(v.l.) Paul Schwarz (Heinz Trox-Stiftung), Wilhelm Ehrmann (Radeln ohne Alter), Bürgermeister Harald Lenßen, Reinhild Freese (Tuwas). (Sitzend v.l.) Cornelia Hüsch (Stadtverwaltung) und Christine Roßkothen (Heinz Trox-Stiftung) (Foto: Stadt Neukirchen-Vluyn)

Neukirchen-Vluyn. Programm zur gesellschaftlichen Teilhabe älterer Menschen in Neukirchen-Vluyn vorgestellt

„Gesellschaftliche Teilhabe – Eine Stadt für alle“ lautete am gestrigen Mittwoch, 26. August 2020 das Motto im Rathaus der Stadt Neukirchen-Vluyn. Bei der Vorstellung des Programms zur gesellschaftlichen Teilhabe älterer Menschen ging es um das Zusammenbringen von Jung und Alt, das Netzwerken und um Lebensqualität. Die Stadtverwaltung präsentierte gemeinsam mit der Tuwas Genossenschaft als einem der Kooperationspartner und der Heinz Trox-Stiftung als Förderer die Programmbausteine, mit denen Neukirchen-Vluyn für Ältere noch lebenswerter werden soll.

Im Fokus stand dabei das Projekt „Radeln ohne Alter“ (RoA), das in Neukirchen-Vluyn bei der Tuwas Genossenschaft angesiedelt ist. RoA ist Teil des 2012 in Dänemark gegründeten und mittlerweile in über 40 Ländern weltweit aktiven Projektes. „‘Jeder hat das Recht auf Wind in den Haaren‘ ist der Leitgedanke von Radeln ohne Alter. Es geht darum, dass auch Menschen mit eingeschränkter Mobilität aktiv werden und sich als Teil der städtischen Gemeinschaft empfinden können“, fasst Koordinator Wilhelm Ehrmann die Idee von RoA zusammen. In einer Rikscha werden ein bis zwei Personen von einem/einer Ehrenamtlichen gefahren. „Die Ausfahrten sind für die Passagiere kostenlos. Sie sind kein Taxidienst“, ergänzt Reinhild Freese, Gebietsleiterin Neukirchen-Vluyn bei der Tuwas Genossenschaft eG. Die Ausfahrten in die Stadtteile von Neukirchen-Vluyn oder die landschaftlich schöne Umgebung schaffen Gesprächsanlässe über Wahrnehmungen, Staunen über Veränderungen, Mitteilung von Erinnerungen. So können Verbindungen entstehen zwischen Fahrer/in und Passagier/innen, aber auch Begegnung mit Bürgern und Bürgerinnen im Stadtteil.

Zur Ausgangslage führt Wilhelm Ehrmann aus: „Radeln ohne Alter ist ein Angebot für alle Menschen in Neukirchen-Vluyn mit Mobilitätseinschränkung. Die aktuelle Ausnahmesituation durch Covid 19 machte allerdings den Einsatz von Ehrenamtlichen zunächst unmöglich. So sind zunächst nur Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Senioreneinrichtungen mit der Rikscha für ihre Bewohnerinnen und Bewohner unterwegs gewesen. Wir wollen uns nun langsam an die Ausweitung herantasten.“ Heißt konkret: Eine mobilitätseingeschränkte Person kann mit einer Begleitperson in der Rikscha von Ehrenamtlichen gefahren werden. Diese muss den engen Kontakt übernehmen beim Platzieren im Fahrzeug. Die Ehrenamtlichen halten durchgehend Abstand.

„Ich bin sehr dankbar, dass wir dieses tolle Projekt nun auch in Neukirchen-Vluyn anbieten können“, bedankte sich Bürgermeister Harald Lenßen bei den Koordinatoren von RoA. „Möglich macht Radeln ohne Alter, ebenso wie die anderen Bausteine unseres Programms für ältere Bürgerinnen und Bürger, aber vor allem auch die großzügige Unterstützung der Heinz Trox-Stiftung.“ Die Stiftung fördert das Gesamtprojekt über insgesamt fünf Jahre.
Paul Schwarz von der Heinz Trox-Stiftung erläuterte die Motivation dahinter: „Unsere Stiftung engagiert sich seit Längerem für die Bildung für nachhaltige Entwicklung, die eher auf Kinder und Jugendliche fokussiert. Es ist aber wichtig, eine Stadt für alle Menschen jeder Altersklasse attraktiv zu machen. Deswegen haben wir unser Engagement erweitert.“

Cornelia Hüsch, Leiterin des Amts für Bildung, Kultur, Sport und Soziales bei der Stadt erläuterte im Anschluss die weiteren Aktionen, die für 2020 geplant waren. Die konkrete Umsetzung richtet sich nach den Maßnahmen des Coronaschutzes.
„Wir tanzen wieder“ ist ein Tanzangebot für Menschen mit Demenz und deren Angehörige, das in Kooperation mit dem Sozialwerk St. Georg und der Fachstelle Demenz der Grafschafter Diakonie durchgeführt wird. Ob in diesem Jahr eine Veranstaltung angeboten werden kann, richtet sich nach der Corona-Entwicklung. Mit dem Treff 55 der Grafschafter Diakonie wird die Aktion „Gut gepflegt“ geplant: Bei einer Postkartenaktion sollen Menschen mit Beeinträchtigungen ihre Wünsche an kulturelle Veranstaltungen äußern. Brauche ich eine Begleitung? Ist die Lautstärke zu gering, die Sicht schlecht? Wie komme ich dahin? Ist die Veranstaltung barrierefrei? Die Bedarfe sollen zunächst gesammelt und mittelfristig umgesetzt bzw. in bestehende Formate integriert werden. Im „Smovey-Parcours“ können Interessierte in Schwung kommen: Das Schwingringsystem lädt zur Bewegung ein, ist aber gleichzeitig sanft zur Muskulatur. Geplant ist ein Bewegungsparcours in Neukirchen, der in einem Kurs mit Übungsleiterin/Übungsleiter wöchentlich erlaufen werden kann. Wer lieber alleine unterwegs ist, kann sich in der „Bücherei der Dinge“ der Stadtbücherei Smoveys ausleihen und findet die notwendigen Informationen auf den entsprechenden Hinweistafeln im Ortskern Neukirchen. Ob diese Maßnahme – auch coronabedingt – mit einem Kurs 2020 noch starten kann, ist derzeit offen.

Bereits stattgefunden hat die Demenzpartner-Schulung der Grafschafter Diakonie. Der Kompaktkurs vermittelte Informationen zum Krankheitsbild sowie Tipps zum Umgang mit Menschen mit Demenz.

Langfristig ist im Rahmen des Programms zur gesellschaftlichen Teilhabe außerdem die Erstellung einer „App in die Mitte“ als digitale Anwendung geplant.

Kontakt Radeln ohne Alter:
Wilhelm Ehrmann
wilhelm.ehrmann@radelnohnealter.de
0151 55 56 57 80

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