(Foto: privat)
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Wesel. Top-Technik im neuen Einsatzwagen bringt es an den Tag: Fahrende Kameras auf den Spuren von Schadstellen liefern hochauflösende Bilder von den Kanälen. 425 Kilometer werden so untersucht.

Das neue Einsatzfahrzeug der Stadtwerke Wesel GmbH (SWW) zur Kanalinspektion trägt grüne Kennzeichen im Nummernschild. Damit ist es als „fahrbare Arbeitsmaschine“ ausgewiesen, und eine Menge Arbeit hat der mit Technik gespickte Wagen in der Tat zu verrichten. Er ist mit Spezialkameras ausgestattet, die 425 Kilometer Hauptkanal und Hausanschlüsse auf unterschiedlich großen Untersätzen durchfahren. Sie sind auf der Suche nach Schadstellen im System und liefern hochauflösende Bilder in HD-Qualität in den Innenraum des Wagens. Manfred Meßling ist begeistert. Der Kanal-inspekteur bekommt im neuen Wagen ein Rundum-Paket an Informationen geliefert.

Die Anschaffung des Einsatzwagens ist kein Selbstzweck, er ist die technische Basis, um Auflagen und Anforderungen zu erfüllen. „Wir haben die gesetzliche Verpflichtung, die Kanäle zu inspizieren. Dafür gibt es Zeitvorgaben, die wir erfüllen müssen. Diesen Anspruch erfüllen wir engagiert“, sagt SWW-Geschäftsführer Rainer Hegmann. Daher macht die Investition Sinn, neue Software und modernste Ausstattung fügen die Bilder und Messinformationen zusammen, die nötig sind, um die Vorgaben umzusetzen.

Nach der gesetzlich verordneten Erstbefahrung über zehn Jahre, die von der Regelung zur sogenannten Selbstüberwachung von Abwasseranlagen gefordert worden war, folgte 2006 ebenso verpflichtend eine Zweitbefahrung. Die ist ein auf 15 Jahre angelegtes Langstreckenrennen. Ein ambitioniertes Unterfangen, die SWW sollen jährlich mindestens fünf Prozent der Kanalstrecke untersuchen. Das dauert.

Ulf Heinrich, der Abteilungsleiter Abwassernetze, beschreibt den Aufwand, den der städtische Ver- und Entsorger leisten muss. Der Kanalinspektionswagen steht zurzeit an der Luisenstraße und am Flamer Weg. Kurz vor seinem Einsatz ist ein Reinigungsfahrzeug unterwegs, es spült im Vorlauf die Rohre frei, um den Kameras ein klares Blickfeld zu verschaffen. Dann tritt Manfred Meßling in Aktion. Er schickt die Kamerawagen in den Untergrund. Bis zu 500 Meter Kabel stehen zur Verfügung, um auch den letzten Winkel abfahren zu können. In die insgesamt 325 Kilometer langen Hauptkanäle kommt größeres Gerät zum Einsatz, in die 100 Kilometer langen, engen Hausanschlüssen die kleinere Satellitenkamera.

Auf den Bildschirmen im Wageninneren hat der Kanalinspekteur alles gestochen scharf im Blick. Auf einer Netzkarte ist in Grün abgebildet, welche Bereiche schon erfasst wurden. Zeigt sich Handlungsbedarf, werden Schäden sofort ausgebessert. Gleichzeitig, und das ist für Techniker besonders interessant, gibt es Daten einer Verlaufs- und Querschnittsmessung. Die zeigen an, ob sich ein Rohr verformt hat. Bei den Stadtwerken wird dies alles ins GIS – das grafische Informationssystem – eingelesen. Zwei Mitarbeiter sind dort dafür zuständig.

Die Luisenstraße, obwohl eher am Rand der Stadt, gilt als Innenstadt, von wo sich der Inspekteur in die engen Straßen der City vorarbeitet. Bewohner und Besucher müssen sich also auf wandernde Baustellen der SWW einrichten. 88 Kilometer Kanalnetz in der „Kernstadt“ plus rund 18 Kilometer Hausanschlüsse werden geprüft. Die Stadtwerke bitten um Verständnis. Halteverbotsschilder werden 72 Stunden vor Baubeginn aufgestellt werden, damit die jeweilige Baustelle befreit von parkenden Autos bleibt.

Fakten:
– Die Jahresleistung bei der Kanalinspektion beläuft sich auf 22 bis 25 Kilometer Kanalnetz.
– Seit 2006 befinden sich die SWW im Befahrungsrhythmus, jetzt mit neuer Technik. Das heißt: Ist die Untersuchung 2023 fertig, geht es direkt von vorne wieder los.
– Untersucht wird jeweils bis zu den Grundstücksgrenzen.

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