Andreas Spahn, hauptberuflicher Feuerwehrmann in Grevenbroich und nebenberuflich Rettungssanitäter, stellte Heike Troles und Dr. Jörg Geerlings die Aktion Wiederbelebung im Landtag vor, für deren Weiterentwicklung die CDU jetzt den Antrag einbringt (Foto: privat)
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Rhein-Kreis Neuss. Die CDU-Fraktion hat gestern gemeinsam mit der FDP-Fraktion einen Antrag in den Landtag eingebracht, der einstimmig angenommen wurde. Dieser setzt sich für die Weiterentwicklung des Projekts „Laienreanimation an Schulen“ ein, das die Kompetenz Menschenleben zu retten stärken soll. Der Antrag basiert auf dem Arbeitskreis Gesundheit. Dem gehört Heike Troles, Landtagsabgeordnete der CDU für Grevenbroich, Rommerskirchen und Dormagen, zwar nicht an. „Trotzdem ist es mir wahrsten Sinne des Wortes eine Herzensangelegenheit“, erklärt die Grevenbroicherin. Schließlich sei ihr Vater im Alter von 39 Jahren an Herzversagen verstorben, als sie gerade mal neun Jahre alt war. „So was vergisst man nicht. Es kann lebenswichtig sein, genau zu wissen wie eine Wiederbelebung funktioniert. Und das geht nur durch Übung von Theorie und Praxis“, stellt Heike Troles klar.

Nach aktuellen Daten des Deutschen Reanimationsregisters erleiden in Deutschland mindestens 50.000 Menschen einen Herz-Kreislauf-Stillstand außerhalb eines Krankenhauses. Dabei überleben nur rund zehn Prozent der Betroffenen. In fast der Hälfte der Fälle wird ein Kreislaufstillstand von Laien, wie zum Beispiel Angehörigen, beobachtet. Da das Gehirn bereits drei bis fünf Minuten ohne Sauerstoffversorgung irreversibel geschädigt wird, Rettungsdienste oder Notärzte aber in der Regel erst später eintreffen, ist die sofortige Aufnahme der Wiederbelebungsmaßnahme durch Laien entscheidend. Schulungsanfänge wurden bereits gemacht. In Nordrhein-Westfalen hat das Ministerium für Schule und Bildung zum Schuljahresbeginn 2017/2018 das landesweite Modellprojekt „Laienreanimation an Schulen in Nordrhein-Westfalen“ mit einer Laufzeit von drei Jahren gestartet. Rund 120 Schüler nehmen bereits  teil. Das Projekt richtet sich in erster Linie an Schüler ab der 7. Klasse und enthält Theorie und Praxis. Es spricht Schüler, Lehrer, alle am Schulleben beteiligte und im optimalen Fall auch Eltern an. Nach Einschätzung der Deutschen Gesellschaft für Anästhesiolgie und Intensivmedizin (DGAI)  könnten bei einer entsprechenden Steigerung in Deutschland pro Jahr rund 10.000 Menschen mehr überleben. Vorbild sind übrigens die Niederlande und skandinavische Länder, wo die Laienreanimationsquote durch Kampagnen und Unterricht in den Schulen innerhalb von zehn Jahren verdoppelt werden konnte. Die NRW Koalition hat bei den Beratungen des Landeshaushalts für 2018 zusätzliche Mittel von 100.000 Euro zur Verfügung stellt, um das Projekt zur Unterrichtung und Wiederbelebung insbesondere an Schulen zu unterstützten. Diese Mittel könnten zur Anschaffung weiterer Übungspuppen und zur Ausweitung des Modellprojekts auf weitere Schulen genutzt werden. Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Schulung von Lehrkräften. Hier könnten neben den übergeordneten fachlichen Kooperationspartnern auch vor Ort Fachkräfte aus der Notfallmedizin und dem Rettungswesen eingebunden werden. Dabei soll geprüft werden, wie der Aufwand zur Durchführung von Schulungen angemessen honoriert werden könnte.

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