(Foto: privat)
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Duisburg. „Ohne die begleitende Hilfe hätten wir das nicht geschafft“

Große Wiedersehensfreude, aber auch eine gehörige Portion Stolz auf die eigene Leistung – das waren die emotionalen Zutaten einer fröhlichen Absolventenparty, zu der am vergangenen Freitag, 24. September die Duisburger Werkkiste in ihren Garten an der Dahlstraße geladen hatte. Siebzehn junge Frauen und Männer feierten an diesem Tag den erfolgreichen Abschluss ihrer Berufsausbildung im vergangenen Sommer. Daran hatten viele ein paar Wochen vorher nach dem Ende des Lockdowns schon gar nicht mehr zu hoffen gewagt. Dass sie das geschafft haben, war nicht nur ihrem Fleiß und Ehrgeiz zu verdanken, sondern auch der vom Jobcenter und der Agentur für Arbeit finanzierten sogenannten „ausbildungsbegleitenden Hilfe“ (abH) der Duisburger Werkkiste. Denn diese Möglichkeit der intensiven Nachhilfe hatten die Absolventen im Laufe ihrer Ausbildung und vor allem in den Wochen vor den Prüfungen intensiv genutzt.

„Ohne die Lehrer und Sozialpädagogen hier in der Werkkiste hätte ich die Prüfung ganz bestimmt nicht bestanden“. Das war einhellige Meinung aller Absolventen des Jahrgangs 2020. Dabei konnten ihre Ausbildungsberufe unterschiedlicher gar nicht sein: Von der Köchin über kaufmännische Berufe bis hin zum Lagerlogistiker war alles dabei. Zum Beispiel Lea Stieber, seit Juli fertig ausgebildete Kauffrau im Gesundheitswesen. Sie ist voll des Lobes für die Betreuung, die sie in der Werkkiste erfahren hat. „Die waren immer für einen da, auch kurzfristig und wenn nötig jeden Tag“, berichtet sie. Das kann Celina Appel nur bestätigen. Für sie war das begleitende Lernen in der Werkkiste ganz entscheidend für ihren guten Abschluss. „Ich habe erst hier den Spaß am Lernen entdeckt. Das lag ganz klar daran, wie mir hier alles erklärt wurde. Da habe ich das dann auch verstanden und war viel motivierter weiterzulernen“, bedankt sich die frisch gebackene Kauffrau für Büromanagement. Auch die gelernte Köchin Jasmin Stadler kann von einer schönen Erfolgsgeschichte berichten. Sie kennt die Duisburger Werkkiste schon etwas länger. Denn sie war schon vor ihrer Ausbildung Teilnehmerin bei der Werkkiste. Damals machte sie mit im Programm AsA (Assistierte Ausbildung). Das heißt, sie wurde über ein halbes Jahr bei ihrer Suche nach einem Ausbildungsplatz unterstützt und erhielt anschließend ab dem Ausbildungsbeginn sogenannten Stütz- und Förderunterricht. Jetzt ist sie fertig ausgebildete Köchin und sichtlich mit sich, der Welt und ihrem Beruf im Reinen.

Ausbildung war nicht immer einfach – schon gar nicht in Zeiten von Corona

Was alle siebzehn Absolventen des Abschlussjahrgangs 2020 gemeinsam haben, das ist die Erfahrung: Corona hat alles heftig durchgeschüttelt. Spätestens im Februar wurden sie alle kräftig in ihrem Eifer ausgebremst, auch den schulischen Teil ihrer Ausbildung möglichst gut unter Dach und Fach zu bekommen. Die praktische Ausbildung lief zwar weiter, aber der schulische Teil kam fast gänzlich zum Erliegen. Denn nach dem Lockdown war auch hier digitales Lernen angesagt, ein Zusammenkommen in den bis dahin so gut eingespielten Kleingruppen und der persönliche Kontakt zu den Lehrkräften und Sozialpädagogen der Werkkiste unmöglich. Ab da wurde es schwierig.

„Nicht jeder kommt gut mit dem digitalen Lernen zurecht. Wir hatten hier zwar mit, Denis Nemirovsky, einem unserer Abschluss-Kandidaten, einen regelrechten Profi im digitalen Lernen, aber andere hatten große Schwierigkeiten damit“, berichtet Sozialpädagogin Ramona Bugl. „Wir haben versucht, was ging und zunächst in einem ersten Schritt dafür gesorgt, dass wir für unsere Teilnehmer wenigstens per Telefon verlässlich erreichbar blieben“, erinnert sich Alexander Gwosch, Koordinator der Lehrkräfte bei der Duisburger Werkkiste. „Dann haben wir angefangen, digital Lernmaterial zu verteilen, über das wir uns dann wieder per Telefon mit den Teilnehmern ausgetauscht haben. Aber das Lernen in den Kleingruppen, wo jeder jedem hilft, hat das nicht ersetzt.“

Als dann im Mai endlich wieder persönliche Treffen vor Ort möglich wurden, war das für viele zwar eine große Erleichterung, aber es zeigte sich auch: Der Lockdown hatte für den Lernerfolg gravierende Folgen. Denn es taten sich große Lücken hinsichtlich notwendigen Prüfungswissens bei den Teilnehmern auf. Der Grund: Prüfungsrelevante Themenfelder waren aufgrund fehlenden Präsenzunterrichts in den Schulen nicht behandelt worden. Jetzt ging es nicht nur um Nachhilfe, sondern um Vermittlung von fehlendem Prüfungswissen. „Das verlangte unseren Teilnehmern, aber auch unseren Lehrkräften einiges ab. Dass die siebzehn das so gut geschafft haben, darauf können sie stolz sein. Die sind dafür teilweise täglich nach der Arbeit hierhergekommen und haben uns gezeigt: Wir wollen lernen. Und sie haben es geschafft“, erinnert sich Werkkisten-Leiter Norbert Geier.

Auch Abt Albert Dölken, der katholischen Jugendberufshilfe Duisburger Werkkiste als Pfarrer von St. Johann aus Duisburg-Hamborn und als Gründungsmitglied des Trägervereins schon seit Jahren eng verbunden, gratulierte den diesjährigen Absolventen. „Was für ein vorbildliches Engagement von allen Seiten für Eure berufliche Zukunft“, rief er den Absolventen zu. Ihm imponiere vor allem die gute Zusammenarbeit von Lernenden und Lehrenden in den Lerngruppen: „Hier hilft jeder mit seinen eigenen Stärken dem anderen in seinen Schwächen – was für ein schönes Beispiel gelebter christlicher Nächstenliebe und Solidarität.“

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