Stephan Balkenhol, Pfau, 2018 © VG Bild-Kunst, Bonn 2020, Foto Studio Balkenhol.jpg

Duisburg. Alltäglich und doch einzigartig sind die Figuren, mit denen der deutsche Bildhauer Stephan Balkenhol (*1957) weltberühmt geworden ist. Es gibt wohl kaum einen anderen zeitgenössischen Künstler, dem es gelungen ist, so prägnante und unverwechselbare plastische Werke zu schaffen. Balkenhols ikonische Figuren eines Mannes mit weißem Hemd und schwarzer Hose haben ihn weit über die Landesgrenzen hinaus bekannt gemacht.

Die Ausstellung im Duisburger Lehmbruck Museum ist mit mehr als 200 Exponaten die größte Museumsausstellung Stephan Balkenhols in Deutschland seit 2008. Mit zahlreichen Werken, die der Öffentlichkeit in der Regel nicht zugänglich sind, spannt sich die umfassende Werkschau von den frühen Arbeiten aus dem Jahr 1990 bis in die Gegenwart. Anhand von Skulpturen, Reliefs, Gipsmodellen und Zeichnungen beleuchtet das Lehmbruck Museum vor allem die geistes- und kulturgeschichtlichen Bezüge in Balkenhols Werk. Schon seit seiner Anfangszeit beschäftigt er sich in seinen Arbeiten immer wieder mit der griechischen Mythologie, ihren Erzählungen und Bilderwelten. Dabei stehen jedoch nicht die Allmacht und Unsterblichkeit der Götter im Vordergrund, sondern ihre menschlichen Aspekte, ihre Dramen und vor allem ihr Scheitern. Balkenhol greift auf Bildmotive zurück, die Künstler*innen der verschiedenen Epochen über Jahrhunderte hinweg beschäftigt und herausgefordert haben.

Stephan Balkenhol sägt, haut und schnitzt seine Skulpturen unter großem körperlichen Einsatz aus Holz. Seine Figuren stellen die charakteristischen Spuren der Holzbearbeitung offen zu Schau, Splitterungen und Furchen im Holz treten zutage. „Unser Blick bleibt förmlich an den Spänen und Unebenheiten hängen”, so Dr. Söke Dinkla, Direktorin des Lehmbruck Museums. „Wir spüren die Hand des Künstlers, die körperliche Arbeit, das handwerkliche Können, das die Figur hervorgebracht hat. Das non-finito, die scheinbare Unfertigkeit der Skulptur, ist genau kalkuliert.” Balkenhols Werke bilden Leerstellen, die die Betrachter*innen ermutigen, das Unvollendete in ihrer Vorstellungskraft fertigzustellen und zu vollenden.

Die Werkschau im Lehmbruck Museum ist in enger Zusammenarbeit mit dem Künstler entstanden. Ein besonderer Höhepunkt ist eine Werkgruppe von Kopfskulpturen, die eigens für die Duisburger Ausstellung gefertigt wurde und nun erstmals präsentiert wird.

Begleitend zur Ausstellung erscheint ein Katalog mit Texten von Dr. Söke Dinkla, Heinz-Norbert Jocks und Ronja Friedrichs, 120 Seiten, 70 farbige Abbildungen, zum Preis von 29,80 € im Schirmer/Mosel Verlag München.

 

Der Künstler

Porträt Stephan Balkenhol (Foto: Kathrin Balkenhol)

Stephan Balkenhol wurde 1957 im nordhessischen Fritzlar geboren. Er lebt und arbeitet in Kassel, Karlsruhe, Berlin und im französischen Meisenthal. Von 1976 bis 1982 studierte er an der Hochschule für bildende Künste in Hamburg, unter anderem bei Ulrich Rückriem. Seit 1983 zeichnet sich Balkenhols Werk durch das Bestreben des Künstlers aus, die figurative Skulptur neu zu begründen. Nach Lehraufträgen an der Hochschule für bildende Künste in Hamburg und an der Städelschule in Frankfurt am Main lehrt er seit 1992 als Professor für Bildhauerei an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe.

Zu den wichtigen Einzelausstellungen Balkenhols der letzten Jahre zählen: Von der Heydt-Museum, Wuppertal (1998), Sprengel Museum, Hannover (2003), National Museum of Contemporary Art, Osaka, sowie Tokyo Opera City Art Gallery (2005), Staatliche Kunsthalle Baden-Baden (2006, anschließend: Museum der Moderne Salzburg und MKM Museum Küppersmühle für Moderne Kunst, Duisburg), Deichtorhallen Hamburg (2008/09), Musée de Grenoble (2010/11), Kunstmuseum Ravensburg (2014), Moscow Museum of Modern Art (2016), Centro de arte contemporáneo de Málaga und Kunsthalle Emden (2018), Museum für Sepulkralkultur, Kassel (2019), Museum Jorn, Silkeborg (2020).

Balkenhols Werke sind in zahlreichen privaten und öffentlichen Sammlungen weltweit vertreten. Für den öffentlichen Raum realisierte er unter anderem: Man with Fish, Chicago (2000), Four Large Figures, San Francisco (2005), Giraffenmann, Straßburg (2006), Sphaera, Salzburg (2007), Balanceakt, Berlin (2009), Sempre più …, Forum Romanum, Rom (2009), Mann im Turm, St.-Elisabeth-Kirche, Kassel (2012), Denkmal für Richard Wagner, Leipzig (2013) und Denkmal für Jean Moulin, Metz (2014), Mann mit Rose, Neuss (2017), Mann auf Seepferdchen, Waiblingen (2018), und Mann mit Füllhorn, Sneek (2018). Zuletzt schuf Balkenhol den Mann mit Hochhaus, Toronto (2019) und den Mann mit Möwenkopf, Le Havre (2020).

Stephan Balkenhol wurde 1990 mit dem Bremer Kunstpreis ausgezeichnet. Frankreich würdigte ihn 2014 mit dem Ordre des Arts et des Lettres. 2016 wurde ihm die Ehrenmitgliedschaft der Akademie der Russischen Künste verliehen.

 

Stephan Balkenhol

22. Oktober 2020 bis 28. Februar 2021

Lehmbruck Museum
Düsseldorfer Str. 51
47051 Duisburg
https://lehmbruckmuseum.de/de/

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