Kreishandwerksmeister Rolf Meurer und Hauptgeschäftsführer Marc Peters von der Kreishandwerkerschaft Niederrhein appellieren an die Bürgermeister und Landräte, Aufträge fürs Handwerk weiter ausführen zu lassen (Foto: amh-online.de)
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Niederrhein. „Dem Handwerk Arbeit geben – jetzt!“ Mit diesem Aufruf appelliert die Kreishandwerkerschaft Niederrhein an die Kreise, Städte und Gemeinden, öffentliche Aufträge weiter ausführen zu lassen.

Die Corona-Krise wird viele Handwerksbetriebe hart treffen. Die Folgen für die Wirtschaft seien derzeit noch gar nicht absehbar, sagen Kreishandwerksmeister Rolf Meurer und der Hauptgeschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Niederrhein, Marc Peters. Bei der Kreishandwerkerschaft stehe das Telefon nicht still: „Viele Handwerksunternehmer haben Angst und fürchten um ihre Existenz und die Arbeitsplätze.“

Zwar dürften Handwerksbetriebe derzeit weiter ihrer Arbeit nachgehen. „Wir stellen aber fest, dass viele Kunden jetzt Aufträge verschieben, sodass die Betriebe nicht arbeiten können, obwohl sie arbeiten wollen“, erklären Meurer und Peters.

In einem Brief an die Bürgermeister und Landräte in der Region rufen sie dazu auf, Arbeiten nicht zu stornieren: „Hier können Sie als Kommune ein Zeichen setzen und das Handwerk aktiv vor Ort unterstützen, indem Sie öffentliche Aufträge weiter ausführen lassen“, heißt es darin. Für die Kreise, Städte und Gemeinden sehen Rolf Meurer und Marc Peters sogar einen Vorteil: Da Schulen, Kindertagesstätten, Büchereien und Verwaltungsdienststellen geschlossen seien, könnten hier jetzt Arbeiten ausgeführt werden, die sonst nur in Ferienzeiten möglich seien.

In einem zweiten Schreiben an den Präsidenten des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks (ZDH), Hans Peter Wollseifer, schildern Meurer und Peters ein weiteres Problem: Die von der Politik in Aussicht gestellten Kredite für Unternehmen würden den Betrieben alleine nicht helfen. „Einem Betriebsinhaber, der Kosten, aber keine Einnahmen hat, hilft kein Kredit, den er am Ende nicht zurückzahlen kann“, sagen sie.

Dabei spiele auch eine Rolle, dass viele Betriebsinhaber im Handwerk um die 60 Jahre und älter sei. „Einige denken in der jetzigen Situation laut darüber nach, ihr bisher erfolgreiches Unternehmen zu schließen, weil sie nicht ihre Altersversorgung riskieren wollen.“ Das könne drohen, wenn die Inhaber den Betrieb mit privaten Geldmitteln aufrechterhalten und einen Kredit in den nächsten Jahren zurückzahlen müssten.

„Hier muss von Seiten der öffentlichen Hand deshalb über die bisher im Raum stehenden Hilfen hinaus über Zuschüsse nachgedacht werden, die die Betriebe nicht zurückzahlen müssen. Eine Entscheidung hierüber muss seitens der Politik schnell getroffen werden, da ansonsten zu befürchten ist, dass viele Betriebe die nächsten Wochen nicht überstehen werden“, schreiben Rolf Meurer und Marc Peters an den ZDH-Präsidenten. Sie bitten Wollseifer eindringlich, diesen Aspekt auf Bundesebene einzubringen.

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