tefanie Krohn, RWW, begrüßt OB-Kandidat Steitz im Haus Ruhrnatur (Foto: W. Steitz)
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Mülheim. Im Rahmen seines Angebots „KlimaWandelN“ lädt der Alpenverein die Kommunalpolitik ein, auf einer kleinen Wandertour die Stadt mal durch die Brille des Mülheimer Alpenvereins zu betrachten. Welche Zukunftsfragen stellen sich für die Stadt in Sachen Integration, Inklusion oder Breitensportentwicklung, welche Herausforderungen durch den Klimawandel? Und wie lassen sich Antworten und nachhaltige Handlungskonzepte finden? „KlimaWandelN“ soll hier Horizonte eröffnen und neue Perspektiven schaffen.

Mit diesem Anspruch machte sich Wilhelm Steitz, Kandidat für das Mülheimer Oberbürgermeister/innenamt von Bündnis 90-Die Grünen, zusammen mit Michael Cremer, Vorstand der hiesigen Alpenvereinssektion, auf den Weg durch Mülheim. Aufgrund der coronabedingten Einschränkungen diesmal „im kleinen Kreise“, nachdem die Tour mit Diane Jägers, die ihre Kandidatur mittlerweile gesundheitsbedingt zurückziehen musste, noch vor Ausbruch der Pandemie mit Sektionsmitgliedern und weiteren Lokalpolitiker/innen stattfinden konnte.

Umso intensiver war für Steitz schon der Start der Tour im Stadtteil Eppinghofen. Er bekam hier einen Eindruck über die Integrationsarbeit in Mülheims „buntesten“ Stadtteil. Zum Beispiel auch durch den Eppinghofer Bürgerverein, wie dessen Vorsitzender Bernd Köhler erläuterte. Der Bürgerverein ist einer der Kooperationspartner des Alpenvereins im Stadtteil seines Vereinssitzes. Nach Cremers Auffassung fehlt der Stadt ein Gesamtkonzept für das Thema, das Behördenfragen alltagsorientiert löst und Arbeits- wie Freizeitangebote für Neuankommende „greifbar“ macht. „An solch ein Gesamtkonzept könnten Ämter wie auch Unternehmen und Vereine mit ihren Angeboten dann „andocken“. So kämen wir weg von den unübersichtlichen Insellösungen“, meinte Cremer, der schon seit fünf Jahren ein integratives Projekt der Sektion leitet.

Beim Spaziergang von Eppinghofen in die Innenstadt diskutierten Steitz und Cremer dann, wie weit der Weg vom motorisierten Individualverkehr hin zu multimodalen Verkehrsangeboten für Mülheim noch ist, zumal es der Stadt hier an Finanzmitteln und Verkehrsunternehmen wie der Ruhrbahn auch an Ideen mangelt. Nicht zuletzt fehle es auch an Grün an den Hauptverkehrsachsen der Stadt, um der Stadt ein besseres Klima zu geben, so Cremers Hinweis. Ein Anliegen, das auch die Mülheimer Initiative für Klimaschutz mit Sitz in der City vertritt. Alpenverein und Initiative kooperieren dementsprechend in verschiedenen Projekten, so auch im Mülheimer Klimabündnis, in dem sich verschiedene Umwelt- und Naturschutzverbände der Stadt zusammengeschlossen haben. Das Bündnis will die Stadt auf ihrem Weg zur Klimaneutralität aktiv unterstützen und begleiten. „Und hier bringt der Alpenverein viel Expertise ein“, erklärte Cremer. „Denn der Klimawandel ist in unseren Arbeitsgebieten im Hochgebirge schon lange angekommen.“

Auf dem Weg zum Haus Ruhrnatur stellte Cremer die Auswirkungen der klimabedingten Veränderungen im Hochgebirge auf eine Stadt wie Mülheim dar, z.B. bei der Wasserversorgung. Auch Stefanie Krohn, Mitarbeiterin im Haus Ruhrnatur, griff dieses Thema wie auch den Rückgang der Artenvielfalt am Flusslauf beim gemeinsamen Rundgang durchs Haus auf. „Wenn wir auf diese Elementarfragen der Versorgungssicherung nicht bald Antworten finden, läuft uns die Zeit weg“, meinte Cremer. „Bis zum Ende des Jahrhunderts ist Mülheim dann die längste Zeit „die Stadt am Fluss“ gewesen“, so seine düstere Prognose.

Den Abschluss des Rundgangs bildete ein Besuch der Vorlandbrücke auf dem MüGa-Gelände. Cremer erläuterte OB-Kandidat Steitz hier die Pläne für eine Klettersteiganlage, die dort in Zusammenarbeit mit dem Mülheimer Sportservice (MSS) entstehen soll. „Für den Alpenverein ein wichtiger Beitrag für die lokale Breitensportentwicklung“, erläuterte der Alpenvereinsvorsitzende. Denn das Klettersteiggehen sei bei den gut 850 Mitgliedern der Sektion sehr beliebt. „Allerdings reden wir jetzt schon fast zwei Jahre darüber, ohne handeln zu können“, kritisierte Cremer die Stadtverwaltung in ihrer Zusammenarbeit. Mittlerweile liegt nun immerhin die Genehmigung der Unteren Naturschutzbehörde für das Projekt vor. 2021 könnte es dann tatsächlich so weit sein, dass die Anlage gebaut und in Betrieb genommen werden kann.

Steitz und Cremer beendeten ihren kurzweiligen wie erkenntnisreichen Spaziergang im Tenor, dass der Stadt die Aufgaben und Herausforderungen kaum ausgehen werden, dass auf der anderen Seite aber auch noch viel Potenzial für die Lösung von Zukunftsfragen liegen bleibt, weil Netzwerke für den Dialog zwischen Politik, Verwaltung und den Bürger/innen nicht konsequent genutzt werden. „Dies birgt enorme Chancen für unsere Stadt, die ich als Oberbürgermeister gerne ausbauen und nutzen möchte“, so Steitz, der dem Alpenverein für sein Angebot dankte. „Eine andere Brille kann Sichtweisen verändern. Andererseits hat der gemeinsame Spaziergang auch viele Parallelen gezeigt“, lautete das Fazit von Steitz. „Und unser Angebot richtet sich natürlich an alle Kommunalpolitiker/innen, insbesondere an alle OB-Kandidat/innen, die sich im September zur Wahl stellen wollen“, ergänzt Cremer, der auch Diane Jägers noch einmal alles Gute für ihre Gesundheit wünschte.

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