Architekt Heinrich Blass (Foto: blass architekten)
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Nettetal. Von „zukunftsfähig“ über „überzeugend“ bis hin zu „bedingungsloses Ja“ reichen die Reaktionen im politischen Raum auf das Multifunktionsbad, das am Breyeller Schulzentrum Biether Straße das marode gewordene Lehrschwimmbecken ersetzen soll. Architekt Heinrich Blass vom gleichnamigen Büro blass architekten (Euskirchen) hat die Planung jetzt im Nettetaler Haupt-, Finanz- und Wirtschaftsförderungsausschuss vorgestellt. Neben den baulichen Details lobten die Fraktionen die transparente Kostenpolitik, die der Erste Beigeordnete Dr. Michael Rauterkus erläuterte. Die geschätzten Kosten liegen bei knapp fünf Millionen Euro.

Damit dürfte der Weg vorgezeichnet sein, dass Nettetal sich nach dem ersten Anstoß 2018 nunmehr für eine große Lösung entscheidet und das alte Lehrschwimmbecken nicht eins zu eins neu baut, sondern mit geschätzt 600.000 Euro Mehrkosten ein attraktiveres, barrierefreies und ökologisch nachhaltigeres Bad errichtet, das auch der Vereinswelt zugänglich sein soll. Das Bad soll demnach 167 Quadratmeter statt der ursprünglich geplanten 100 Quadratmeter groß werden bei zwei Meter Tiefe, so dass Elemente wie Seepferdchen, Tauchübungen, Aquajogging und Kopfsprünge möglich werden.

Blass berichtete auch von ÖPNV-Anbindung, Rad-Abstellplätzen, Sitzgelegenheiten, Gründach, einem integrierten Blockheizkraftwerk für Schule und Bad sowie recycelbaren Materialien wie Holz, Glas und Edelstahl. Die CO₂-Einsparung beträgt laut Architekt knapp 34 Tonnen im Jahr. Bei der baulichen Ausrichtung habe das Thema Sicherheit für Kinder eine Rolle gespielt. Als nächstes reichen blass architekten den Bauantrag ein, so dass im Herbst Vergabe und Ausschreibung anstehen. Bei einem ersten Spatenstich Anfang 2021 könnte nach den Sommerferien im August 2022 der Badbetrieb losgehen, so Blass.

Laut Bürgermeister Christian Wagner sei das Bad sowohl für die umliegenden Schulen als auch für Vereine nutzbar. Neben der Erfahrung von blass architekten hob Wagner die Kompetenz des Projektleiters, Architekt Dietmar Tillmanns vom NetteBetrieb hervor: „Zusammen sind Sie ein gutes Team.“ Politik und Öffentlichkeit frühzeitig in allen Belangen einzubeziehen, sei ein „Paradigmenwechsel“.

Während Jürgen Boyxen (CDU) die Planung überzeugte, hob Renate Dyck (SPD) die „Kostentransparenz“ hervor. Mit Blick auf das Blockheizkraftwerk attestierte Hans-Willy Troost (FDP) dem Bad „Nutzungsvielfalt“ und „Synergien mit der Schule“. Guido Gahlings (Grüne) gefiel die ressourcenschonende Bauweise. Für die WIN-Fraktion hat der multifunktionale Charakter zum Ja geführt – trotz der Kostensteigerung von 3,3 auf knapp fünf Millionen Euro, wie Hajo Siemes betonte. Für WIN sei wichtig, dass das Bad „365 Tage im Jahr geöffnet“ ist und die Unterhaltungskosten im Rahmen bleiben. Die Anregung von Erhard Scholz (Grüne), wegen des möglicherweise unangenehmen Chlorgeruchs auf UV-Licht zu setzen, stieß bei Architekt Blass auf Skepsis, weil UV-Licht ständig anwesendes Fachpersonal binde und Chlor als sicherer Keim-Verhinderer bewährt sei.

Dr. Rauterkus hob hervor, dass sich das Multifunktionsbad „neutral und zeitlos“ an die in die Jahre gekommene Architektur des Schulzentrums anpasst, so dass hier nachhaltig geplant wird.

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