Moderiert von André Fritz stellten sich Ria Jansenberger, Peter Frings und Rolf Lohmann (von links) den Fragen der Menschen in Moers (Foto: Bischöfliche Pressestelle / Christian Breuer)

Moers. Weihbischof und Interventionsbeauftragter des Bistums stellen sich Fragen

In einer teils emotional, aber offen geführten Diskussion über sexuellen Missbrauch in der Kirche haben sich am Abend des 25. November Weihbischof Rolf Lohmann und Peter Frings, Interventionsbeauftragter des Bistums Münster, den Fragen der Besucher in Moers-Asberg gestellt. Als Präventionsfachkraft der Pfarrei nahm Ria Jansenberger an dem von Radio-KW-Chefredakteur André Fritz moderierten Gesprächsabend teil.

Fritz nannte zunächst die wichtigsten Eckdaten zu dem Fall eines Priesters aus dem Erzbistum Köln, der trotz einer Verurteilung wegen des Missbrauchs Minderjähriger weiter als Seelsorger eingesetzt wurde – so auch im Bistum Münster, unter anderem in Moers. „Wie ist es möglich, dass das so passieren konnte, wie es passiert ist?“, sprach Fritz die Frage aus, die wohl allen Besuchern auf dem Herzen lag. Frings antwortete deutlich: „Es macht völlig fassungslos, wenn man diesen Sachverhalt hört. Es gibt nichts, was es rechtfertigen könnte, wie man mit dem Fall umgegangen ist.“ Das unterstrich auch Weihbischof Lohmann: „Was und wie es passiert ist, ist unfassbar. Die Lage war klar, es lag alles auf dem Tisch, trotzdem ist nichts passiert. Dass das möglich war, ist erschreckend.“ Er erinnerte insbesondere „an die Opfer, die damit ihr ganzes Leben lang fertig werden müssen“.

Womöglich müsse sich die Kirche der Frage stellen, ob sie etwas an ihrem System ändern muss, sagte er. Später verwies Lohmann auf den bald beginnenden, sogenannten Synodalen Weg, in dem es um genau diese Systemfragen gehe. Klar jedoch sei: „Es muss schonungslos aufgeklärt werden, wir müssen das alles aufdecken. Wir haben großes Versagen auf uns geladen. Wir wollen absolute Transparenz erreichen, daher werden alle Fälle der Staatsanwaltschaft übergeben.“ Zudem sei es wichtig, zum Beispiel durch die Schulung aller haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter präventiv zu arbeiten.

Für viel Aufmerksamkeit sorgte die Wortmeldung von Achim Klaschka, der Nachfolger des verhafteten Pfarrers in Moers wurde. Schon bei der Amtseinführung sei er mit dem Fall konfrontiert worden und habe gemerkt, dass es verschiedene „Parteiungen innerhalb der Pfarrei“ gegeben habe. Obschon er mit damaligen Verantwortungsträgern das Gespräch suchte habe er festgestellt: „Es war keine Transparenz da.“ Daher sei es „gut, dass heute zur Sprache gebracht wird, was geschehen ist.“

Menschen, die Opfer sexuellen Missbrauchs durch die Kirche geworden sind, können sich auch weiterhin bei den Ansprechpersonen für Verfahren bei Fällen sexuellen Missbrauchs melden: Bernadette Böcker-Kock: 0151-63404738; Bardo Schaffner: 0151-43816695. In Rhede hat sich eine Selbsthilfegruppe gegründet, die Betroffenen ebenfalls Hilfe anbietet. Ein Kontaktformular ist zu finden auf https://www.selbsthilfe-rhede.de/.

Beitrag drucken
Anzeigen