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Düsseldorf. Auf der Facebook-Seite der Landeshauptstadt ist heute ein Video mit dem Düsseldorfer Rapper Farid Bang erschienen – In Offenen Briefen und Stellungnahmen an den Oberbürgermeister Thomas Geisel fordern Politikerinnen und Politiker der Grünen und FDP: Farid-Bang-Video muss umgehend aus dem Netz 

Darin appelliert der Musiker vor allem an die Partyszene, die in den vergangenen Wochen immer wieder die Corona-Regeln in der Altstadt missachtet hatte.

“Es ist wichtig, dass die Leute verstehen, dass diese Regeln kein Angriff auf sie selbst sind. Man will weder jemanden diskriminieren noch schikanieren. Es geht darum, die Düsseldorfer zu schützen”, erklärt Farid Bang.

Oberbürgermeister Thomas Geisel: “Ich bin froh, dass sich ein bekannter Musiker wie Farid Bang für diese Aufklärungskampagne der Landeshauptstadt Düsseldorf zur Verfügung stellt. Er hilft uns dabei, genau die Zielgruppe zu erreichen, denen die Einhaltung der Corona-Regeln in den letzten Wochen ganz offenbar nicht mehr so wichtig war.”

Das Verhalten der jungen Altstadtbesucher war zuletzt auch gegenüber den Einsatzkräften ein Problem. Erst am vergangenen Wochenende hatte es Flaschenwürfe gegen Polizisten und Spuckattacken auf Mitarbeiter des städtischen Ordnungs- und Servicedienstes gegeben.

“Ich kann das nur allen mitgeben: Benehmt euch, hört auf, Unfug zu machen”, sagt Farid Bang.

Vor den Dreharbeiten hatten sich der Oberbürgermeister und der Musiker zu einem ausführlichen Vorgespräch getroffen. Darin ging es natürlich auch um die Antisemitismusvorwürfe gegen Farid Bang, die nach einer anstößigen Liedzeile, die er getextet hatte, 2018 aufgekommen waren. “Das war ein großer Fehler, für den ich mich schon mehrfach entschuldigt habe. Nichts liegt mir ferner, als die Erinnerung an die Holocaust-Opfer zu verhöhnen. Ich habe mit Antisemitismus überhaupt nichts zu tun”, betont der Rapper.

Kritik: Auftritt mit Farid Bang unterstützt Respektlosigkeit gegenüber anderen Menschen

Dennoch reißt die Kritik zu diesen Vorgängen und der Person Farid Bang nicht ab. In einem Offenen Brief schreibt die FDP- Bundestagsabgeordnete und OB-Kandidatin Dr. Marie-Agnes Strack-Zimmermann, “dass man, um Aufsehen zu erregen, im Wahlkampf auf ungewöhnliche Ideen kommt ist nichts Außergewöhnliches. Dass Sie sich dabei aber hinreißen lassen, für Ihre Wahlkampagne den Rapper Farid Bang auszuwählen, macht mich fassungslos.

Farid Bang erwarb seine Bekanntheit dadurch, dass seine Texte auf viele Menschen antisemitisch und frauenfeindlich wirken. Auch Ihnen dürften die Hintergründe von Farid Bang bekannt sein. 2018 wurden Kollegah und Farid Bang für das Album “Jung Brutal Gutaussehend 3” für einen Echo nominiert. Während der Preisverleihung wurden sie von Campino (Die Toten Hosen) wegen einer antisemitischen Textzeile kritisiert. Darauf schaltete sich der Ethik-Beirat des Echos ein und prüfte die Nominierung.

Resultat: Die jährliche Preisverleihung wurde abgeschafft. Das Album wurde von der BPjM indiziert.

Nun wollen Sie, Herr Geisel, diesen Rapper allen Ernstes einsetzen, um Jugendliche mit Migrationshintergrund zu bewegen, die Corona-Schutzmaßnahmen einzuhalten. Respektlosigkeit soll Respekt hervorrufen? Welch absurde Vorstellung.

Sehr geehrter Herr Geisel,

Demokraten sollten sich nicht in eine Reihe mit Farid Bang stellen. Ihr Verhalten empört mich. Sie werten diesen Rapper auf und verschaffen ihm Aufmerksamkeit.

… Leider muss ich, und viele Düsseldorferinnen und Düsseldorfer bestätigen mir das, feststellen, dass sich die Menschen in der Altstadt, am Rheinufer und auch in einigen Stadtteilen immer unsicherer fühlen. Immer häufiger treten Gruppen von meist jungen Männern respektlos und provozierend in Erscheinung. Dadurch fühlen sich andere Menschen in ihrer Freiheit und Sicherheit bedrängt. Ich sehe hier eine erhebliche Gefährdung unseres gesellschaftlichen Miteinanders. Bei diesen Problemen tauchen Sie leider ab, Herr Geisel.

Als Oberbürgermeisterin würde ich gemeinsam mit den Ordnungskräften und der Polizei denjenigen, die sich nicht an die Regeln eines zivilisierten respektvollen Umgangs miteinander halten, die Kraft des Rechtsstaats entgegensetzen. Parallel hierzu würde ich mit Fachleuten neue Programme entwickeln, wie man diese Menschen in unsere freiheitliche Gesellschaft integrieren kann.

Ihr gemeinsamer Auftritt mit Farid Bang unterstützt aber gerade die Respektlosigkeit gegenüber anderen Menschen. Das, Herr Geisel, finde ich beschämend. Sie beschädigen das Ansehen unserer Stadt über Deutschlands Grenzen hinaus, und Sie konterkarieren als politisches Vorbild das Engagement vieler Düsseldorferinnen und Düsseldorfer, die ihren Kindern zu Hause, in der Schule und in der Freizeit, Respekt und Anstand und ein soziales Miteinander beizubringen sich tagtäglich bemühen.

Ich fordere Sie deshalb auf, Ihr Verhalten zu überdenken.“

Grüne: Farid-Bang-Video muss umgehend aus dem Netz

GRÜNE schreiben offenen Brief an Oberbürgermeister Geisel: OB tritt Ratsbeschluss mit Füßen

„Es ist uns völlig unverständlich, ausgerechnet dem wegen gewaltverherrlichenden, rassistischen, frauenverachtenden und antisemitischen Äußerungen in der Kritik stehenden Farid Bang eine Plattform als Botschafter der Stadt Düsseldorf zu bieten“, kritisiert Angela Hebeler, Sprecherin der GRÜNEN Ratsfraktion in Düsseldorf, die heutige Veröffentlichung des Videos, in dem Farid Bang im Auftrag der Stadt Düsseldorf für die Einhaltung von Corona-Regeln wirbt.

Der Oberbürgermeister trete damit einen Ratsbeschluss aus dem Jahr 2019 „Düsseldorf kein Raum für Hetze“ mit Füßen. „Offenbar fehlt dem OB jegliches Gespür dafür, welche Signale mit der Entscheidung für Farid Bang in die Stadtgesellschaft ausgesendet werden. Für uns völlig inakzeptabel!“, so Norbert Czerwinski, Sprecher der GRÜNEN Ratsfraktion.

Engstfeld: Farid Bang darf kein Botschafter für Düsseldorf sein

„Ich fordere den SPD-Oberbürgermeister Geisel auf, die Veröffentlichung seines Videos sofort zu stoppen“, erklärt Stefan Engstfeld MdL, Düsseldorfer OB Kandidat der Grünen.

“Farid Bang hat sich mehr als einmal und nicht nur in der Vergangenheit in seinen Songtexten antisemitisch, frauenfeindlich und gewaltverherrlichend gezeigt. Dass so jemand bei der Stadt Düsseldorf eine Plattform als „offizieller Botschafter“ erhält und vom SPD-Oberbürgermeister auch noch zum „Role Model“ erklärt wird, ist beschämend für alle Düsseldorferinnen und Düsseldorfer. Ebenso beschämend ist es, dass hier offensichtlich um jeden Preis Aufmerksamkeit erregt werden sollte.

Die Frage ist nicht, was Farid Bang in dem Video für die Stadt sagt. Der Punkt ist: Farid Bang darf kein Botschafter für die Stadt Düsseldorf sein oder in ihrem Auftrag zu Jugendlichen sprechen. Erst recht darf er nicht vom Stadtoberhaupt zum Vorbild für Jugendliche erklärt werden.

Campino hat schon bei der Echo-Verleihung über Farid Bang gesagt: ‚Für mich persönlich ist die Grenze der Provokation überschritten, wenn es um frauenverachtende, homophobe, rechtsextreme, antisemitische Beleidigung geht und auch die Diskriminierung jeder anderen Religionsform.‘ Ich finde, dem ist nichts hinzuzufügen.“

 


Für eine eigene Meinungsbildung zeigt LokalKlick das beschriebene Video und bittet um Zusendung von Meinungen unter leserbriefe@lokalklick.eu

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