Zahnexpertin Prof. Dr. Michelle A. Ommerborn (Foto: UKD)
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Düsseldorf. Ein Gespräch mit Zahnexpertin Prof. Dr. Michelle A. Ommerborn aus der Uniklinik Düsseldorf

Kamelle! An Karneval landet wieder allerhand Süßes zunächst in den fangbereiten Armen und Schirmen von Zugbesuchern und später dann im Mund. Wer kennt sie nicht, die klebrig-zähen Bonbons, die so gerne an den Zähnen haften. Oftmals werden sie „Plombenzieher“ genannt. Aus gutem Grund? Eine Nachfrage bei Prof. Dr. Michelle A. Ommerborn, Kommissarische Direktorin der Poliklinik für Zahnerhaltung, Parodontologie und Endodontologie.

 

Hat der Begriff „Plombenzieher“ eine Berechtigung? Gibt es Fälle, bei denen aufgrund von Süßwarengenuss eine Füllung verloren geht?

Prof. Ommerborn: Klar! Besonders klebrige Bonbons können initial gelockerte oder defekte Füllungen herauslösen. Wenn das passiert, sollte der Betroffene sofort zum Zahnarzt gehen.

 

Was ist denn beim Verzehr von Süßwaren ganz allgemein zu beachten, damit die Zähne gesund und schön bleiben?

Prof. Ommerborn: Gegen Süßigkeiten ist grundsätzlich nichts einzuwenden. Das ist die gute Nachricht. Wichtig ist aber, nicht ständig Süßigkeiten zu sich zu nehmen. Es geht darum, die im Mund vorhandenen Karies-verursachenden Bakterien nicht immerzu mit Nahrung zu versorgen. Wenn genascht wird, dann am besten gleich die ganze Tüte auf einmal – oder eben besonders sinnvoll, die zahnfreundlichen Süßigkeiten, die es mittlerweile auch gibt. Denn die Dauer und die Häufigkeit der Exposition mit Süßem ist entscheidend, ebenso wie die Art des Süßungsmittels. Lollis sind zum Beispiel ganz schlecht. Ein Dessert als Abschluss einer Mahlzeit ist dagegen unproblematisch, wenn danach die Zähne geputzt werden.

 

Gibt es für Karnevalisten eine „Zahnhygiene to go“? Die wenigsten haben eine Zahnbürste dabei…

Prof. Ommerborn: Zahnfreundliche Kaugummis sind sehr nützlich, denn sie regen den Speichelfluss an und reduzieren die Plaquebildung. Der Speichel ist im Grunde eine körpereigene neutralisierende Spüllösung. Das empfehlen wir auch ohne Karneval in der Zahnprophylaxe. Einen positiven Effekt hat es auch, sich den Mund mit Wasser auszuspülen.

 

Und was kann ein bütz-wütiger Karnevalist für seinen Atem tun?

Prof. Ommerborn: Eine gute häusliche Mundhygiene mit Zähneputzen und Zahnzwischenraumreinigung ist das A und O. Je nach Veranlagung sollte auch eine Zungenreinigung fester Bestandteil der täglichen Mundhygiene sein, da eine belegte Zunge als häufigste Ursache für Mundgeruch (Fachbegriff Halitosis) angesehen wird. Hin und wieder darf man auch eine Mundspülung verwenden. Das sollte aber nicht zur Dauerlösung werden, da Mundspülungen die natürliche Mundflora beeinflusst. Für einen frischen Atem können auch zuckerfreie, zahnfreundliche Kaugummis oder Minz-Drops sorgen.

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