Nach dem feierlichen Gottesdienst schloss Weihbischof Karl Borsch das Pilgerportal der Kevelaerer Marienbasilika (Foto: Bischöfliche Pressestelle/Gottfried Evers)
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Kevelaer. Wallfahrtszeit in Kevelaer endet traditionell am 1. November

Mit einem festlichen Gottesdienst ist die diesjährige Wallfahrtszeit in Kevelaer zu Ende gegangen. Am Ende der Feier schloss der Aachener Weihbischof Karl Borsch das Pilgerportal der Marienbasilika des niederrheinischen Wallfahrtsortes symbolisch mit einem goldenen Schlüssel. Aufgrund der Corona-Pandemie wurde das Portal erstmals von innen und nicht von außen geschlossen. Verbunden war die Zeremonie mit der Bitte an Gott, dass er den Menschen in den kommenden Monaten beistehe, die Pandemie zu überwinden. In der Kirche selbst durfte nur eine begrenzte Anzahl an Gemeindemitgliedern mitfeiern, Wallfahrtsrektor Gregor Kauling hieß in seiner Begrüßung daher auch ausdrücklich die Gläubigen willkommen, die den Gottesdienst am Fernseher, Radio oder im Internet mitfeierten.

In seiner Predigt ging Weihbischof Borsch auf die Bedeutung des Festes Allerheiligen ein, mit dem traditionell am 1. November die Wallfahrtszeit endet. Heiligkeit, betonte Borsch, sei kein Privileg und keine moralische Kategorie. „Jeder Mensch, der mit Gott verbunden ist, ist heilig“, sagte der Weihbischof. Heiligkeit sei eine Berufung von Gott her, „Gott heiligt uns“. Das habe Konsequenzen für den Alltag und das Leben: „Heilige sind Menschen, die nicht zwiespältig sind, nicht ,mal so, mal so‘, sondern ungeteilt, einfach, konsequent im Glauben und im Leben“. Jeder kenne Menschen in seiner Nähe, für die das gelte und in deren Nähe man sich wohl fühle.

Die Heiligkeit von Gott her dränge den Christen dazu, die Welt und den Alltag im Geist Gottes zu gestalten und so zu heiligen, „das Leben in all seinen Dimensionen“, erklärte Borsch. Es gelte, alles zuerst auf Gott und nicht auf sich selber zu beziehen. Wer so den Alltag heilige, der entdecke auf Schritt und Tritt die Gegenwart Gottes und eine neue Dimension tue ich auf. Viele Menschen würden sich nach dieser anderen Dimension und der Berührung mit Gott sehnen, „das erleben Sie hier Tag für Tag in Kevelaer“, sprach der Weihbischof die Gemeinde an. In Kevelaer würden Menschen, die mit ihren Sorgen und Nöten kommen, Trost erfahren im Gebet und der Begegnung mit dem Heiligen. Gerade „in diesen bewegten Zeiten, in denen wir leben“, gebe es wieder eine stärkere Sehnsucht nach der Begegnung mit Gott.

Borsch bat die Gläubigen, den Menschen, denen sie begegnen, die Nähe Gottes zu schenken. „Bringen Sie die Alten und die Kranken, die Einsamen und die Traurigen mit Gott in Berührung, nehmen Sie sie mit ins Gebet und zeigen Sie ihnen, dass sie nicht alleine sind“, forderte der Weihbischof. „Das Fest Allerheiligen erinnert uns daran, dass wir berufen sind, als Heilige zu leben, ungeteilt und ganz, dass wir den Alltag heiligen und die Menschen, die uns begegnen“, erklärte er.

20 Bischöfe aus fünf Nationen waren in diesem Jahr in Kevelaer zu Gast, wie Wallfahrtsrektor Kauling im Anschluss an den Gottesdienst sagte, aufgrund der Pandemie seien nur rund ein Drittel der sonst üblichen Pilger nach Kevelaer gekommen. „Es war ein Jahr der Herausforderung“, sagte Kauling und bedankt sich bei allen Helferinnern und Helfern, die es in den vergangenen Monaten durch ihren Einsatz möglich gemacht hatten, dass unter Pandemie-Bedingungen die Wallfahrt stattfinden konnte. Zudem erinnerte er an den in diesem Jahr verstorbenen, langjährigen Wallfahrtsrektor Richard Schulte Staade, „ohne ihn würde Kevelaer ganz sicher nicht so aussehen, wie es das heute tut“, würdigte Kauling seinen Amtsvorgänger.

Zentrales Thema der Wallfahrt 2021 wird „Atme in uns, Heiliger Geist“ sein, erklärte Kauling. „Das brauchen wir buchstäblich, neuen Atem zum Leben, aber wir brauchen als Kirche in dieser Zeit eine Neuorientierung, eine Unterscheidung der Geister, wohin Gott uns in dieser Zeit führen möchte“, erklärte er. „Vielleicht werden wir erstaunt sein, dass der Wandel nicht nur uns persönlich gut tun, sondern auch der Institution Kirche, wenn wir eines Tages durch diese Krise hindurchgegangen sind“, sagte Kauling.

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