v.l. Michael May (Referent), Henrike Krüsmann (Referentin), Cäcilia Tiemann (stellv. Gleichstellungsbeauftragte, Runder Tisch gegen häusliche Gewalt), Margarete Wietelmann (Bürgermeisterin), Thomas Konietzka (Leiter Sozialamt), Antje Buck (Gleichstellungsbeauftragte), Marc Heiderhoff (Referent, Kommunaler Sozialer Dienst) (Foto: Kerstin Bögeholz)

Mülheim. Kinder sind in Fällen häuslicher Gewalt, die ja eigentlich Erwachsene in einer Paarbeziehung betreffen, immer mit betroffen und letztlich Opfer, die die Gewalterfahrung in ihr Leben mitnehmen. Diese Tatsache war in allen drei Vorträgen des Fachtages im Kloster Saarn unbestritten, den der Runde Tisch gegen häusliche Gewalt in Kooperation mit der Gleichstellungsstelle und dem Sozialamt veranstaltet hat. Man kann den Umgang mit dem Thema Partnerschaftsgewalt also nicht auf Erwachsene beschränken – und oft beginnt die Gewalt zudem erst, wenn Kinder Teil der Familie sind. Dann verschieben sich Rollenverständnis und Prioritäten der Frau und Mutter, und der Mann, in den häufigsten Fällen der Täter, greift im schlimmsten Fall zu Mitteln der Repression und Gewalt, um seine Machtposition und Dominanz zu bewahren.

Henrike Krüsmann, Expertin aus Berlin im Bereich Opfer- und Täterarbeit sowie Kinderschutz, erläuterte in ihrem Vortrag „Tatort Familie – Kinder als Opfer und Zeugen häuslicher Gewalt“ eindringlich den Gewaltkreislauf, gab aber den Anwesenden auch ganz praktische Tipps und Hinweise, wie sie in ihrer täglichen Arbeit die Betroffenen Opfer und auch Täter beraten und unterstützen können. Kinder- und Jugendtherapeut Michael May, Leiter des Psychodynamisch-traumapädagogischen Zentrums in Oberhausen, referierte in seinem Vortrag „Seelische Folgen von innerfamiliärer Gewalterfahrung und Zeugenschaft“ leidenschaftlich über seine jungen „Helden“, die traumatisierten Kinder und Jugendlichen, die in der therapeutischen Gruppenarbeit lernen, ihre Gewalterfahrungen zu verarbeiten. Nachmittags berichtete Marc Heiderhoff vom Mülheimer Kommunalen Sozialen Dienst gemeinsam mit Familienrichter Ralf Engel über die Vernetzung innerstädtischer Dienststellen, die in Fällen häuslicher Gewalt und Kinderschutz involviert sind.

„Es war den Mitgliedern des Runden Tisches gegen häusliche Gewalt mit dieser Veranstaltung besonders wichtig, diese Verzahnungen in der Stadt aufzuzeigen und die Betroffenheit der Kinder in Bezug auf häusliche Gewalt in den Fokus zu nehmen“, erläuterte Cäcilia Tiemann, Moderatorin des Runden Tisches und stellvertretende Gelichstellungsbeauftragte.

Dringlichkeit und Brisanz des Themas zeigte sich in den Diskussionen der 90 Teilnehmenden, vorwiegend aus Mülheimer sozialen Einrichtungen. Obwohl die Fachkräfte in Mülheim gut vernetzt arbeiten war das Fazit: Über Kinderschutz und häusliche Gewalt kann nicht oft genug diskutiert werden!

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