Jutta Muntoni (Foto: ELKE MUEHLHOFF)

Duisburg. Weihnachten im AWOcura-Seniorenzentrum, wie ist das denn so? Jutta Muntoni, die Leiterin des Sozialen Dienstes im AWOcura-Haus beschreibt, auf welche Weise die Festtagsstimmung ins Haus kommt. Und sie spricht von Freude und Melancholie, die zu Weihnachten gehört wie Tannenbaum, Lieder und Lichterglanz.

„Seit 30 Jahren verbringe ich jeden Heiligen Abend im Heim. Ich glaube, es geht dabei nicht nur mir so, sondern auch meinen Kolleginnen in den anderen vier AWOcura-Seniorenzentren: Ich erlebe diese stimmungsvollen Stunden sehr gerne mit den Bewohnerinnen und Bewohnern. Weihnachten weckt in vielen Menschen die Erinnerung an das Glück während ihrer Kinderzeit. Das gespannte Warten aufs Fest, die Freude am Tannenbaum und das Singen der alten Lieder. Das spürt man überall in den Wohnbereichen. Und das ist bei mir nicht anders. Ich denke an meine Kindheit in Österreich, wo ich aufgewachsen bin, an die Berge und den Schnee. Da kommt an diesen Tagen ein bisschen Melancholie auf. Zugleich fühle ich mich in der Gemeinschaft der Menschen, die das so ähnlich empfinden, sehr getröstet.

An Weihnachten fließen dann auch Tränen, weil die Erinnerung traurig machen kann. Aber vor allem sehe ich die Freude in den Gesichtern der Menschen, wenn wir am Heiligen Abend in den Wohnbereichen Lieder singen und eine Geschichte hören, wenn wir jede Bewohnerin und jeden Bewohner mit einem Geschenk bescheren. Die Menschen – auch die Menschen, die demenziell verändert sind – spüren: Es ist irgendwie eine heilige Zeit und eine Zeit der Hoffnung, dass die Welt ein bisschen besser wird.

Weihnachten beginnt bei uns schon früh: mit dem Schmücken der Wohnbereiche im Advent. Unser Heimleiter Marc Niewöhner sorgt dafür, dass wir schönes Deko-Material bekommen. Wir backen mit den Bewohnern zusammen Plätzchen. Dann kam der Adventsmarkt hier bei uns Im Schlenk, zu dem wir alle Wanheimerorter eingeladen haben. Der Nikolaus kam vorbei. Wir singen in den Wohnbereichen immer wieder adventliche Lieder mit den Senioren. Und wir haben Wünsche erfüllt: In diesem Jahr wollten viele Bewohnerinnen und Bewohner einmal den Weihnachtsmarkt in der Stadt sehen. Da sind wir dann mit vier Gruppen mit dem Linienbus hingefahren. Das verlangt durchaus Aufwand, weil ja auch Betreuerinnen und Begleiter mit dabei sein müssen. Trotzdem, wir machen es gern. Die Freude der Menschen ist alle Mühe wert.

Gestern haben wir bei uns im Haus das so genannte Adventsfenster ausgerichtet. Wir haben das Fenster geschmückt und mit den Bewohnern des Stadtteils zusammen gesungen und Glühwein getrunken. Weihnachten ist für uns deshalb mehr als ein Tag, es ist wirklich eine echte Zeit. Was mir Freude macht: diese Stimmung bei uns färbt auf den Stadtteil ab. Unser Haus steht nicht allein für sich. Es ist Teil der Nachbarschaft. Als wir das Theaterstück „Ox und Esel“ mit unseren Bewohnern geschaut haben, waren auch viele Mädchen und Jungen aus einem Kindergarten mit dabei.

Den Heiligen Abend feiern wird dann noch einmal besonders. In jedem Wohnbereich richten wir eine kleine Feier aus. Alle sitzen an einer langen Tafel. Herr Rehfeld, mit dem ich auch unter dem Jahr zusammen Musik mache, und ich gehen dann von Wohnbereich zu Wohnbereich. Wir singen dann zusammen mit den Senioren Weihnachtslieder. Kaffee und Kuchen gibt es ebenfalls. Wenn jemand nicht laufen kann, schieben wir ihn mit dem Bett in den Raum. So viel Platz muss sein.

Wir sind an diesem Tag nicht allein: die Pflegerinnen und Pfleger, viele Alltagsbegleiterinnen und Alltagsbegleiter, Betreuungsassistenten – sie sind alle ebenfalls im Haus, um den Menschen nahe zu sein, ihre Freude zu teilen und eben auch das Gefühl der Melancholie. All diese Gefühle haben ihren Platz und sind Teil des Zusammenlebens in einer Gemeinschaft. Die Angehörigen nehmen an dieser kleinen Feier ebenfalls gern teil.

Gegen 17 Uhr klingt der Heiligabend mit dem Abendessen aus. Dann gehen die Bewohnerinnen und Bewohner zurück auf ihre Zimmer. Oft gehen dann auch die Angehörigen mit ihnen ins Zimmer. Manche gucken alleine Fernsehen. Andere wollen einfach nur schlafen. So ein Fest macht müde. Wenn ich so gegen 18 Uhr nach Hause zu meiner Familie fahre, dann tue ich das mit einem freudigen Gefühl, weil es so anrührend, schön und stimmungsvoll war.

Am ersten Weihnachtstag haben wir kein Programm. Es gibt das Festessen zum Mittag. Die Angehörigen können mit dabei sei und mit essen. Am ersten und zweiten Weihnachtstag kommen viele Angehörige und verbringen den Tag mit ihren Lieben. Deshalb verzichten wir da auf eigene Angebote. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Wohnbereichen nehmen sich gleichwohl Zeit für Bewohner, die vielleicht keinen Besuch bekommen oder einfach beim Tannenbaum auf der Etage sitzen wollen und Weihnachten für sich nachklingen lassen. Wir können die Familie nicht ersetzen und wir versuchen das auch nicht. Wir sind jedoch eine Gemeinschaft, und das wollen wir die Senioren spüren lassen und sie spüren es auch selbst.

Ja, diese Tage sind anders bei uns im Haus. So wie sie in vielen Familien anders sind. Weihnachten verbinden wir mit Hoffnung und Erwartung. Wir warten, dass die Welt besser wird, dass die Lichter heller scheinen und sehnen uns nach dem Weihnachtsfrieden. Das ist schön so und deshalb ist es auch bei uns so schön an den Festtagen.“

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