Die Mannschaft des FC Together (Foto: privat)

Oberhausen. Stolz schauen die Spieler mit ihren neuen roten Trikots in die Kamera. Die Freude ist schon vor ihrem ersten Pflichtspiel im deutschen Fußball groß: Sie haben als Team zusammengefunden, mithilfe des DRK Oberhausen einen eigenen Fußballverein gegründet, einen Fußballplatz zugewiesen bekommen und ihre Spielerpässe erhalten. Mitte August starten sie in der Kreisliga C.

Im Kreispokal wurde ihnen der DJK Arminia Klosterhardt zugelost, der in der vergangenen Saison aus der Landesliga in die Bezirksliga abgestiegen ist. Gegen diese vier Klassen höhere Mannschaft bestreitet ihr FC Together – DRK Oberhausen e. V. am 03.08.2019 um 16:00 Uhr mit Heimrecht auf Asche das erste Pflichtspiel am Sportplatz Biefangstraße.

Es sei kontraproduktiv für die Integration einen eigenen Verein zu gründen, statt sich in bestehenden Vereinen zu engagieren, wurde der Vereinsvorstand aus DRK-Mitarbeitenden kritisiert. „Das dachten wir anfangs auch, aber ganz so einfach ist es nicht“, erklärt Jörg Fischer, Leiter der Wohlfahrts- und Sozialarbeit beim DRK Oberhausen und Vorsitzender des FC Together. „Ein Drittel unserer Spieler hat zuvor schon in anderen Vereinen gespielt, konnte dort aber sozial nicht Fuß fassen. Wenn wir an Fußballmannschaften denken, haben wir oft noch romantische Vorstellungen von Männern, die auf und neben dem Spielfeld eine verschworene Gemeinschaft bilden und viel gemeinsam unternehmen. Das ist aber nicht so.“

Diese Erfahrungen haben letztlich auch zu dem Wunsch der Spieler geführt, ihre eigene Vereinsmannschaft zu gründen.

„Wir hatten eine tolle Zusammenarbeit mit RWO, der uns sportlich mit seinem Knowhow und seiner Infrastruktur voll unterstützt hat und dem wir dafür sehr dankbar sind“, sagt Jolanda Kuci, die die Mannschaft als DRK-Projektleiterin initiiert hat und jetzt als Stellvertretende Vereinsvorsitzende und Teammanagerin des FC Together die Spieler vor allem mental und sozial betreut. „Um zu verstehen, warum unsere Jungs die veralteten Kabinen eines Ascheplatzes, den modernen Anlagen des RWO-Kunstrasenplatzes vorgezogen haben, muss man ihre Lebenssituation betrachten. Unsere Spieler sind aus sieben Ländern nach Deutschland geflohen, zwischen drei Monaten und drei Jahren hier in Oberhausen, leben zum Teil in Gemeinschaftsunterkünften, zum Teil in privatem Wohnraum – auch abhängig vom jeweiligen Aufenthaltsstatus und immer ohne ihre Familien. Mit Unterstützung des DRK Oberhausen besuchen sie Deutschkurse, Schulen, suchen einen Arbeits- oder Ausbildungsplatz, wenn ihr Status das gestattet. Sie müssen und wollen sich hier eine Zukunft aufbauen und die Kontrolle über ihr Leben zurückgewinnen. Beim Fußball ist das für eine kurze Zeit möglich. Sie haben Spaß am Spiel, Selbstvertrauen in ihre Fähigkeiten und genießen die Gemeinschaft in einem Team von Männern, die in sehr ähnlichen Lebenssituationen sind. Dieses Stück Autonomie wollen sie nicht aufgeben und auch dabei wollen wir sie als DRK unterstützen.“

Das Oberhausener Rote Kreuz will es daher umgekehrt versuchen. Der FC Together und seine Spieler wünschen sich zusätzliche Mitspieler, die keinen Migrationshintergrund haben oder schon integriert sind. So soll die Nähe zu bestehenden sozialen Strukturen vertieft werden, ohne die Vertrautheit des eigenen Teams aufgeben zu müssen.

In ihrem ersten offiziellen Spiel als FC Together am 03.08.2019 gegen den letztjährigen Landesligisten sind sie der Underdog. Eine Rolle, die die Spieler von ihrem Leben hier in Deutschland kennen, aber eben auch von der bewunderten Regionalligamannschaft des RWO – und der Pokal schreibt ja bekanntlich seinen eigenen Gesetze.

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