V.l.: Stefan Schreiber, Hauptgeschäftsführer IHK zu Dortmund, Burkhard Landers, Präsident der Niederrheinischen IHK, Veronika Lühl, stellvertretende Hauptgeschäftsführerin der IHK zu Essen und Dr. Stefan Dietzfelbinger, Hauptgeschäftsführer der Niederrheinischen IHK, stellten den aktuellen Ruhrlagebericht vor (Foto: Niederrheinische IHK/Hendrik Grzebatzki)
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Ruhrgebiet/Niederrhein. Ruhr-IHKs fordern Steuersenkungen und deutliche Impulse bei Regionalplan und Ruhrkonferenz

Nach einem langen Hochsommer folgt der konjunkturelle Herbst im Ruhrgebiet: Das zeigt der aktuelle Ruhrlagebericht, den die Ruhr-IHKs heute vorgelegt haben. Trotz immer noch guter Geschäfte blicken die Unternehmen im Revier mit deutlich gestiegener Sorge auf die kommenden Monate. Insbesondere bei den Exporten erwarten sie künftig Rückgänge. Der Konjunkturklimaindex der Ruhr-IHKs, der die noch gute Lage und die gesenkten Erwartungen zusammenfassend widerspiegelt, sinkt um 16 Punkte auf aktuell nur noch 110 Punkte. Das ist der stärkste Rückgang seit zehn Jahren.

Die meisten der befragten Unternehmen im Ruhrgebiet schätzen ihre Geschäftslage aktuell noch positiv ein. 38 Prozent von ihnen bewerten sie als „gut“. Das sind deutlich weniger als zu Jahresbeginn (48 Prozent). Der Anteil der Betriebe, die unzufrieden sind, steigt von 7 auf 11 Prozent an. Noch sehr viel stärker als die Lagebewertungen haben sich die Geschäftserwartungen eingetrübt. Mit 22 Prozent gehen inzwischen mehr Unternehmen von einer Verschlechterung als von einer Verbesserung (16 Prozent) ihrer künftigen Geschäftslage aus. An der Umfrage, die jeweils zu Jahresbeginn und im Herbst durchgeführt wird, beteiligten sich rund 1.000 Unternehmen mit mehr als 110.000 Beschäftigten.

 

Protektionismus dämpft Exporterwartungen

Besonders ihre Exporterwartungen haben die Unternehmen nach unten korrigiert. Nur noch 13 Prozent erwarten steigende Exporte. Fast jeder dritte Betrieb (31 Prozent) rechnet mit sinkenden Ausfuhren in den kommenden zwölf Monaten. „Handelsbeschränkungen und Protektionismus sind Gift für die Wirtschaft. Der Brexit und die US-Sanktionen müssen noch nicht einmal umgesetzt sein. Um Schaden anzurichten, genügt bereits die Ankündigung und Diskussion“, mahnt Burkhard Landers, Präsident der federführenden Niederrheinischen IHK.

 

Ruhr-Wirtschaft braucht deutliche Signale von der Politik

Um das Vertrauen der Unternehmen in die Zukunft zu fördern, brauchen Deutschland und das Ruhrgebiet deutliche Impulse, so der IHK-Präsident.

Zum Beispiel durch Steuersenkungen: Die deutschen Unternehmen sind auf dem internationalen Markt nicht mehr wettbewerbsfähig. In Deutschland zahlen die Betriebe rund 30 Prozent Steuern. In den OECD-Staaten liegt die Steuerbelastung durchschnittlich nur bei 25 Prozent. Die Ruhr-IHKs fordern daher eine Unternehmenssteuerreform. Erste Ideen: die vollständige Abschaffung des Soli, die Senkung der Körperschaftssteuer und die volle Anrechenbarkeit der Gewerbesteuer auf die Einkommenssteuer.

Starke Impulse vom Land erwarten die Reviermanager auch beim Regionalplan und bei der Ruhrkonferenz „Der Aufschub des Regionalplans ist ein herber Rückschlag für die Region. Die Wirtschaft ist auf ein gutes Angebot geeigneter Gewerbeflächen angewiesen“, betont Dr. Stefan Dietzfelbinger, Hauptgeschäftsführer der Niederrheinischen IHK und aktuell Sprecher für die sechs Ruhr-IHKs. Auch die Erwartungen an die Ruhrkonferenz sind hoch: „Die Landesregierung hat mit der Ruhrkonferenz einen ambitionierten und wichtigen Prozess angestoßen. Deshalb erwarten wir, dass das Land vor allem die Projektideen vorantreibt, die an den Herausforderungen des Ruhrgebiets ansetzen und ihm einen echten Schub nach vorne geben!“

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