Gerade eingezogen! Ibrahim Yetim und Thomas Kutschaty im Gespräch mit Hayat Ketfi in den neuen Räumen "Bunter Tisch Moers e. V." an der Asberger Straße (Foto: privat)

Moers. „Der Bunte Tisch Moers – ganz nah am Menschen“ – Thomas Kutschaty, Vorsitzender der SPD-Landtagsfraktion und Oppositionsführer im Landtag von Nordrhein-Westfalen, und Ibrahim Yetim, SPD Landtagsabgeordneter für Moers und Neukirchen, waren zu Gast beim „Bunten Tisch Moers e.V.“

„Ich hab mir für meine Sommertour 2019 vorgenommen, Einrichtungen zu besuchen und ehrenamtliches Engagement zu würdigen, das meinen ganz besonderen Respekt verdient. Ibrahim Yetim hat mich auf den Bunten Tisch aufmerksam gemacht und ich freue mich heute hier zu sein“, erklärte Thomas Kutschaty.

Begleitet wurden die SPD Landtagsabgeordneten vom Moerser SPD Fraktionsvorsitzenden Atilla Cikoglu und von der SPD Ratsfrau Ursula Elsenbruch, die vor über 25 Jahren bereits zu den Gründern der Bürgerinitiative „Der Bunter Tisch“ gehörte. Gegründet wurde der „Bunte Tisch“ von Amar Azzoug unter dem Eindruck der fremdenfeindlichen Anschläge u.a. in  Hoyerswerda und Solingen.

Heute ist der „Bunte Tisch“ aus Moers nicht mehr weg zu denken. Die erste Versorgung und Betreuung der geflüchteten Menschen, die 2015 auch Moers erreichten, wäre ohne den „Bunten Tisch“ nicht so zügig gelungen.

Bis zu 80 ehrenamtliche Helfer haben damals, laut Hayat Ketfi, der Geschäftsführerin des Vereins, mit angepackt. Angefangen hat „Der Bunte Tische“  in Behelfscontainern neben einer Asylbewerberunterkunft mit Themenabenden bei denen Menschen aus Ihren Herkunftsländer berichteten und immer wurden ihre Heimatländer dabei auch kulinarisch vorgestellt. Zu diesen Themenabenden, mit Vorträgen zu kontroversen Themen,  z. B. zur Gülen-Bewegung, kommt immer ein zahlreiches, überregionales Publikum.

Für die Geflüchteten, die 2015 hier in Moers eine neue Heimat suchten, hat der „Bunte Tisch“ ein dichtes Netzwerk mit Schulen, Wirtschafts- und  Handwerksbetrieben, mit den Behörden aufgebaut, um möglichst schnell und individuell helfen zu können Dazu Hayat Ketfi: „Es waren vielschichtige, differenzierte Aufgabenstellungen zu meistern. Die Geflüchteten kamen zu uns, weil hier ihre Sprache gesprochen wurde, hier konnte übersetzt und individuelle Hilfe organisiert werden.“ Jetzt konnte der „Bunte Tisch Moers e.V.“ endlich nach über 25 Jahren Provisorium, die maroden Behelfscontainer verlassen und neue, angemessene  Räume beziehen.

Ibrahim Yetim übernahm die Schirmherrschaft bei der Bunten Tisch Initiative „Bildung ein Grundrecht auch für Flüchtlinge“. Hayat Ketfi: „So erfolgreich wir in vielen Fällen sind, so ist aber auch die Kehrseite zu benennen!“ Ausführlich benannte die Geschäftsführerin z. B. die Schwierigkeiten beim Rückkehrerprojekt zusammen mit der Kreishandwerkerschaft: „Es war nicht möglich mit der GIZ (Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit) in den Herkunftsländern zu kommunizieren um den Rückkehrwilligen vor Ort den Einstieg zu erleichtern.“

Einen jungen Geflüchteten hatte man überzeugt bei der Identitätsprüfung mitzuwirken, das Resultat, ihm wurde seine Ausbildungsstelle wieder aberkannt. Dazu Hayat Kefti: „Da wurde die Mitwirkung zur Falle, wer sich der Mitwirkung entzieht, scheint größere Bleibechancen zu haben, das kann doch so nicht gewollt sein!“ Für die beim „Bunten Tisch“ drei angestellten hauptamtlichen Kräfte und für die vielen Ehrenamtlern wiederholt sich immer wieder die Erfahrung, dass integrationswillige und integrationsfähige Geflüchtete trotzdem von Abschiebung bedroht sind. Kopfschütteln bei den Besuchern aus dem Landtag. Ibrahim Yetim: „Wir haben das Gesetz 3 + 2 durchgesetzt, Geflüchtete, die einen Ausbildungsplatz haben, dürfen während der Ausbildung und 2 Jahre danach, nicht abgeschoben werden!“ Thomas Kutschaty und Ibrahim Yetim sicherten zu, sich den beschriebenen Fall noch einmal genau anzuschauen und auf die Einhaltung der Gesetze zu bestehen.

Die Frage von Thomas Kutschaty nach der Anerkennung von Berufsabschlüssen wurde am Beispiel einer ausgebildeten Krankenschwester derart beschrieben, dass 3 Jahre gebraucht wurden, um ihre Qualifikation hier anzuerkennen und das in einem Berufszweig der händeringend nach qualifiziertem Personal sucht.

Thomas Kutschaty zum Abschied: „Unser Land lebt davon, dass sich Bürgerinnen und Bürger wie Ihr hier  ehrenamtlich engagieren. Das ist der „Kitt“, der unsere Gesellschaft zusammen hält!“

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