So realistisch wie möglich: Die Puppen im neuen Simulationszentrum helfen den Schülern der St. Elisabeth Akademie bei der Ausbildung (Foto: © St. Augustinus Gruppe)
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Neuss. Simulationszentrum der St. Elisabeth Akademie in Betrieb genommen

Der Puls steigt – nicht nur bei der Simulationspuppe, die aussieht, wie die echte Bewohnerin einer Senioreneinrichtung. Wenn die Puppe durch einen Lautsprecher laut um Hilfe ruft und sich ihre Herzfrequenz spürbar erhöht, dann bedeutet das auch für Celina Utzerath Stress. Die 19-jährige Altenpflegeschülerin soll möglichst richtig auf die „Seniorin aus Silikon und Technik“ im Simulationszentrum reagieren. Hinter einer dunklen Glasscheibe steht die Ausbilderin und bedient mittels eines Tablets die Puppe: Sie gibt den Blutdruck vor und die Atemfrequenz, programmiert den Puls und verleiht der künstlichen Bewohnerin im Nebenraum eine Stimme. Celina Utzerath macht alles richtig, die Übung kann erfolgreich beendet werden. Die Auszubildende ist erleichtert, aber auch froh über die Möglichkeit, hier im Simulationszentrum der St. Elisabeth Akademie in Neuss üben zu können: „Man lernt sehr viel dazu mit solchen Puppen. Sie atmen und sprechen. Das ist definitiv etwas anderes.“ Besonders gefallen der Altenpflegeschülerin im zweiten Lehrjahr die Taststellen für den Puls und dass sie üben kann, unter die – künstliche – Haut zu spritzen. „Das ist hier sehr realistisch“, sagt Celina Utzerath, und ihr Mitschüler Malte Wittke ergänzt: „Man kann bei den Puppen im Demonstrationsraum sogar Katheder wechseln. Das ist echt Wahnsinn! Die sind einfach richtig realitätsnah.“

Das Simulationszentrum der St. Elisabeth Akademie ist eine Besonderheit in der Region: Normalerweise haben nur Uni-Kliniken solche Zentren, und dann auch nur für Mediziner oder Rettungsdienste. Hier aber stehen auf 200 Quadratmetern die angehenden Gesundheitsfachleute im Mittelpunkt. Es gibt ein nachempfundenes Seniorenheim-Zimmer, die Mehrbettzimmer eines Krankenhauses, einen Schockraum und ein Dienstzimmer. Dazwischen liegt der Regieraum mit Einwegspiegeln. Das ist der Platz für die Planerin und Projektleiterin Tanja Matyssek. „Jeder kann hier so oft trainieren, bis er sich sicher fühlt“, sagt sie. „Wir steigern die Anforderungen entsprechend dem Ausbildungsstand: von ersten Handgriffen über komplette Abläufe und die Dokumentation bis hin zur Rundumversorgung einer Person. Dann kommt die Stresssituation. Das ist ein gutes Training für die Praxis.“

Sehr praxisnah, aber auch sehr personalintensiv: 60 bis 80 Stunden pro Jahr übt jeder Azubi der St. Augustinus Gruppe und der anderen Gesellschafter der St. Elisabeth Akademie sowie ihrer Kooperationspartner im Simulationszentrum. Doch der Einsatz lohnt sich, ist Schulleiterin Monika Huth überzeugt: „Das Üben in sicherer Umgebung fördert noch einmal die Patientensicherheit. Wir sind sehr stolz, dass wir die Möglichkeiten und so engagierte Mitarbeitende haben – und dass es bei den Azubis auch so gut ankommt.“ In den kommenden Wochen wird zur Besprechung der Einsätze an den Puppen auch noch eine Audio- und Videoanlage installiert. Dann hat die St. Elisabeth Akademie an ihren beiden Standorten Neuss und Düsseldorf knapp 300.000 Euro in die realitätsnahen Simulationsszenarien investiert. „Kein Wunder, dass inzwischen auch schon andere Schulen angefragt haben und sich unser Zentrum anschauen wollen“, freut sich Monika Huth.

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