Der Umbau des Hospiz-Gartens ist durch die Spenden und den Einsatz vieler Krefelder Bürger und Unternehmen ermöglicht worden. So machen jetzt unter anderem Hochbeete und ein Wasserspiel den Aufenthalt für die Gäste und ihre Angehörigen noch angenehmer. (Foto: Hospiz am Blumenplatz / Nadia Joppen)
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Krefeld. Der Hospiz-Garten war von Anfang an ein großer Gewinn an Lebensqualität für die Gäste: Seit der Entstehung im Jahr 2005 finden die Gäste und ihre Angehörigen hier eine Grünoase zur Erholung und Entspannung. Jetzt können die Hospiz-Gäste den Garten noch besser nutzen: Nach rund einem Dreivierteljahr Arbeit ist der Garten des Hospiz am Blumenplatz komplett überarbeitet, Auslöser waren Schäden in der unterirdisch verlegten Garten-Elektrik und Unebenheiten in den gepflasterten Wegen, die das Befahren mit Rollator, Rollstuhl oder Krankenbett erschwert hatten.

Nach der Überarbeitung bietet der Garten jetzt mehr Nutzungsmöglichkeiten. „Wir haben ein Konzept von Lebenswelten im Garten geplant. Ein Teilbereich ist zudem jetzt fest überdacht“, beschreibt Hospiz-Leiter Alexander Henes. Die Umgestaltung des Gartens wurde schon seit mehreren Jahren vorbereitet, konkret gearbeitet wurde seit September 2019. Die Arbeiten wurden im Frühsommer 2020 fertig.

„Hier hat sich auch wieder gezeigt, dass es viel Unterstützung aus der Krefelder Bürgerschaft und von Krefelder Unternehmen gab. Es ist uns gelungen, für mehrere Teilprojekte, das Garten-Mobiliar und die Ausstattung Unterstützung zu erhalten“, freut sich Prof. Roland Besser, der Vorsitzende der Hospiz Stiftung Krefeld. So hat Volker Ingenhag (Elektro Kleinhütten) mit sehr viel Engagement und günstigen Konditionen die elektrischen Einrichtungen im Garten neu angelegt oder das Krefelder Unternehmen Holz Roeren unterstützt großzügig. Martin Pastor (Architekt) spendete den großen Sonnenschirm für den Garten, Alexander Krins spendete drei blaue Schafe. Die Überdachung des Sitzbereiches konnte zum Beispiel aus einer Spende des Andrea Berg-Fanclubs Hennef finanziert werden: Alfred Heimermann hatte einen Teil des Spendenerlöses des Fan-Kalenders für die Anschaffung zur Verfügung gestellt. Auch der Lions Club Gelduba hat mit einer großzügigen Spende die Umsetzung mitfinanziert.

Das Konzept und die Planung haben die Krefelder Landschaftsarchitekten Schwarze und Partner mit Hospizleiter Alexander Henes und dem Team ausgearbeitet. „Wir sind sehr dankbar für das, was am Anfang des stationären Hospizes geschaffen wurde, und froh, dass wir jetzt den Garten noch mehr nutzen können. Unsere Gäste und ihre Angehörigen genießen die Zeit an der frischen Luft. Wir haben den hinteren Gartenbereich deutlich aufwerten können, der bisher kaum genutzt wurde“, so Alexander Henes.

Zur Einweihung des neu gestalteten Gartens war auch Bürgermeisterin Karin Meincke in Vertretung für Oberbürgermeister Frank Meyer gekommen. Sie, die auch lange Zeit Vorsitzende der Hospiz Stiftung Krefeld war, würdigte die Arbeit: „Mir ist bekannt, wie wichtig diese grüne Oase für Menschen in ihrer letzten Lebensphase ist. Die in die Mauer eingearbeiteten Fensterbereiche sind wichtig für die Transparenz der Hospiz-Arbeit. Es war von jeher das Ziel, sich nicht abzuschotten, sondern Sterben als Teil des Lebens zu sehen.“

Gestaltung

„Der fast quadratische Innenhof hat jetzt ein kreisrundes Pflanzbeet als Mittelpunkt“, erklärt Landschaftsarchitekt Pieter Schwarze. Um dieses Pflanzbeet herum wurde ein radialer Weg angelegt, von dem die Wege-Anbindungen, Sitz- und Skulpturenplätze abgehen. In der nordöstlichen Ecke an der vorhandenen Klinkermauer wurde ein überdachter Sitzplatz erstellt. Im Bereich des Tores nach außen wurde ein Wandbrunnen installiert. Eine wichtige Anforderung war die leichte Zugänglichkeit mit Rollator, Rollstuhl oder Krankenbett. Unter anderem deswegen wurden die Flächen mit großformatigen, anthrazitfarbenen Betonsteinplatten befestigt, die Randbereiche wurden mit Naturstein (Basalt-Mosaikpflaster) ausgepflastert. In den Randbereichen wurden artenreich bepflanzte Beete ausgespart.

Westlich an den Innenhof schließt sich der längliche „Garten der Erinnerung“ an. Im hinteren Bereich entstand ein quadratischer Platz mit einem Wasserspiel (Himmelstreppe, s.u.). Im Randbereich des Platzes wurden verschieden hohe Sockel aus Cortenstahl eingebaut, die teils als Unterkonstruktion für Holzbänke dienen. Die höheren Sockel können geöffnet werden: „Hier können wir die Gedenksteine an Gäste aufbewahren, die nicht von den Angehörigen abgeholt wurden. Das war mir sehr wichtig“, so Alexander Henes. Im „Garten der Erinnerung“ stehen auch drei Hochbeete, die eine Spende des Unternehmens Outokumpu sind. Viele der im Laufe der Jahre gespendeten Gartenobjekte, die Sonnenuhr oder die Holzbank, die Angehörige zur Erinnerung an einen Hospiz-Gast gestiftet hatten, wurden erhalten.

 

Bepflanzung

Ein Ziel war es, möglichst viele der Pflanzen aus dem alten Hospizgarten zu erhalten. Sie waren im Herbst 2019 sorgfältig ausgegraben und über Winter gelagert worden. Im Garten wurden Rosen als sommerliche Dauerblüher, Lavendel, Zaubernuss, Schnee-Heide, Magnolien, Azaleen, Schwertlilien, Phlox, Rittersporn, Strauchgeranien… gepflanzt bzw. wieder eingepflanzt. Der große Schnurbaum sowie eine Hainbuchenhecke konnten erhalten bleiben. Die von dem Krefelder Künstler Caco gestifteten Apfelbäume (3333 Bäume für Krefeld) wurden umgepflanzt.

 

Wasser-Element: Himmelstreppe als Spende von Covestro

Schon lange war es ein Wunsch der Verantwortlichen, ein Wasserspiel in den Garten zu integrieren. Das konnte mit Hilfe einer Benefiz-Aktion von Covestro finanziert werden: Denn die Mitarbeiter des Krefelder Werkstoffherstellers hatten im Dezember 2017 auf der Plattform betterplace.org Spenden für das Projekt „Wasser des Lebens“ des Hospizvereins gesammelt. Auch die Sparkasse Krefeld hatte die Spendensammlung unterstützt „Wir begrüßen das freiwillige Engagement unserer Krefelder Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sehr. Daher hat Covestro die Spendensumme, die durch die Mitarbeiter zusammengekommen war, Anfang 2018 verdoppelt“, sagt Dr. Sven Michael Hansen, Produktionsleiter von Covestro in Krefeld-Uerdingen. „Und das hat sich gelohnt. Denn ich finde, das Wasserspiel mit der Himmelstreppe ist sehr gelungen. Es entspannt den Betrachter, gibt aber gleichzeitig ein Gefühl von Frische. Wir hoffen, dass das Wasserspiel für die Gäste im Hospiz eine wundervolle Bereicherung ist“, so Hansen.

Das Wasser-Element stammt von dem Krefelder Bildhauer Franz-Josef Vanck. Er hat es „Himmelstreppe“ genannt. „Die Treppe ist ein verbindendes Element. Es geht um Lebenswege, es kann die Karriereleiter sein…“ schildert Vanck. Die Anordnung der Figuren mit der Einzelfigur an einer Seite ist bewusst gewählt und eine Anspielung auf die Situation im Hospiz. „Es gibt Wege, die geht man allein. Aber hier ist eine Begleitung, die die Menschen stützt“, meint der Bildhauer. Mit dem Wasserspiel sind jetzt im Hospiz-Garten alle vier „Elemente des Lebens“ vertreten – eine Idee, die Karin Meincke als frühere Vorsitzende der Hospiz Stiftung Krefeld so formuliert hatte: „Gäste, Angehörige und Freunde genießen die schön angelegten Blumenbeete und Pflanzen in der Erde. Sie freuen sich über die frische Luft und Gäste, die nicht mehr aufstehen können, werden mit dem Bett in den Garten gefahren. Schon ein bisschen Sonne erfüllt die Wirkung des Feuers. Das Element Wasser wird jetzt durch das Wasserspiel realisiert.“

 

Hochbeete als Spende von Outokumpu

Unterstützung kam auch von den Auszubildenden der Firma Outokumpu, die drei Hochbeete angefertigt haben. Darin werden unter anderem Kräuter angepflanzt, die dann in der Hospiz-Küche verarbeitet werden können. Die Idee entstand, weil das Unternehmen im Rahmen der Ausbildung junger Menschen auch Wert auf soziales Engagement und Projekte für die Bürger legt, schildert Uwe Graupmann, Leiter der Berufsausbildung bei Outokumpu Krefeld. „Aus einem Gespräch mit dem Hospiz-Leiter entstand die Idee für die Hochbeete. Sie sollten zum Beispiel so konstruiert sein, dass auch ein Rollstuhlfahrer an sie heranfahren kann. Gleichzeitig können wir zeigen, wie vielseitig unser Produkt ist“, beschreibt er. Die Hospiz-Hochbeete sind Einzelstücke, die die Azubis selbst entworfen und innerhalb von drei Monaten ausbildungsbegleitend hergestellt haben. „Sie haben sich sehr für das Hospiz interessiert und auch bei unserem Besuch zur Montage viele Fragen gestellt“, so Graupmann.

 

Info:

Der Hospiz-Garten wurde erstmals 2005 geplant und angelegt. Damals starteten in Linn 50 Friseure die Aktion „Abschnitt“ und legten mit dieser Spendensammlung den finanziellen Grundstock für die ersten Arbeiten. Zuerst wurden u.a. alte Remisen abgebrochen und das Kindergartengebäude gesichert. Das Konzept hatte Doris Törkel, damals Leiterin des Krefelder Grünflächenamtes, entwickelt, die Planung hatte Landschaftsarchitektin Barbara Schröder übernommen. Am 27. September 2008 war die offizielle Einweihung mit einem Gartenfest.

Neugestaltung im Jahr 2019/2020 durch: Schwarze und Partner, Landschaftsarchitekten mbB.

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