(Foto: lizensfrei)
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Niederrhein. Der Verband der Bau- und Rohstoffindustrie e.V. (vero) weist auf einen drohenden Mangel an Sand, Kies und Naturstein in Nordrhein-Westfalen (NRW) hin.

Bereits Ende April hatte die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) die Ergebnisse ihrer Kurzstudie zum Thema „Kies – der wichtigste heimische Baurohstoff“ veröffentlicht und darin die zunehmenden Schwierigkeiten bei der Gewinnung von Kies und anderen Baurohstoffen in Deutschland thematisiert. Gleiches gilt für die Gewinnung von Naturstein.

„Die Gewinnung mineralischer Rohstoffe ist an die geologischen Gegebenheiten gebunden und NRW ist reich an Sand, Kies und Naturstein“, erläutert Raimo Benger, vero-Hauptgeschäftsführer. „In NRW sind diese Baurohstoffe in mehreren Regionen vorhanden. Sand und Kies ist u.a. am Niederrhein, in der Region Köln und an der Weser vorhanden. Doch vorhanden heißt noch lange nicht auch verfügbar“, führt er weiter aus.

Viele Flächen stehen für eine potenzielle Rohstoffgewinnung nicht zur Verfügung, da sie durch andere vorrangige Nutzungen bereits verplant sind. Dazu zählen Wasser-, Natur- und Landschaftsschutzgebiete sowie überbaute Flächen. An Standorten, an denen bereits Sand und Kies gewonnen werden, fehlen häufig dringend benötigte Anschlussgenehmigungen oder werden nur sehr schleppend erteilt.

Eine problematische Situation, denn: Kies wird vor allem für die Betonproduktion benötigt. Als Rohstoff dient er zur Herstellung von Betonbauteilen und Transportbeton und wird beim Straßen- und Tiefbau eingesetzt. Sand wird als Baustoff im Tief-, Verkehrswege- und Erdbau eingesetzt. Darüber hinaus stellt Sand einen wesentlichen Zuschlagsstoff bei Baustoffen wie Beton und Mörtel dar, der als gut formbare Masse zum Beispiel für die Innen- und Fassadenverzierung von Gebäuden verwendet wird.

Natursteine werden in der Industrie zur Zementherstellung, als Schotter und als Granulate verwendet.

„Wir laufen so sehenden Auges in einen Versorgungsengpass hinein, sodass die Sand- und Kieswerke und Steinbrüche den Bedarf bald nicht mehr ausreichend decken können. Als Folge werden sich viele Wohnbau-, Verkehrswegebau und Sanierungsprojekte verzögern oder stark verteuern, Unternehmen werden schließen müssen und Arbeitsplätze werden verloren gehen“, so Benger.

Alternativen zur Gewinnung von Sand, Kies und Naturstein gibt es derzeit nicht. Aktuell liegt die Verwertungsquote mineralischer Bauabfälle (Boden und Steine, Bauschutt, Straßenaufbruch, Baustellenabfälle und Bauabfälle auf Gipsbasis) bereits bei rund 90 %. Die recycelten Baustoffe decken allerdings gerade einmal 12 % des Bedarfs an mineralischen Rohstoffen (Quelle: Monitoring-Bericht 2016 „Mineralische Bauabfälle“ der Kreislaufwirtschaft Bau).

Kritik Schneiders: Mehr Forschung und Recycling statt Landschaftsraubbau

Der Lobby-Verband der Kiesindustrie meldet, dass es zu Engpässen bei der Förderung von Kies und Sand kommen könne. Einziger Ausweg aus Sicht des Verbandes: Auflagen und Restriktionen müssen weg, der rohstoffreiche Niederrhein muss großflächiger ausgekiest werden dürfen. Dazu meint der SPD-Landtagsabgeordnete René Schneider:

„An dieser reflexhaften Forderung zeigt sich, wie wenig innovativ die Branche zu werden droht. Denn statt mehr auskiesen zu wollen, könnte man sich ja auch überlegen, nach alternativen Baustoffen zu forschen und das Recycling zum erfolgreichen Geschäftsmodell zu machen. Noch immer werden Abbruchreste von alten Häusern, Straßen und Brücken wie Abfall behandelt. Dabei könnte man aus dem Schutt und den Steinen wertvolles Baumaterial zurück gewinnen, das Kies und Sand langfristig komplett ersetzt. Nur die Fördermengen von Kies und Sand erhöhen zu wollen und damit weiter Stück um Stück unsere niederrheinische Landschaft zu zerstören, ist dauerhaft keine Lösung. Weder für unsere Gesellschaft noch für die Branche selbst.“

René Schneider MdL (Foto: Bettina Engel-Albustin / fotoagentur ruhr moers)

 

Hintergrund: Sand, Kies und Naturstein

Zurzeit werden in Deutschland im Jahr rund 155 Millionen Tonnen Kies gewonnen. Die Menge an abgebautem Kies ist seit dem Jahr 2012 aufgrund der privaten und öffentlichen Bauinvestitionen um ca. 10 % gestiegen. Die Zahl der Gewinnungsstellen ist seit 1995 um 39 % auf heute 1.910 zurückgegangen.

Verkauft wurden im Jahr 2018:

  • 259 Mio.t Bausand und -kies
  • 226 Mio.t gebrochener Naturstein
  • 10,7 Mio.t Quarzsand und -kies

Da bis auf kaum noch vorhandene Vorratshalden von der deutschen Gesteinsindustrie nur bei entsprechendem Bedarf produziert wird, entspricht die Verkaufsmenge auch in etwa der Produktionsmenge. Geschätzte 60% der produzierten Menge an Baukies und -sand ist Kies; dies entspricht rund 155 Mio.t.

(Quelle: BGR-Studie „Kies – der wichtigste heimische Baurohstoff“)

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