( © Ärzte gegen Tierversuche e.V.)
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Essen. Ärzte gegen Tierversuche ruft bereits zum dritten Mal zur Online-Abstimmung über das „Herz aus Stein“ auf. Der bundesweite Verein will damit auf besonders grausame und absurde Tierversuche aufmerksam machen, die in Deutschland durchgeführt worden sind. Bürger können aus einer Liste von fünf Versuchen, die im Jahr 2019 veröffentlicht wurden, auswählen. Die Klinik für Neurologie des Universitätsklinikums Essen ist mit einem Mäuseversuch nominiert, bei dem längst bekanntes Wissen nachvollzogen wurde.

Das ‚Herz aus Stein‘ steht für eine herzlose Forschung, bei der fühlende Tiere zu bloßen Messinstrumenten degradiert werden“, erklärt Dr. med. vet. Gaby Neumann, wissenschaftliche Mitarbeiterin und Pressesprecherin von Ärzte gegen Tierversuche. „Natürlich sind alle Tierversuche schlimm und abzuschaffen. Mit der Abstimmung wollen wir exemplarisch einige besonders absurde und grausame Tierversuche ans Licht der Öffentlichkeit bringen.“

In der Klinik für Neurologie des Universitätsklinikums Essen erhalten Mäuse Futter mit normalem (20%) und geringem (8%) Proteinanteil. Anschließend wird durch Verstopfen einer Hirnarterie mit einem Faden künstlich ein Schlaganfall ausgelöst. Nach 24 Stunden werden die neurologischen Ausfallserscheinungen bei den Mäusen beobachtet. Tatsächlich tragen Mäuse, die proteinarm ernährt wurden, nach einem künstlich ausgelösten Schlaganfall weniger Hirnschäden davon. „Hier wird an Mäusen nachvollzogen, was aus verschiedenen Bevölkerungsstudien längst bekannt ist, nämlich, dass der Konsum von rotem Fleisch ein Gesundheitsrisiko darstellt und unter anderem Schlaganfall begünstigt“, moniert Tierärztin Neumann. „Für diesen völlig sinnfreien Tierversuch hat die Uni Essen das ‚Herz aus Stein‘ verdient“, so Neumann.

Ein anderer Kandidat für die Abstimmung ist die TU Dresden, wo mexikanischen Salamandern (Axolotl) der Ischiasnerv durchschnitten wird, um das Nachwachsen zu beobachten. In Halle/Saale werden Ratten mit Tumoren, die die Haut zersetzen, fast erstickt. In Homburg/Saar wird Mäuse die Haut extremst gespannt und eine Rückenhautkammer implantiert, ein Metallkonstrukt mit einem eingeschnittenen Bullauge, durch das man Blutgefäße in der lebenden Maus wachsen sehen kann. Und Mäuse in Tübingen werden 8 Wochen lang ohne Pause 7 verschiedenen Arten von Stress ausgesetzt.

Die Versuchsbeschreibungen sind der öffentlichen Datenbank des Vereins entnommen, in der über 5.000 Beschreibungen von in Fachzeitschriften veröffentlichten Tierversuchen aus Deutschland dokumentiert sind. Ausführliche Beschreibungen der Kandidaten inklusive Originalquellen finden sich auf der Aktions-Webseite. Der Verein betont, dass es sich bei den Kandidaten um Institute handelt, nicht um Personen.

Im Jahr 2018 hatte das Max-Planck-Institut für Molekulare Medizin in Berlin mit seinen qualvollen Erstickungsversuchen an Nacktmullen das „Herz aus Stein“ „gewonnen“. 2019 ging der Negativpreis an die Uni Ulm für einen Zigarettenrauchversuch bei Mäusen.

Die Abstimmung für das „Herz aus Stein 2020“ sowie dessen Übergabe waren für Frühjahr 2020 geplant gewesen, mussten aber wegen des Lockdowns um ein halbes Jahr verschoben werden.

Ärzte gegen Tierversuche setzt sich nicht nur gegen Tierversuche, sondern vor allem auch für tierversuchsfreie Methoden ein. Um sowohl Wissenschaftlern, Politikern wie auch der interessierten Öffentlichkeit zu zeigen, welche modernen, humanrelevanten Möglichkeiten bereits existieren, hat der Verein die NAT-Database ins Leben gerufen, eine Datenbank über tierversuchsfreie Verfahren und Forschungsprojekte.

Die Abstimmung zum „Herz aus Stein“ ist anonymisiert und läuft noch bis zum 28. September 2020 unter www.herz-aus-stein.info.

 


Ärzte gegen Tierversuche e.V.
Goethestraße 6-8, 51143 Köln, Tel. 02203-9040990, Fax 02203-9040991, info@aerzte-gegen-tierversuche.de, www.aerzte-gegen-tierversuche.de

Die Vereinigung Ärzte gegen Tierversuche e.V. besteht seit 1979 und ist ein bundesweiter Zusammenschluss aus Ärzten, Tierärzten und Naturwissenschaftlern, die Tierversuche aus ethischen und wissenschaftlichen Gründen ablehnen. Der Verein engagiert sich für eine moderne, humane Medizin und Wissenschaft ohne Tierversuche, die sich am Menschen orientiert und bei der Ursachenforschung und Vorbeugung.

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