Philipp Einfalt (Foto: privat)
Anzeige

Krefeld/Rhein-Ruhr. Ob in der Kita oder auf dem Bau – rund vier Millionen Deutsche arbeiten Vollzeit im Niedriglohnsektor. Ihre Rente wird künftig nur für das Nötigste reichen.

Fast ein Viertel der Gesamtheit der erwachsenen Armen sind Rentnerinnen und Rentner – das ist ein Skandal angesichts des Wohlstands in Deutschland. Es ist Zeit für einen Kurswechsel, sonst wird sich die Zahl der Menschen, die im Alter von der Grundsicherung leben müssen und unter Armut leiden, weiter erhöhen.

Menschen haben nach einem langen Arbeitsleben oder bei Erwerbsminderung eine gute Rente verdient; eine Rente, die mehr abdeckt als das Existenzminimum. Das ist eine Frage des Respekts vor der Lebensleistung. Wer lange Jahre gearbeitet und dafür Rentenbeiträge gezahlt hat, muss im Alter mehr haben als eine bedürftigkeitsgeprüfte Grundsicherung. Aktuell müssen aber viele Menschen, wenn sie in Rente gehen, ihren erarbeiteten Lebensstandard erheblich einschränken.

Viele Rentnerinnen und Rentner sind gezwungen dazu zu verdienen. Die Frage ist, wie lange die Menschen das durchhalten. Bis 69, 73 oder 78 Jahren? Sicher ist, dass irgendwann Schluss ist mit dem Minijob und die Rente auf Niedrigniveau verbleibt. Die Lösung der Rentenfrage kann folglich nicht im dauerhaften Hinzuverdienen von Ruheständlern liegen, die ihr Arbeitsleben hinter sich haben.

Einer DGB-Untersuchung zufolge waren zum Beispiel in Krefeld 2.923 Personen über 65 Jahren in Minijobs beschäftigt. Zum selben Stichtag fünf Jahre zuvor waren es 2533. Das bedeutet eine Steigerung von 15,4 Prozent. Von den 2.923 Minijobbern waren 1.479 Männer und 1.444 Frauen, was die Schlussfolgerung zulässt, dass beide Geschlechter betroffen sind, obwohl die aktuelle Rentenhöhe von Frauen auch in Krefeld mit durchschnittlich 625 Euro im Monat deutlich hinter der der Männer mit 1.129 Euro im Monat zurücksteht. Die Zahl der Rentner mit Minijobs in Wuppertal und Remscheid sind in den vergangenen fünf Jahren um mehr als 10 Prozent gestiegen. In Düsseldorf waren 8518 Personen über 65 Jahren in Minijobs beschäftigt.

Verantwortlich für den Anstieg der Minijobs bei immer mehr Ruheständlern, ist für den DGB die Rentengesetzgebung. Lag das Rentenniveau im Jahr 2000 noch bei 53% des Durchschnittslohns, beträgt es aktuell nur noch rund 48 % und kann bis 2030 auf 45 % absinken. „Eine Rente, die im Jahr 2000 beispielsweise 1.000 Euro betrug, ist im Jahr 2030 nur noch 800 Euro wert! Diese Politik erzeugt Altersarmut und muss umgekehrt werden.

Menschen haben nach einem Arbeitsleben im Alter oder bei Erwerbsminderung eine gute Rente verdient; eine Rente, die regelmäßig mehr abdeckt als das Existenzminimum.

Das Rentenniveau muss zunächst dauerhaft stabilisiert und wieder angehoben werden, um Armut im Alter zu vermeiden. Außerdem bedarf es guter Arbeit mit Tarifverträgen und als unterstem Netz eines ausreichenden gesetzlichen Mindestlohnes, damit die Menschen von ihrem Einkommen leben und Beiträge zahlen können. Das ist die Basis einer guten Rentenpolitik. Das haben die Menschen verdient, Jung wie Alt. Ein stabiles Rentenniveau hilft gerade auch jenen, deren Rente nur wenig über der Grundsicherung liegt. Mit einem stabilen Niveau sinkt ihre Rente auch dauerhaft nicht unter das Existenzminimum. Dies ist die beste Basis, damit sich eine zusätzliche Betriebsrente, gerade auch für Geringverdienende, lohnt.

Ein KlarKlick von Philipp Einfalt, Vorsitzender DGB Krefeld und GEW Krefeld

Beitrag drucken
Anzeigen