Stolz und glücklich: Heilerziehungspfleger Milad Mohammadi und Einrichtungsleiterin Kirstin Lintjens (Foto: © St. Augustinus Gruppe)
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Neuss. Gekommen, um zu bleiben

Milad Mohammadi strahlt. Er hat als erster Geflüchteter die Ausbildung zum Heilerziehungspfleger in der St. Augustinus Gruppe erfolgreich abgeschlossen. Eine feste Anstellung im Haus Barbara der St. Augustinus Behindertenhilfe hat der 32-Jährige ebenfalls schon in der Tasche. Doch der Weg zu diesem Erfolgserlebnis war nicht immer leicht.

Vor rund vier Jahren traf Milad Mohammadi den schweren Entschluss aus dem Iran zu fliehen. Seine Heimatstadt hat er ohne seine Eltern und seine drei Geschwister verlassen. Zwei seiner Brüder waren zu dem Zeitpunkt durch die Konflikte im Nahen Osten bereits verstorben. „Der Start in Deutschland war nicht leicht“, sagt Mohammadi. Alle Geflüchteten wurden auf verschiedene Dörfer und Städte verteilt. „Ich habe Glück gehabt, dass ich nach Düsseldorf kam, weil es hier viele Angebote gibt und immer etwas los ist.“ Dennoch musste er zunächst mit Sprachbarrieren und der Sehnsucht nach seiner Familie zurechtkommen. Auch die Wohnsituation war anfangs schwierig. Aktuell lebt er in einer Unterkunft für Geflüchtete am Südfriedhof und ist dort zufrieden, doch zuvor ist er ganze neun Mal umgezogen – zum Teil, weil seine Zimmergenossen bis in die Nacht so laut waren, dass er nicht schlafen konnte.

Ein Lichtblick bei all den Startschwierigkeiten im neuen Land sei immer seine Arbeitsstelle bei der St. Augustinus Gruppe gewesen. Dort startete Milad Mohammadi vor vier Jahren zunächst mit einem freiwilligen sozialen Jahr im Netzwerk Bleichgasse der Behindertenhilfe. Zwei seiner Kollegen empfahlen ihm die Ausbildung zum Heilerziehungspfleger. Kirstin Lintjens, Einrichtungsleiterin im gemeinschaftlichen Wohnen der St. Augustinus Behindertenhilfe, sah im Vorstellungsgespräch direkt das Potenzial. Mohammadi hatte zuvor im Iran seinen Bachelor in Psychologie abgeschlossen. Er wollte ursprünglich in Deutschland weiter studieren, doch sein Abschluss wurde nicht anerkannt. Durch sein Freiwilliges Soziales Jahr konnte er auch die 900 Stunden Berufserfahrung vorweisen und sich sprachlich weiterentwickeln.

„Eines unserer Ziele ist es, Geflüchtete im Unternehmen zu integrieren“, so Lintjens. „Das Pilotprojekt hat uns aber auch gezeigt, dass dieses Vorhaben sehr zeitintensiv ist und man sehr viel Energie in diese Aufgabe hineinstecken muss. Die Behördengänge, Anerkennung von Arbeitszeugnissen sowie die Arbeitserlaubnis stellten große Hindernisse dar. Wenn man sich entscheidet so ein Projekt zu machen, dann richtig und mit Herz! Letztendlich hat sich der Aufwand mehr als gelohnt“, sagt Lintjens.

Milad Mohammadi hatte nicht nur mit Kirstin Lintjens, sondern auch mit Fatima Meyer-Hetling, der Integrationsbeauftragten der St. Augustinus Gruppe, stets eine Ansprechpartnerin. „Ich bin über die Unterstützung sehr dankbar“, sagt der Iraner. Auch sein Mentor und die Praxisanleiter vor Ort standen ihm immer zur Seite.

In den drei Jahren seiner Ausbildung wurde Milad Mohammadi in verschiedenen Bereichen eingesetzt. Er unterstützt die Bewohner mit psychischen Beeinträchtigungen in ihrem Alltagsablauf, in der Hauswirtschaft und medizinischen Versorgung. Neben der Pflege der Klienten gehören auch die Dokumentation und Angehörigenarbeit zu seinen Aufgaben.

Nach seinem Dienst im Wohnheim besuchte Milad regelmäßig einen Sprachkurs, vertiefte dabei seine Deutschkenntnisse und erlernte zusätzlich fachspezifische, medizinische Begriffe. Für den Kurs wurde Mohammadi Arbeitszeit erlassen. „Milad leistet sehr viel. Wir wollten ihn mit dieser Doppelbelastung nicht überfordern. Inzwischen hat er sprachlich sehr große Fortschritte gemacht, bleibt dabei stets bescheiden und kommt mit den Bewohnern in unserer Einrichtung sehr gut zurecht. Verständigungsprobleme gibt es keine“, lobt Kirstin Lintjens.

Auch die außergewöhnliche Situation durch das Covid-19-Virus meisterte Mohammadi gut. Die Verhaltensregeln, wie das Einhalten der vorgegebenen Abstände und das Tragen von Mundschutzen müssen eingehalten werden. „Es war anfangs schwierig, den Klienten deutlich zu machen, dass ein Besuchsverbot herrschte, und manche Klienten durften nur mit Begleitung die Einrichtung verlassen“, erklärt der Heilerziehungspfleger. „Hinzu kam, dass die Bahn ihre Fahrpläne änderte. Trotzdem musste ich pünktlich zur Arbeit kommen.“

Kirstin Lintjens ist sehr stolz auf Milad Mohammadi. „Milad hat als erster Geflüchteter in unserer Behindertenhilfe seine Heilerziehungspflegeausbildung geschafft – und das ohne ein Jahr wiederholen zu müssen.“ Milad Mohammadi wird im Haus Barbara mit seiner bestanden Prüfung übernommen.

„Ich liebe es den Menschen zu helfen, die Unterstützung brauchen. Ich bekomme von den Bewohnern so viel Wertschätzung zurück. Und ich bin ein Teil einer Familie.“

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