Die Studierenden am Liebfrauen-Berufskolleg beschäftigten sich intensiv mit dem Roboter Pepper – Selfies und Umarmung gehörten dazu, aber auch die kritische Auseinandersetzung (Foto: Bischöfliche Pressestelle / Christian Breuer)

Geldern. Studierende informieren sich über Einsatz künstlicher Intelligenz in der Pflege

Große Augen, Stupsnase und weiche, fließende Konturen – alles bei Pepper ist darauf ausgelegt, dass man ihn direkt ins Herz schließt. Und so dauert es nicht lange, bis er von den angehenden Heilerziehungspflegern in der Liebfrauenschule Geldern, Berufskolleg des Bistums Münster, umringt ist. Pepper ist ein Roboter, der nicht nur kindliche Züge trägt, sondern auch menschliches Verhalten imitiert. Er wendet sich Geräuschen zu, bietet auf Aufforderung eine Umarmung an oder streckt zur Begrüßung die „Ghetto-Faust“ entgegen.

Das sind allerdings nur Spielereien, verglichen mit dem, wozu der Roboter tatsächlich eingesetzt werden kann. Darüber informierten im Berufskolleg Matthias Hofmann von der Firma Showbotixx und Ingolf Rascher (AAL-Akademie) als Fachmann für den Einsatz von Robotik und künstlicher Intelligenz in der Pflege. Beide stellten klar, dass der Einsatz von Robotern nicht dazu dienen solle, den Menschen zu ersetzen und so Arbeitsplätze einzusparen. Vielmehr sollten sie, erklärte Hofmann, Mehrwerte schaffen und den Pflegenden als Arbeitsmittel dienen.

Zuvor hatte Rascher bereits einige besonders moderne Arbeitshilfen vorgestellt. Etwa einen Stift, der das Geschriebene direkt speichert oder eine Brille, die nicht nur Texte vor dem Auge erscheinen lässt, sondern über die das Geschehen mittels Kamera auch an Personen übermittelt werden kann, die weit entfernt sind. Sie sollen bei Diagnosen und in der Therapie helfen.

Der Roboter Pepper, der nach Angaben von Hofmann und Rascher schon in einigen Pflegeeinrichtungen eingesetzt wird, ermöglicht auch die direkte Interaktion zwischen Patienten oder Bewohnern und dem Roboter. So kann der Roboter zum Beispiel Märchen vorlesen und dazu passende Bilder zeigen, Volksmusik abspielen und gleichzeitig mit seinen Bewegungen zum Schunkeln animieren, er kann Turnübungen vormachen und per Aufzeichnung dokumentieren oder über sein Display auf Brusthöhe Memory spielen. Schon jetzt gebe es in vielen Einrichtungen zu wenig Fachpersonal, es bleibe kaum Zeit zur Beschäftigung mit den Pflegebedürftigen, erklärte Hofmann, Pepper könne im Zusammenspiel mit menschlichen Pflegekräften helfen.

Die meisten Funktionen könnten zwar auch mit einem einfachen Tablet-Computer ausgeführt werden, der Roboter spreche durch die Simulation des menschlichen Verhaltens aber eine andere soziale Ebene an. Die Studierenden sprachen bei der Vorführung auch die Frage nach der ethischen Vertretbarkeit eines Robotereinsatzes an. Hofmann betonte nochmals, dass eine Maschine eine Maschine bleiben müsse und nicht zum Menschenersatz gemacht werden dürfe. „Und sonst rate ich immer dazu, die Zusammenarbeit auszuprobieren und kennenzulernen und sich erst dann eine Meinung zu bilden.“ Rascher wies zudem auf den Punkt hin, dass die Digitalisierung der Welt ein Fakt und nicht mehr rückgängig zu machen sei: „Daher ist es wichtig, dass Sie darauf vorbereitet sind“, gab er den Studierenden mit auf den Weg.

So sieht es auch Bildungsgangleiter Andreas Mäteling: „Die Digitalisierung ist ein wichtiges Thema in der Pflegeunterstützung. Das Ziel der Heilerziehungspflege ist es, den Menschen ein möglichst selbstbestimmtes Leben zu ermöglich, auch mit dem Einsatz moderner Technik. Daher war es uns wichtig, den Studierenden diesen Einblick in die Entwicklung künstlicher Intelligenz zu geben.“ Wie er berichtet, wurde nach dem Besuch des Roboters intensiv über den Einsatz künstlicher Intelligenz gesprochen, wobei die Studierenden differenziert und kritisch über die Vor- und Nachteile diskutierten.

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