Online-Glücksspiele und -Wetten boomen. Betroffene Spieler und Angehörige können sich bei der Suchtberatung Kontakt-Rat-Hilfe Viersen e.V. und bei der Schuldnerberatung des Caritasverbandes informieren (Foto: kohle-weg.de)
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Kreis Viersen. Telefonaktion am Mittwoch

Die Corona-Pandemie wirkt sich auch auf das Thema Glücksspiel aus: Spieler greifen vermehrt auf Online-Casinos zu. Die Suchtberatung Kontakt-Rat-Hilfe Viersen e.V. und die Schuldnerberatung des regionalen Caritasverbandes unterstützen Betroffene.

„Seit einiger Zeit wenden sich immer mehr Menschen an uns, die sich als online-spielsüchtig bezeichnen“, berichtet Dietmar Lufen von der Suchtberatung Kontakt-Rat-Hilfe in Viersen. Weil Spielhallen und Wettbüros wegen Corona zeitweise geschlossen waren, seien viele Klienten auf Online-Casinos ausgewichen. Das virtuelle Glücksspiel sei oft mit einem enormen Kontrollverlust verbunden, sagt Lufen: „Online-Casinos sind über Smartphone oder Computer rund um die Uhr zugänglich, die Einsätze werden etwa über Kreditkarte und E-Wallet bezahlt. Manche Spieler berichten uns, dass sie hohe drei- bis vierstellige Beträge verzockt haben – in einer Nacht.“

Was für die Betreiber ein (außer in Schleswig-Holstein nach wie vor illegales) Milliardengeschäft ist, birgt ein enormes Suchtpotenzial bis hin zum finanziellen Ruin. „Nutzer von Online-Casinos weisen viel häufiger ein problematisches oder pathologisches Glücksspielverhalten auf als andere Spieler“, erläutert Anne Geerlings, Beauftragte für Glücksspielsucht bei der Suchtberatung Kontakt-Rat-Hilfe.

Insgesamt geht nach Angaben der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung rund eine halbe Million Menschen problematisch bis krankhaft mit Glücksspiel um. Hinzu kommen Partner, Kinder, Eltern oder Freunde, die ebenfalls betroffen sind und unter dem Glücksspiel leiden. Glücksspielsucht führe fast immer in die soziale Verelendung, betont Anne Geerlings: „Viele Spieler überschulden sich, verlieren Wohnung, Arbeitsplatz und Familie, vereinsamen oder werden depressiv bis hin zum Selbstmord.“ Besonders gefährdet seien junge Männer. Aber es gebe Hilfen, etwa eine Therapie.

Für Betroffene und ihre Angehörigen bieten die Suchtberatung und der Caritasverband nun eine Telefon-Beratung an. Am Mittwoch, 30. September, dem bundesweiten Aktionstag gegen Glücksspielsucht, stehen erfahrene Berater zwischen 15.00 und 17.00 Uhr für telefonische Informationen zur Verfügung. Bei der Suchtberatung Kontakt-Rat-Hilfe sind Anne Geerlings (02162-951110) und Dietmar Lufen (02162-951123) erreichbar, bei der Schuldnerberatung des Caritasverbandes für die Region Kempen-Viersen kann Franz-Peter Steeger zum Thema Schulden unter 02162-93893561 angerufen werden. „Wenn überschuldete Klienten zu uns kommen, bei denen eine Suchtproblematik im Raum steht, arbeiten wir stets mit der Suchtberatung Kontakt-Rat-Hilfe zusammen“, erklärt Franz-Peter Steeger.

Auch unabhängig vom Aktionstag am Mittwoch, 30. September, kann man sich in der Hauptstelle der Suchtberatung in Viersen-Dülken sowie in den Außenstellen in Willich, Nettetal und Kempen kostenlos und anonym informieren und beraten lassen. Darüber hinaus bietet der Verein eine professionelle Begleitung zum Ausstieg aus der Sucht an.

 

Kontakte: Suchtberatung Kontakt-Rat-Hilfe Viersen e.V., Kreuzherrenstr. 17-19, 41751 Viersen, Tel. 02162-95110, zentrale@krh-online.de, www.krh-online.de

Schuldner- und Insolvenzberatung des Caritasverbandes für die Region Kempen-Viersen, Heierstr. 17, 41747 Viersen, Tel. 02162-93893561, f-p.steeger@caritas-viersen.de, www.caritas-viersen.de

 

Über die Suchtberatung Kontakt-Rat-Hilfe:

Seit 1973 kümmert sich der Verein Suchtberatung Kontakt-Rat-Hilfe Viersen e.V. um Menschen mit Suchterkrankung und deren Angehörige. Als einziger Träger im Kreis Viersen bietet er Hilfe und Unterstützung für alle Formen von Sucht und ist für das gesamte Kreisgebiet zuständig. Hauptsitz des Vereins ist das Haus Kreuzherrenstraße 19 in Viersen-Dülken, Außenstellen gibt es in Nettetal, Willich und Kempen. Der Verein unterhält zudem mehrere ambulant betreute Wohngemeinschaften. Er beschäftigt mehr als 40 hauptamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

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