Nach dem Gottesdienst schlug Bischof Dr. Georg Bätzing mit einem Hammer symbolisch drei Mal von innen gegen die Pilgerpforte, um sie zu öffnen. Anschließend betete er am Gnadenbild (Foto: Bischöfliche Pressestelle / Achim Pohl)
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Kevelaer. Unter besonderen Bedingungen ist die neue Wallfahrtssaison in Kevelaer eröffnet worden. Nach einem festlichen Gottesdienst öffnete der Bischof von Limburg, Dr. Georg Bätzing, das Pilgerportal der Marienbasilika mit drei symbolischen Hammerschlägen. Erstmals wurde das Portal nicht von außen, sondern von innen geöffnet. Wegen der Corona-Krise konnten nur 150 Menschen den Gottesdienst vor Ort mitfeiern, der für alle anderen Gläubigen ins Internet übertragen und auf dem Fernsehsender EWTN gezeigt wurde.

Wallfahrtsrektor Gregor Kauling begrüßte den Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz in dem niederrheinischen Wallfahrtsort. Ebenso hieß er die Gläubigen willkommen, sowohl in der Basilika als auch zuhause. „Wir sind eine Menschheit der Betroffenheit, wir sitzen alle in einem Boot“, sagte er. Gerade in dieser Zeit könne es gut tun, „wenn Türen und Fenster aufgehen – besonders das Fenster zu Gott.“ Bischof Bätzing bedankte sich für die Einladung und gab zu: „Mein Herz bebt in dieser Stunde etwas“. Und das nicht nur wegen der vielen Erinnerungen, die er schon aus seiner Kindheit an Kevelaer habe, sondern weil es möglich sei, „seit vielen Wochen wieder von Angesicht zu Angesicht Gottesdienst feiern zu können.“ Dabei gelte, dass dies mit Augenmaß, Vorsicht und Verantwortung füreinander geschehen müsse. Die Krise sei noch nicht vorbei. Ausdrücklich dankte er daher auch all jenen, die nicht in die Basilika gekommen waren, sondern den Gottesdienst im Fernsehen oder Internet verfolgten.

In seiner Predigt betrachtete der Bischof das Kevelaerer Gnadenbild. Dieses sei „keine kostbare Ikone oder prächtige Marienstatue“, sondern ein kleines Andachtsbild. Die seit Jahrhunderten anhaltende große Wirkung sei erzielt worden „durch die Frömmigkeit einfacher Leute, des Händlers Hendrick Busman und seiner Frau“, blickte Bätzing zurück und schlug den Bogen in die heutige Zeit: „Fast kommt es mir vor wie die vielen kreativen Ideen, die in den letzten Wochen in christlichen Familien, in den Häusern und kleinen Gemeinschaften entstanden sind, als wir nicht zusammen Messe feiern konnten. Die kleinen Gesten, die einfachen Zeichen von Licht, Palmzweig, Kreuz, Marienbild, Rosenkranz, geistlichen Liedern und Gesängen bekamen ,tragende‘ Bedeutung, denn sie trugen und tragen weiterhin viele Menschen in dieser so anspruchsvollen Zeit eingeschränkter Sozialkontakte und solidarischer Sorge um die besonderen Risikogruppen. Wieder neu erleben wir eine Stunde echter Volksfrömmigkeit, die in kreativer Weise Zeichen entwickelt, um dem Erlebten und Erlittenen Sinn und Bedeutung zuzuweisen.“

Bischof Bätzing wies auf mehrere Details des Gnadenbildes hin, die ihn „in dieser besonderen Zeit“, wie er sagte, besonders berühren und zum Nachdenken anregen würden. Unter anderem ging er dabei auf die Kronen ein, mit denen Maria, Jesus und das Gnadenbild selbst geschmückt sind. Auch das Wort „Corona“ bedeute „Krone“, sagte Bätzing und verwies auf das Virus: „Diese gefährliche Krankheit zeigt eine trügerische Hoheit. Und nicht selten ist es auch sonst so. Was überaus anziehend und verlockend daherkommt, entpuppt sich manchmal im Leben als großer Schaden, ob es materieller Besitz ist, besonders attraktiv scheinende Ideen und Ideologien, Angebote in Werbung und Medien und vieles andere.“  Die Krone dieses Virus sei „eine Plage der Menschheit“, betonte der Bischof. „Wie eine Dornenkrone hat sie sich auf unser Leben gelegt und verursacht so viel Leid, Tod, Ängste und Unheil. Das alles wird uns, so vermuten wir es, über Jahre und Jahrzehnte belasten.“

Dennoch sei es möglich, bei Maria Trost zu finden. Sie fühle mit den Ängsten der Menschen, kenne Sorgen und Schmerzen und habe den Tod ihres Sohnes erlitten, bei dem sie ohnmächtig danebenstehen musste. Bätzing: „Sie kennt trauernd die schwere Last des Verlustes ihres Einzigen und weiß, was es heißt, solches zu tragen. Darum wenden wir uns so gern an Maria und erfahren ihre Sympathie als Trost im Leid. In diesen Corona-Zeiten gewinnt das Gnadenbild von Kevelaer neu an Bedeutung.“

Nach dem Gottesdienst nutzte der Vorsitzende der Bischofskonferenz, begleitet von Fahnenabordnungen verschiedener Kolpingfamilien, die Gelegenheit zu einem Gebet am Gnadenbild. Als Zeichen der Verbundenheit war das Fenster der Gnadenkapelle, das sonst bis zum Beginn der Wallfahrtszeit geöffnet ist, bereits zu Beginn der Corona-Pandemie geöffnet worden, um den Menschen das Gebet am Gnadenbild zu ermöglichen.

Alle Angebote der Wallfahrtssaison während der Corona-Zeit, ins Internet übertragene Gottesdienste und weitere Informationen gibt es auf www.wallfahrt-kevelaer.de.

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