„Eltern sollten darauf achten, dass sie ihren Kindern frühzeitig Freude an gesunder Ernährung und Spaß an Sport vermitteln“, fordern Thomas Duchcik und Sabine Lux (Foto: Silvio De Negri)
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Oberhausen. Abnehmen erfordert eine Lebensstiländerung der gesamten Familie

Übergewicht bei Kindern und Jugendlichen sind ein massives Gesundheitsproblem, weil es das Risiko für körperliche und seelische Erkrankungen erhöht. Das gleiche gilt für stark übergewichtige Erwachsene. Denn je länger ein Mensch die überflüssigen Pfunde mit sich herumträgt, desto wahrscheinlicher werden Körper und Seele in Mitleidenschaft gezogen. Die ganzheitliche Adipositas-Therapie behandelt daher die Symptome, also das Übergewicht, als auch die tiefer liegenden Ursachen der Adipositas.

Unsere Kinder bewegen sich zu wenig. Ende Mai 2020 zeigten die Ergebnisse eines sportmotorischen Tests in Mönchengladbachs Grundschulen, dass rund jedes fünfte Kind Förderbedarf hat. Über 60 Prozent der Kinder konnten zum Befragungszeitpunkt nicht schwimmen.

Der Corona-Lockdown hat das Problem verstärkt und immer noch sitzen Kinder zu Hause rum, anstatt sich im Freien zu bewegen. Die digitalen Medien ersetzen das Treffen mit Freunden und elektronische Spiele sind für Eltern und Kinder komfortabler als Spielplätze. Kombiniert mit einer falschen Ernährung hat das dramatische Folgen. Etwa 15 % der Kinder in Deutschland sind übergewichtig, 6 % sogar stark übergewichtig, Experten sagen dazu adipös.

Bereits im Kindes- und Jugendalter kann Übergewicht die Gefahr für körperliche Erkrankungen erhöhen. Hierzu zählen unter anderem Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Probleme mit den Gelenken und Knochen. Darüber hinaus gibt es soziale Probleme: Ausgrenzung, Mobbing und Diskriminierung.

Operationen gegen die Pfunde

Sind Kinder einmal übergewichtig, ist das Risiko erhöht, dass sie als Erwachsene übergewichtig bleiben oder eine Adipositas entwickeln. Die meisten Menschen nehmen im Laufe Ihres Lebens an Gewicht zu. Zwei Drittel der Männer und die Hälfte der Frauen in Deutschland sind aktuell übergewichtig; ein Viertel der Erwachsenen ist sogar adipös.

Immer mehr Menschen lassen sich wegen krankhaften Übergewichts operativ behandeln. Die Zahl der chirurgischen Eingriffe in Nordrhein-Westfalen stieg in den letzten Jahren enorm auf jährlich circa 7.000 Operationen.

Solche OPs sind aber nur scheinbar der einfachste Weg, das Körpergewicht zu reduzieren. Denn die Eingriffe bringen ebenfalls ein ernstzunehmendes Risiko mit sich. Nach einer Adipositasoperation ist eine lebenslange Nachsorge wichtig für den Therapieerfolg. Häufig müssen die Patienten ein Leben lang Verzicht üben und Medikamente einnehmen.

Interdisziplinärer Ansatz beim Abnehmen

Um Krankheiten wie Bluthochdruck, Herzerkrankungen, Schlaganfall und Diabetes zu verhindern oder sogar zu kurieren, finden Betroffene vielerorts professionelle Hilfe. In Oberhausen ist das Adipositaszentrum in der Düppelstraße 45 seit 20 Jahren eine zuverlässige Anlaufstelle. Kürzlich hat eine jüngere Generation das Zepter übernommen und dem Zentrum einen neuen Namen gegeben: „wohl & gesund“.

„Wir möchten damit unsere positive Einstellung betonen. Unsere Patienten haben doch bereits den ersten richtigen Schritt gemacht, wenn Sie zu uns kommen“, erklärt der neue Geschäftsführer Thomas Duchcik. „Sie haben sich für ein neues Leben entschieden und das zeigt der neue Name.“ Der geschäftsführende Ernährungsberater ist ausgebildeter Koch, gelernter Küchenmeister und studierter Ökotrophologe. Seine umfassenden Kenntnisse gerade auf den Gebieten Stoffwechsel, Diätetik und Gesundheitslehre machen ihn zu einem gefragten Experten.

Er weiß, mit FDH und Kalorien-zählen allein ist es nicht getan. Das neue Zentrum verfolgt deshalb einen interdisziplinären Ansatz und Thomas Duchcik hat sich mit Sabine Lux eine Psychologin an Bord geholt. „Wir helfen übergewichtigen Menschen, ihre Lebensqualität zurück zu gewinnen. Dafür reicht es nicht aus, nur die Symptome, also das Übergewicht selber zu betrachten“, meint Sabine Lux.

Keine Traumfigur in drei Wochen

Das mit dem Abnehmen ist nicht so leicht. Jeder, der es schon mal versucht hat weiß, hier ist ein langer Atem und professionelle Hilfe gefragt. Wohl & gesund ist eine der wenigen Einrichtungen in NRW, die sich erfolgreich um stark übergewichtige Kinder und Jugendliche kümmert. „Unser Therapieprogramm speziell für Kinder von acht bis zwölf und Jugendliche von 13 bis 17 Jahren umfasst eine Lebensstiländerung der gesamten Familie. Nur gemeinsam können Kinder und Eltern nachhaltige Erfolge erzielen“, sagt Duchcik.

Viele Krankenkassen unterstützen das Therapieprogramm daher, das sich aus ärztlicher Kontrolle, Kochnachmittagen und Sport zusammensetzt. Regelmäßige Gruppenstunden mit Psychologen und Ernährungstherapeuten gehören ebenso zum Programm. Um das Verhalten und die Ernährung der Kinder und Jugendlichen langfristig zu verändern, ist auch eine Elternschulung wichtiger Bestandteil der einjährigen Therapie.

Auch bei Erwachsenen bekommt jeder Patient eine individuelle Behandlung, abhängig vom Gewicht, Begleiterkrankungen und persönlichen Rahmenbedingungen. Die beiden Geschäftsführer glauben an eine langsame, langfristige Gewichtsverminderung, die individuelle Einzelberatungen einschließt, regelmäßiges Ernährungs- und Verhaltenstraining in der Gruppe sowie praktische Ernährungseinheiten mit Kochen oder Einkaufen. Eine Bewegungstherapie mit Aquafitness oder Walking gehört ebenfalls dazu. Krankenkassen übernehmen bei regelmäßiger Teilnahme einen Teil der Kosten.

Es geht nicht allein um die Bikinifigur

Unsere Therapie basiert auf vier Säulen“, erläutert Sabine Lux. „1. Ernährung: Gemeinsam ändern wir das Ernährungsverhalten und bieten Alternativen. 2. Gespräche: Im Dialog gehen wir den Ursachen der Adipositas auf den Grund. 3. Einstellung: Wohlfühlen ist auch Einstellungssache. Gemeinsam steigern wir das Selbstwertgefühl der Patienten. Und 4. Bewegung: Keine langfristige Gewichtsreduktion ohne Bewegung. Deshalb verbessern wir die Fitness.“

Sabine Lux betreut die psycho-soziologischen Aspekte im Adipositas Zentrum Oberhausen. Essen hat auch etwas mit Lust oder Frust zu tun und berührt damit Gefühle und seelische Erfahrungen in uns. Manchmal sind es Stress, Ärger oder besondere Belastungen, die uns veranlassen, mehr zu essen und unsere guten Vorsätze zu einem gesünderen Leben zu gefährden.

Mit „gesundem Menschenverstand“ untersucht sie die Zusammenhänge der psychologischen Einflussfaktoren der Adipositas und arbeitet mit den Teilnehmern an Verhaltensveränderungen und der Steigerung der Selbstwirksamkeit. „Übergewichtige sind nicht nur schwer – sie haben es auch schwer“, sagt die Psychologin. Stark übergewichtige Menschen leiden nicht nur gesundheitlich, sie vereinsamen auch schneller, sie werden diskriminiert und stigmatisiert. Insbesondere Depressionen tauchen häufig gemeinsam mit Adipositas auf.

Abnehmen für ein glücklicheres Leben

Die meisten Verhaltensweisen rund ums Essen sind tief verwurzelt, da sie oftmals schon seit unserer Jugend etabliert sind. Gruppengespräche mit anderen Betroffenen oder der Psychologin helfen dabei, diese zu erkennen. Gemeinsam mit Ärzten, Fitnesstrainern und Ernährungsexperten suchen sie nach Wegen, die Verhaltensmuster nachhaltig und langfristig zu ändern.

Wer seinen inneren Schweinehund überwindet, wird merken, dass körperliche Bewegung die Selbstheilungskräfte des Körpers ankurbelt. Viele chronische Erkrankungen lassen sich mildern und heilen. Neben einer verbesserten Belastbarkeit im Alltag hellt sich bei den meisten Betroffenen auch das Gemüt spürbar auf. Wenn sich dann auch noch die Kleidergröße ändert und der Hosenbund nicht mehr zwickt freuen sich Thomas Duchcik und Sabine Lux gemeinsam mit den Betroffenen über ein glücklicheres und längeres Leben.

InfoKlick: http://wohlgesund.de/

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