Pfarrerin Süselbeck am Schlagzeug in der evangelischen Kirche Obermeiderich (Foto: Reiner Terhorst)
Anzeige

Duisburg. Corona-Zeiten sind auch Zeiten der aufgeschobenen Ereignisse. Diese nicht gerade motivierende Erfahrung hat auch Sarah Süselbeck machen müssen. Seit dem 1. März bereits als Pfarrerin in der Evangelischen Kirchengemeinde Obermeiderich tätig, wurde sie erst am letzten Sonntag offiziell in ihr Amt eingeführt, und zwar dort, wo sonst ganz großes Kino läuft.

Überall in Duisburg gab es lange Zeit überhaupt keine Gottesdienste. Dann wurden die Kirchen dafür wieder schrittweise geöffnet, allerdings mit drastisch eingeschränkten Besucherzahlen. Da waren Ideen und Kreativität gefragt. Die hat die Obermeidericher Gemeinde gehabt. Im Open-Air-Kino im Landschaftspark Nord lief ein Film der besonderen, der persönlichen Art. In einer seiner letzten Amtshandlungen vor dem Ruhestand hat Superintendent Armin Schneider nun Sarah Süselbeck im wahren Sinn des Wortes den Segen für ihre künftige Arbeit erteilen können. Unter Einhaltung aller Corona-Schutzmaßnahmen konnten „halt einige liebe Menschen mehr daran teilhaben, als es in der Obermeidericher Kirche an der Emilstraße möglich gewesen wäre“, sagt die 40-jährige dankbar. Überhaupt sind es die Menschen, die bei Sarah Süselbeck im Mittelpunkt ihres Handelns stehen. „Den engen Kontakt aufgrund der Corona-Pandemie vermisse ich schon“, sagt sie. Aber es gibt halt Möglichkeiten, schrittweise eine persönliche, menschliche Bindung und Verbindung aufzubauen. Viel geholfen hat ihr Pfarrer Michael Schurmann, der Ende des Jahres in den Vorruhestand geht. Dann ist sie alleine, ohne allein zu sein, denn das im März neugewählte Presbyterium, dessen Vorsitzende sie inzwischen ist, weiß sie an ihrer Seite. In Obermeiderich schätzt die Mutter zweier Kinder das Miteinander auf Augenhöhe, voller Respekt und Menschlichkeit.

Sarah Süselbeck blickt zurück: „Obermeiderich und ich haben uns nicht gesucht, aber gefunden.“ Sie fühlt sich „willkommen bei Freunden“. Bei ihren, wie sie schmunzelnd gesteht, „manchmal verrückten Ideen“ sagt das Presbyterium nicht sofort nein, sondern hört zu und fragt nach: „Wie stellst Du Dir das vor?“ Und nicht selten werden dann ihre Ideen in die Tat umgesetzt. Sie will „Dinge anpacken und tatkräftig zupacken“.
Das hat sie schon immer gemacht. Und zwar nahezu in der gesamten Stadt. Sarah Süselbeck ist gebürtige Walsumerin. Ihr Vikariat und ihre erste Anstellung hatte sie in der Gemeinde Trinitatis in Wedau. Danach war sie an der Salvatorkirche in der Gemeinde Alt-Duisburg tätig, bevor sie Schulpfarrerin am Meidericher Max-Planck-Gymnasium wurde. „Das habe ich gerne gemacht, aber mir fehlte doch das Gemeindeleben“, freut sie sich über die große Vielfalt ihrer künftigen Aufgaben.
Neben den bisherigen unterschiedlichen Angeboten in ihrer Gemeinde hat sie schon „neue Formate“ auf den Weg gebracht. Es wird, wenn Corona es zulässt, in absehbarer Zeit einen neuen „Lob-Preis-Gottesdienst“ geben, in dem viel gesungen wird. Statt eines klassischen Kinder-Gottesdienstes steht künftig ein monatlicher Kindermorgen an. „Wir werden das alles in der Gemeinde und mit der Gemeinde gemeinsam gestalten“, sagt die Team-Playerin, die die Gemeindearbeit lebt und liebt. Da bleibt neben Arbeit und Familie gar nicht so viel Zeit für private Hobbies: „Ich gehe gerne ins Kino und betätige mich gern im Garten.“

Sarah Süselbeck hat die Zukunft ihrer Kirche fest im Blick und bringt sich daher auch in der Region Duisburg-Nord engagiert ein. Dort, wie auch in der Gesamtstadt, werden die Gemeinden aufgrund der demografischen Entwicklung näher zusammenrücken müssen, in welcher Organisationsstruktur auch immer. Die Pfarrerin will ihren Beitrag dazu leisten. Sie ist halt „unterwegs im Auftrag des Herrn“. Bei dieser Bemerkung lacht Sarah Süselbeck laut auf und erinnert sich an eine Begebenheit am 21. Dezember 2012. Kurz vor Weihnachten bekam sie da ihr erstes eigenes Auto. Nach langer Wartezeit bei großem Andrang hatte die bereits genervte Sachbearbeiterin in der überfüllten Zulassungsstelle ihr Wunschkennzeichen mit der Bemerkung „schon vergeben“ abgelehnt. Sarah Süselbeck zog kurzerhand ihre pinkfarbene Bibel aus der Tasche. Da hatte sie sich einige Bibelverse markiert. „Ich hätte gerne DU-LK 531“. Auch vergeben, aber LK 532 war frei. Gebont. Seitdem ist sie sichtbar unterwegs im Namen des Herrn, denn  LK 532 steht für das Lukas-Evangelium, Kapitel 5, Vers 32.

Beitrag drucken
Anzeigen