Feiern das 40-jährige Bestehen des Notarztsystems in Krefeld von links: Dezernentin Beate Zielke, Dr. Ulrich Lenßen, Oberbürgermeister Frank Meyer, Dr. André Wiegratz Leitender Notarzt, Andreas Klos Leiter Berufsfeuerwehr (Foto: Stadt Krefeld, Presse und Kommunikation, L. Strücken)

Krefeld. Oberbürgermeister: „Wir schätzen und schützen jedes menschliche Leben“

Vor 40 Jahren wurde in Krefeld ein System eingeführt, das seither unzähligen Menschen das Leben gerettet hat: Seit 1979 rückt in Notfällen bei Bedarf gemeinsam mit dem Rettungsdienst auch ein Notarzt aus. 365 Tage im Jahr und 24 Stunden pro Tag wird das Notarztsystem für das gesamte Stadtgebiet verfügbar gehalten. Rund 150 Ärztinnen und Ärzte sind neben ihrer eigentlichen Tätigkeit daran beteiligt. Bei einem offiziellen Empfang im Rathaus wurde ihre Arbeit jetzt vom Oberbürgermeister gewürdigt: „Beruf und Berufung scheinen mir selten näher beieinander zu liegen als bei Notärzten. Sie müssen binnen Sekunden die richtige Entscheidung für die Patientin oder den Patienten treffen, sie tragen eine enorme Verantwortung und setzen sich einem starken physischen und emotionalen Stress aus: Und trotzdem hat man das Gefühl, dass sie ihren Job aus tiefster Überzeugung tun – und immer im Sinne der Menschen, die ihre Hilfe so nötig brauchen“, sagte Frank Meyer.

In seiner Rede erinnerte er daran, wie zum Teil bis ins 20. Jahrhundert hinein mit Kranken umgegangen wurde. Auch aus Krefeld gibt es Berichte über die sogenannte „Krüppelfuhre“, mit der unliebsame kranke Personen aus der Stadt gebracht und einfach an der Straße abgeladen wurden. Dagegen ist die heutige Situation umso beeindruckender: Krefeld verfügt aktuell über zehn Rettungswagen, davon neun im 24-Stunden-Dienst, verteilt auf sieben Feuer- und Rettungswachen im Stadtgebiet. Dazu kommen vier Krankenwagen für den Krankentransport und drei NotarztEinsatzfahrzeuge. „Wir feiern heute etwas, das vielen Menschen längst selbstverständlich vorkommt. Gerade deshalb ist es wichtig, sich zum Jubiläum zu vergegenwärtigen: Dieses System ist nicht selbstverständlich, dieses System wurde hart erkämpft und mühevoll aufgebaut – und es ist eine zivilisatorische Errungenschaft. Die Notfallrettung entspringt in ihrem Kern einem humanistischen Ideal: Wir lassen es nicht zu, dass Menschen, die krank werden oder in Not geraten, auf sich allein gestellt sind – wir schätzen und schützen jedes menschliche Leben“, betonte der Oberbürgermeister.

Politisch beschlossen wurde das Notarztsystem im Jahr 1978, an der Umsetzung ab 18. Juni 1979 war maßgeblich der Krefelder Kardiologe und Intensivmediziner Professor Klaus-Dieter Grosser beteiligt. An den Städtischen Kliniken hatte er seine Oberärzte mehr oder weniger verpflichtet, Notfalleinsätze zu übernehmen und am Aufbau des Systems durch persönlichen Einsatz mitzuwirken. Deshalb gilt Professor Grosser bis heute als einer der Pioniere des Notarztwesens in Deutschland. Als Medizinstudent war in diesen Anfangstagen bereits ein junger Krefelder mit an Bord, der später maßgeblich für das Wachstum und die Professionalisierung des Notarztsystems sorgte: Uli Lenßen, der vor drei Jahren das Bundesverdienstkreuz erhalten hat. Seiner Hartnäckigkeit ist es unter anderem zu verdanken, dass eine spezielle Ausbildung für Notfallmediziner etabliert wurde und dass aus einem einzelnen diensthabenden Notarzt irgendwann zwei Notärzte wurden. So standen die Kollegen in der Leitstelle nicht mehr vor der unmenschlichen Entscheidung, bei zwei gleichzeitigen Notrufen zu bestimmen, welcher der wichtigere ist.

Neben der Krefelder Feuerwehr sind auch die Hilfsorganisationen Deutsches Rotes Kreuz, Johanniter-Unfallhilfe und Malteser-Hilfsdienst an der Organisation des Rettungsdienstes beteiligt. Aufgrund der schnellen Reaktionszeiten und der Verteilung der Wagen im Stadtgebiet dauert es im Schnitt heute gerade einmal acht Minuten, bis nach einem Notruf die Sanitäter vor Ort sind, bei Bedarf unterstützt von einem Notarzt. „Es braucht eine moderne, verlässliche Infrastruktur und ein eingespieltes Team, um solche Werte zu erreichen: Beides ist in unserer neuen Feuerwache gegeben – die Kolleginnen und Kollegen dort können stolz auf die Leistung sein, die sie an 365 Tagen im Jahr, rund um die Uhr, für die Menschen in Krefeld erbringen“, sagte der Oberbürgermeister.

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