V.l. Christian Sluiters und Ralf Köpke (Fotos: privat)

Neukirchen-Vluyn. Der Vorsitzende der FDP in Neukirchen-Vluyn, Christian Sluiters, und der parteilose Bürgermeisterkandidat der SPD, Ralf Köpke, machen sich große Sorgen um die Entwicklung bei den Schülerinnen und Schülern sowie der Familien nach der Öffnung der Schulen. Im Zuge der Bewältigung der Corona-Krise sind nach Auffassung von Sluiters und Köpke gigantische Finanzmittel in die Rettungsschirme und zur Stützung der Wirtschaft sowie der Beschäftigten geflossen, allein NRW hat ein Sofortpaket von 25 Milliarden Euro aufgelegt, um die Folgen der Krise abzufedern. Nun sind Lockerungen und teilweise Öffnungen auf den Weg gebracht worden, die zum großen Teil auch ihre Berechtigung haben.

Große Bedenken und Kritik üben Christian Sluiters und Ralf Köpke aber am Umgang mit den Öffnungen der Schulen. Nicht nur Verwaltung, Lehrerinnen und Lehrer sind hier mit extremen Anforderungen konfrontiert einen schrittweise „normalen“ Unterricht wieder zu gewährleisten. Seit dem 07. Mai sind auch in Neukirchen-Vluyn von knapp 1000 Schülern die Viertklässler zurückgekehrt, ab dem 11. Mai sollen dann die Klassen 1-3 folgen mit tageweisem Unterricht bis zu den Sommerferien.

„Uns haben in den letzten Tagen viele Anrufe von Eltern erreicht, die sich nicht nur Sorgen machen, sondern teilweise auch verzweifelt waren. Viele Eltern haben aufgrund fehlender Betreuungsangebote schon nahezu ihren gesamten Resturlaub einsetzen müssen und fragen sich nun, wenn sie kein Anrecht auf die Notbetreuung haben, wie sie bei Berufstätigkeit ihre Kinder betreuen können. Und dann kommen ja noch einmal sechseinhalb Wochen Sommerferien, die auch ohne Corona für viele Familien jedes Jahr ein Drahtseilakt sind“, so Christian Sluiters.

Nach Auffassung der Beiden spielen diese Folgen in den Planungen derzeit überhaupt keine Rolle, bzw. die Familien werden hier alleine gelassen. „Natürlich ist allen klar, dass jetzt nicht wieder der Schulbetrieb und die Betreuung hochgefahren werden können in einem Schwung. Aber viele Beschäftigte, hier vor allem ohne Betreuungsanspruch, stehen im extremsten Fall vor der Entscheidung ihren Job aufgeben zu müssen“, so Ralf Köpke.

Dabei würden auch hier mögliche Hilfsmaßnahmen greifen und Initiativen der Politik sind gefragt. Nach Auffassung von Sluiters muss man hier auch über Familiensoforthilfen nachdenken,die über den finanziellen Aspekt hinausgehen. Was den Familien fehlt ist einfach die Möglichkeit, alles zeitlich unter einem Hut zu bekommen. Ralf Köpke: „Denkbar wären der Ausbau von Verdienstausfallentschädigung mit mindestens 80% des Nettoverdienstes, ein flexibler Freistellungsanspruch speziell in der Krise sowie ein besonderer befristeter Sonderkündigungsschutz wegen Corona.“

Einen weiteren Augenmerk legen Sluiters und Köpke auf die Situation der Schülerinnen und Schüler. Homeschooling, fünf bis sieben Tage pro Kind Präsenzunterricht bis zu den Sommerferien können niemals den regulären Unterricht ersetzen, so viel Mühe und Engagement auch aufgewendet werden seitens der Lehrer, die zusätzlich noch den ganzen Unmut der Eltern abbekommen. Beide werfen die Frage auf, wie insbesondere der Wechsel vom Grundschulbereich in die weiterführenden Schulen gewährleistet werden soll. „Hier lastet auch ein fast unmenschlicher Druck auf die Kinder und Familien, das ist mit Ängsten und Unsicherheiten verbunden. Es wird dann verlangt, dass die Kinder das dann schaffen sollen“, so Sluiters und Köpke.

Christian Sluiters: “Kinder mit Schwächen, wie LRS bleiben auf der Strecke und Kinder mit Migrationshintergrund, wo vielleicht nur die Muttersprache zuhause gesprochen wird, verlieren komplett den Anschluss. Zudem sind leistungsstarke Kinder nicht mehr gefordert. Außerdem haben viele Kinder der 4. Klasse Angst, es in der 5. Klasse nicht zu schaffen.” Auf weitere soziale und bildungspolitische Entwicklungen weist Ralf Köpke hin: „Wir haben jetzt schon erleben müssen, dass es in Familien keine Unterstützung für die Kinder geben konnte, keine technischen Voraussetzungen für das sogenannte Homeschooling, dass Eltern noch nicht einmal über eine e-mail-Adresse verfügt haben. Hier geht das Prinzip der Chancengleichheit und Bildungsgerechtigkeit weiter verloren und es droht das Abhängen von Kindern in unserer Stadt.“

Auch nach Auffassung von Christian Sluiters ist Bildung der Schlüssel für die gleichberechtigte Teilhabe am wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Leben. Christian Sluiters: “Das Problem ist, dass Kinder, Schulen und Familien medial so gut wie keine Lobby haben, mit viel Glück vielleicht eine Randnotiz sind und die Medien lieber über den Restart der Bundesliga berichten. Hier sieht man, dass Millionen wichtiger sind als Kinder, Bildung und das Schicksal von ganzen Familien. In dieser Situation ist kein Platz für parteipolitisches Taktieren, sondern hier geht es um Moral, Mitgefühl und Menschlichkeit.”

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