Die etwas mehr als zweistündige Diskussion gestaltete sich für das Publikum sehr kurzweilig (Foto: Claudia Pauli)

Mülheim. Nicht allein aufgrund der hohen Außentemperaturen von knapp 30 Grad lieferten sich die Kandidatinnen und Kandidaten für das Amt der Oberbürgermeisterin bzw. des Oberbürgermeisters der Stadt Mülheim an der Ruhr am 11. August bei der vom Mülheimer Sportbund (MSB) veranstalteten Podiumsdiskussion zur Bedeutung und Entwicklung des Sports vor Ort mitunter eine hitzige Debatte. Dabei spielten insbesondere finanzielle Aspekte eine Rolle.

Denn im Grundsatz waren sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer an der unter dem Motto „Die Zukunft des Sports ist viel zu wichtig, als dass man sie allein der Zukunft überlassen kann“ stehenden Talkrunde einig: In den nächsten Jahren gilt es, gleich mehrere Großprojekte, die für die sportbegeisterte Mülheimer Bevölkerung einen deutlichen Mehrwert mit sich bringen, konsequent voranzutreiben. Schließlich, das kam bei der etwas mehr als zweistündigen Diskussion immer wieder zum Ausdruck, messen die Anwärterinnen und Anwärter auf den Posten des 1. Bürgers bzw. der
1. Bürgerin der Stadt dem Sport in Mülheim an der Ruhr einen äußerst hohen Stellenwert bei.

So meinte etwa Dr. Monika Griefahn: „Die Bedeutung des Sports kann man gar nicht hoch genug bewerten. Der Sport trägt zum gesellschaftlichen Zusammenhalt und zur Integration bei, er wirkt gesundheitsfördernd, er dient der Gewaltprävention, er trägt zur Entwicklung von Selbstvertrauen bei und dient der Inklusion“, gab die SPD-Politikerin einige Beispiele. Nach Aussage von Dr. Martin Fritz (BAMH) schweißt Sport u. a. Familien zusammen, Wilhelm Steitz (Grüne) betonte die „segensreiche Wirkung von Sport in verschiedenen Feldern“ und Dr. Amrei Debatin (FDP) beschrieb Sport als „unglaublich identitätsstiftend“. So würden etwa internationale Veranstaltungen, an denen Sportlerinnen und Sportler aus Mülheim an der Ruhr teilnehmen, „uns Mülheimer einen“. Wie Marc Buchholz (CDU) in den vergangenen rund eineinviertel Jahren als Dezernent für Bildung, Soziales, Jugend, Gesundheit, Sport und Kultur der Stadt Mülheim an der Ruhr erleben durfte, eint der Sport auch in der Politik: „Alle wollen das Beste für den Sport in Mülheim.“ Und die etwa 840 Übungsleiterinnen und Übungsleiter, die in Mülheim an der Ruhr tätig sind, trügen „den Geist von Gemeinsamkeit in die Stadt“. Jochen Hartmann (unabhängiger Kandidat) hob hervor, dass man im Sport Regeln lerne, während nach Einschätzung von Horst Bilo (unabhängiger Kandidat) Sporttreiben in besonderer Weise zur Entwicklung von Kampfgeist beitrage. Andy Brings (Die PARTEI) erachtete den Sport als „eine der wesentlichen Säulen der Stadtentwicklung“ und „eines der Aushängeschilder von Mülheim“, während Jürgen Abeln (unabhängiger Kandidat) den vielen ehrenamtlich Tätigen Anerkennung zollte: „Sie setzen sich in ihrer Freizeit für unsere Gesellschaft ein.“

Einig waren sich die neun Teilnehmerinnen und Teilnehmer an der Podiumsdiskussion auch darin, dass es in Mülheim an der Ruhr viel zu wenig Wasserfläche gibt, dadurch zahlreiche Kinder keine Möglichkeit erhalten schwimmen zu lernen, und diese Situation durch den Neubau (mindestens) eines Schwimmbades dringend verbessert werden muss. Allerdings gab es zu der Frage, wie dies angesichts der angespannten Haushaltssituation der Stadt Mülheim an der Ruhr realisiert werden könne, sehr kontroverse Meinungen.

Konsens herrschte hingegen wieder im Zusammenhang mit dem Thema „Ehrenamt“: Bürgerinnen und Bürger, die sich ehrenamtlich engagieren, müssten noch mehr Anerkennung dafür erfahren, als dies bislang der Fall ist. „Diese Stadt lebt in weiten Teilen vom Ehrenamt“, sagte etwa Jochen Hartmann, und stufte das Ehrenamt – und auch den Sport – sogar als „systemrelevant“ ein. Dr. Monika Griefahn und Dr. Amrei Debatin sprachen sich dafür aus, ehrenamtliche Tätigkeit zu erleichtern, d. h., z. B. bürokratische Hürden zu reduzieren.

Gleich mehrere OB-Kandidatinnen und -Kandidaten lobten zudem die hervorragende Zusammenarbeit zwischen dem MSB, der Sportselbstverwaltung, und dem Mülheimer SportService (MSS), der öffentlichen Sportverwaltung. „Ich kenne keine andere Stadt, in der das so gut funktioniert“, meinte etwa Marc Buchholz. Nach Einschätzung von Wilhelm Steitz sei dennoch zu überlegen, „noch mehr Aufgaben operativ aus der Stadtverwaltung raus zu lösen und den Vereinen zu übertragen, sofern sie dazu bereit seien“. So ist aus Sicht des Grünen-Politikers der organisierte Sport beispielsweise auch dazu in der Lage, Baumaßnahmen durchzuführen. Von Relevanz sei es ganz allgemein, so die einhellige Meinung der Teilnehmerinnen und Teilnehmer an der Talkrunde, klare Prioritäten in der Stadt zu setzen. „Wir müssen uns fragen: Was ist uns wichtig? Was ist den Bürgern wichtig?“, verdeutlichte Dr. Amrei Debatin diesen Anspruch.

Einleitend hatte der MSB-Vorsitzende Wilfried Cleven den insgesamt rund 50 Gästen in der Mehrzweckhalle der innogy Sporhalle die Beweggründe für die Initiierung der Podiumsdiskussion erläutert: „Die Sportgemeinde in Mülheim an der Ruhr ist mit ihren 150 Sportvereinen und knapp 40.000 Mitgliedern eine der bedeutendsten Organisationen. Im Hinblick auf die Kommunalwahlen am 13. September möchten wir daher mit Kandidatinnen und Kandidaten für die Wahl der 1. Bürgerin bzw. des 1. Bürgers unserer Stadt in den Dialog treten und u. a. Themen wie die Sportförderung und die Sportentwicklung in unserer Stadt, gerade in Anbetracht der angespannten Finanzlage, erörtern.“

Aus Kapazitätsgründen aufgrund der Corona-Pandemie musste die Teilnahme auf eine Person pro Verein beschränkt werden. Alle Interessierten darüber hinaus konnten die Podiumsdiskussion per Livestream über die Facebookseite „Mülheim macht Sport“ (https://www.facebook.com/muelheimmachtsport) verfolgen. Dort kann sie auch im Nachgang noch angeschaut werden.

Die Moderation der Gesprächsrunde übernahm Tanja Schwarze von Radio Mülheim, die auch alljährlich durch den „Sporttalk“ im Medienhaus führt.

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