Unter freiem Himmel sprach Obermeister Uwe Sötje (1. Reihe rechts) von der Tischler-Innung Kreis Viersen die neuen Gesellinnen und Gesellen los (Foto: Kreishandwerkerschaft)

Kreis Viersen. 17 junge Tischlerinnen und Tischler haben ihre Ausbildung in diesem Jahr erfolgreich abgeschlossen. Unter freiem Himmel erhob sie Obermeister Uwe Sötje von der Tischler-Innung Kreis Viersen offiziell in den Gesellenstand – ein gelungener Ersatz für die wegen Corona ausgefallene große Lossprechungsfeier.

Sötje zollte den jungen Handwerkern großen Respekt: „Ihr habt einen Marathon geschafft“, sagte er, als er ihnen am Forum des Kreishauses in Viersen zur bestandenen Prüfung nach dreijähriger Ausbildung gratulierte. Angesichts der besonderen Corona-Umstände mit wochenlangem Ausfall des Berufsschul-Unterrichts und der Überbetrieblichen Ausbildung könne die Leistung gar nicht hoch genug bewertet werden. „Aber auch das zeichnet unseren Berufsstand aus: Selbst ein Virus kann uns nicht aufhalten“, betonte der Obermeister, bevor er gemeinsam mit seinem Stellvertreter Andreas Kleinbylen und dem Prüfungsvorsitzenden Thomas Danners die Gesellenbriefe „mit Abstand“ überreichte. Sötje fügte hinzu: „Ich hoffe, dass ihr viel Spaß an eurem Beruf habt.“

Das gilt für Elisabeth Mähr auf jeden Fall – sie beendete die Ausbildung als Jahresbeste. „Für mich war eigentlich schon immer klar, dass ich etwas Handwerkliches machen wollte, da gab es keine andere Option“, erzählt die 22-Jährige. Nach Fachabi und Bundesfreiwilligendienst erlernte sie ihren Beruf bei Fruhen Messebau in Viersen. „Es ist einfach unglaublich, was man aus einem Stück Holz alles gestalten kann“, sagt die Tischlerin, die aus Willich-Anrath kommt. Mit der gleichen Leidenschaft hat sie schon ihr nächstes Ziel im Blick: die Meisterprüfung.

Klare Zukunftspläne hat auch Vincent Boer aus Grefrath: Der 23-Jährige will in einem Jahr nach Kanada gehen und dort als Tischler arbeiten. Der Abiturient hat das Land während eines Schüleraustauschs kennengelernt. Im Gepäck wird er den Sieg beim Wettbewerb „Die gute Form“ haben, den die Tischler-Innung trotz Corona auch in diesem Jahr veranstaltet hat. Dabei werden die Gesellenstücke vor allem nach dem Design beurteilt.

Mit seinem Sekretär „Notarius“ aus Eichenholz überzeugte Vincent Broer auf der ganzen Linie. „Ein Klassiker aufs Wesentliche reduziert“, urteilte die Jury. Sie lobte die Formgebung, die ganz aus der Funktion abgeleitet sei, und die daraus entstehende Klarheit. „Eiche ist ein hochwertiges Material und schafft ein gutes Raumklima. Und Holz ist immer ein Stück Natur. Das erdet einen“, sagt Broer, der nach dem Abitur zunächst ein Jahr Soziale Arbeit studiert hat, bevor er die Ausbildung bei der Möbelschreinerei Hegholz in Nettetal begann. Der Wechsel ins Handwerk sei goldrichtig gewesen: „Am Ende des Tages ist es sehr befriedigend, wenn ich sehe, was ich geschafft habe“, erklärt er.

Hinter Vincent Broer belegte Gianluca Mendicino (Tischlerei Hellmann, Nettetal) mit seiner Gitarrenvitrine „Crazy Palm“ in Ahorn und schwarzer Palme den zweiten und Elisabeth Mähr mit einem Schreibtisch in Ahorn und Nussbaum den dritten Platz im Wettbewerb „Die gute Form“. Eine Belobigung gab es für Pascal Baer (KM Einrichtungen Knuppertz, Viersen) und seinen Geschirrschrank in Eiche und Lack.

In der Gesellenprüfung erzielte Julius Berghs (Philipp Kreilein u. Richard Kreilein GbR, Kempen) hinter Elisabeth Mähr das zweitbeste Ergebnis. Dritte wurde Patrizia Flock (Tischlerei Hubert Lorenz, Schwalmtal).

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