Das Werk von thyssenkrupp Steel in Duisburg (Foto: Marko Kosczowsky, Capture Media)
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Duisburg/Essen. CO2-Emissionen bei Roheisenproduktion sollen reduziert werden – 100 MW Elektrolyseur könnte 70 % des H2-Bedarfs eines thyssenkrupp-Hochofenabdecken  – Schnelle Umsetzung der Nationalen Wasserstoffstrategie hilfreich für Investitionsentscheidungen

Grüner Wasserstoff aus einem Elektrolyseur der RWE Generation könnte thyssenkrupp Steel Europe künftig helfen, die CO2-Emissionen aus der Stahlherstellung nachhaltig zu senken. Das Energieunternehmen und der Stahlerzeuger haben sich darauf verständigt, gemeinsam auf eine längerfristige Wasserstoffpartnerschaft hinzuarbeiten. Nach Möglichkeit soll bis Mitte des Jahrzehnts der erste Wasserstoff in Richtung des Duisburger Stahlwerks strömen.

Wasserstoff aus dem Emsland für Duisburger Stahlproduktion

Der für die Roheisenproduktion benötigte Wasserstoff soll auf dem Weg der Elektrolyse hergestellt werden, bei dem Wasser in Wasserstoff und Sauerstoff zerlegt wird. Die Unternehmen sind sich einig, dass für den Betrieb der Elektrolyseure ausschließlich Strom aus Erneuerbaren Energien verwendet werden soll. An ihrem Kraftwerkstandort in Lingen plant RWE bereits den Bau von Elektrolysekapazitäten, mit denen grüner Wasserstoff für die Roheisenerzeugung von Deutschlands größtem Stahlhersteller bereitgestellt werden könnte. Ein 100-MW-Elektrolyseur könnte pro Stunde 1,7 Tonnen gasförmigen Wasserstoffs erzeugen. Das entspricht in etwa 70 Prozent des Bedarfs des beim Duisburger Stahlersteller für den Einsatz von Wasserstoff vorgesehenen Hochofens. Damit stünden rechnerisch rund 50.000 Tonnen klimaneutraler Stahl zu Verfügung. Bis 2022 soll die Umstellung des Aggregats umgesetzt werden – als erste wichtige Etappe eines grundlegenden Transformationsprozesses, an dessen Ende die gesamte Stahlproduktion klimaneutral sein soll.

Wichtiges Signal: Bundesregierung verabschiedet Nationale Wasserstoffstrategie

Voraussetzung für das Zustandekommen der Kooperation ist unter anderem die Entwicklung eines dedizierten Wasserstoffnetzes, um den gasförmigen Wasserstoff von Lingen zum Hüttenstandort der thyssenkrupp Steel Europe in Duisburg zu transportieren. Der leitungsgebundene Transport des Wasserstoffs ist die wirtschaftlichste Liefervariante. RWE und
thyssenkrupp Steel Europe wollen deshalb im Austausch mit Gasnetzbetreibern und den Behörden Lösungen für eine rechtzeitige Netzanbindung vorantreiben. Sie gehen davon aus, dass der Wasserstofftransport über Pipelines auf Basis von Regelungen möglich sein wird, die den heutigen Regelungen für Erdgastransporte weitgehend entsprechen. Die Initiative GETH2, in der RWE mitarbeitet, setzt sich bereits für entsprechende Lösungen ein. Auch der am 4. Mai 2020 veröffentlichte Netzentwicklungsplan Gas nimmt in seiner „Grüngasvariante“ erstmals Berechnungen zu ersten Wasserstoffteilabschnitten parallel zum Erdgasnetz auf.

Roger Miesen, Vorstandsvorsitzender RWE Generation, betont: „Wasserstoff ist ein zentraler Baustein für die Treibhausgasminderung in Deutschland. Die Nationale Wasserstoffstrategie und die Finanzmittel in Höhe von 9 Mrd. €, die bereitgestellt werden sollen, geben dieser Zukunftstechnologie den notwendigen Anschub. Damit eine Wasserstoffinfrastruktur in Deutschland wirklich Fahrt aufnehmen kann, braucht es jetzt eine schnelle Umsetzung. Denn Investitionsentscheidungen in grüne Wasserstoffprojekte brauchen Planungssicherheit.“

Bernhard Osburg, Sprecher des Vorstands thyssenkrupp Steel erläutert: „Die geplante Kooperation mit RWE ist ein wichtiger Schritt auf unserem Weg zur Klimaneutralität. Die angestrebte Liefermenge würde bereits zu großen Teilen zur Versorgung eines Hochofens mit grünem Wasserstoff ausreichen und die Produktion klimaneutralen Stahls für rund 50.000 Autos pro Jahr ermöglichen. Wir zeigen damit: Klimaneutralität im Stahl ist möglich und wir drücken bei der Umstellung unserer Produktion aufs Tempo. Wasserstoff kann nirgends mit einem vergleichbaren Klimaschutzeffekt eingesetzt werden wie im Stahl. Daher begrüßen wir ausdrücklich die Verabschiedung der Nationalen Wasserstoffstrategie.“

 

Hintergrund

Wasserstoff ist zentraler Bestandteil der Dekarbonisierungs-Strategie der Bundesregierung. Das leichteste Element des Periodensystems soll nicht nur fossile Energieträger und Rohstoffe ersetzen – mit ihm lassen sich auch Erneuerbare Energien flexibel und angebotsorientiert speichern. Laut der „Nationalen Wasserstoffstrategie“ des Bundesministeriums für Wirtschaft und Industrie sollen bis 2030 bis zu fünf Gigawatt an Elektrolyseleistung zur Herstellung von Wasserstoff aufgebaut und die Transport- sowie Verteilungsinfrastruktur weiterentwickelt werden. Durch gezielte Förderung und Entlastung will das Ministerium Wasserstoff für Erzeuger und Anwender wirtschaftlich machen.

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