahren die Mitarbeiter, die als erstes mit Hilfesuchenden in Berührung kommen.

Alle Disponenten der Feuerwehrleitstelle sind in der Telefonreanimation unterwiesen und werden jährlich im Rahmen der gesetzlichen Rettungsdienstfortbildung stets weitergebildet. Bereits im Telefonat erkennen die erfahrenen Rettungsdienstmitarbeiter die Notfallsituation. Während sich die Rettungsdienstfahrzeuge mit Notfallsanitätern und Notärzten auf den Weg zum Einsatzort machen, bleibt bei der “Telefonreanimation” das Gespräch so lange bestehen, bis die professionelle Hilfe vor Ort ist. Dabei werden die lebensrettenden Handgriffe an die Anrufer durch die Profis per Telefon weitergegeben und genau erklärt, sodass auch Ungeübte zu Lebensrettern werden können.

“Viele Anrufer machen instinktiv das Richtige, fühlen sich aber in der Extremsituation häufig überfordert. Dabei helfen wir dann direkt am Telefon”, erklärt der Leitstellendisponent Matthias Venhoven, der am 11. Oktober 2017 beim Notruf die Nachbarn genau instruiert hat. “Wenn die ersten lebensrettenden Schritte gemacht wurden und die Angst der Menschen verstrichen ist, sind die Ersthelfer sehr dankbar für die telefonische Unterstützung.” Dadurch konnte bislang pro Jahr im Durchschnitt acht Menschen in der Landeshauptstadt das Leben gerettet werden.

Einer von ihnen ist Karl-Heinz Woitalla. Der damals 68-jährige passionierte Golfspieler war am 11. Oktober auf seinem Sofa in der Wohnung vor den Augen seiner Frau und der Enkelin zusammengesackt. Sofort erkannte die Ehefrau den lebensbedrohlichen Zustand und hatte sofort, zusammen mit dem Nachbarehepaar, über die Notrufnummer 112, Hilfe gerufen. Während sich die Rettungsdienstfahrzeuge auf den Weg nach Gerresheim machten, übernahm der Nachbar das Telefon und gab die Anweisung von Matthias Venhoven – aus der Leitstelle der Feuerwehr Düsseldorf – an seine Ehefrau weiter. Nachdem sie zusammen den bewusstlosen Nachbarn vom Sofa auf den Boden legen konnten, konnte sofort mit der lebensrettenden Herzdruckmassage begonnen werden. Als nur wenige Minuten später der Rettungswagen eintraf, übernahmen die Notfallsanitäter die weitere Behandlung in der Wohnung. Zusammen mit dem Notarzt konnte so das Herz des 68-Jährigen wieder zum Schlagen gebracht werden.

Nach fünf Tagen wachte Karl-Heinz Woitalla auf der Intensivstation des Universitätsklinikums Düsseldorf wieder auf. Er hatte von der Rettungsaktion in seinem Wohnzimmer nichts mitbekommen. Erst durch Erzählungen von seiner Ehefrau, die sich während der Wiederbelebung um die fünfjährige Enkelin kümmerte, wurde ihm bewusst, dass er sein Leben dem Nachbarehepaar zu verdanken hat. Nach gerade mal zwei Wochen konnte er das Krankenhaus verlassen und kann seitdem sein Leben wie gewohnt genießen und sich seinen großen Hobbys, dem Golf spielen und den Spielenachmittagen mit seiner Enkelin, widmen.

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