v.l. Weezes Bürgermeister Georg Koenen und Achivarin Birgit Kranepuhl freuen sich gemeinsam mit Gerd Halmanns über den neuerschienen Geldrischen Heimatkalender 2021, in dem u. a. über die wechselvolle Geschichte der Gemeinde Weeze berichtet wird (Foto: privat)
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Kreis Kleve. Wie jedes Jahr ist auch der dieser Tage erscheinende Geldrische Heimatkalender eine wahre Fundgrube zur Geschichte, Kultur oder Kunst der Region. In 40 Artikeln mit annähernd 300 Abbildungen, vielfach das erste Mal überhaupt der Öffentlichkeit gezeigt, beschäftigt sich der diesjährige Heimatkalender mit der Geschichte, Kunst, Natur und Kultur unserer Heimat. Wie üblich, steht mit Weeze eine Gemeinde besonders im Fokus, diesmal die nördlichste des Gelderlandes. Dem wie jedes Jahr von zahlreichen Autorinnen und Autoren und der Redaktion gemeinsam konzipierten Heimatkalender konnte also auch die aktuell grassierende Corona-Pandemie nichts anhaben.

Die wechselvolle Geschichte Weezes, vor allem vor dem Hintergrund der vielgestaltigen Veränderungen der letzten Jahre, schildert Michael KLATT, darunter natürlich die erfreulichen Entwicklungen der jüngeren Vergangenheit. Viel weiter zurück reicht der Beitrag der Archäologinnen Marion BRÜGGLER und Julia RÜCKER, die neueste Erkenntnisse zur eisenzeitlichen und römischen Besiedlung in Vorselaer präsentieren. Faszinierende Aspekte eines lebendigen Weeze voller Tradition vermitteln die Fotoserien von Joachim SCHULZ, Bruno und Dirk LANGER sowie Wolfgang LIETZOW. Eine aufschlussreiche Außensicht auf das niederrheinisch-katholische Milieu der Stadt bietet die Schul- und Ortschronik eines Ende des 19. Jahrhunderts von Schlesien nach Weeze versetzten Lehrers, wie Gerd HALMANNS darlegt. Jürgen KWIATKOWSKI kann einen weihnachtlichen Gruß aus Schloss Wissen übermitteln, der bereits 1894 entstand, während Günter ABELS die dort und bei Schloss Walbeck zu findenden Esskastanienalleen aus naturkundlicher Perspektive behandelt.

Noch viele Menschen werden sich daran erinnern können, was Beate STURM aufgearbeitet hat: Das drängende Problem des mangelnden Wohnraums nach dem Kriegsende 1945, dessen Auswirkungen bis in die 1960er Jahre hinein spürbar blieben. Gewohnt verlässlich unterrichtet Gisela RODE in ihrer tabellarischen Chronik über besondere Ereignisse des letzten Jahres, dessen Publikationen in der Aufstellung von Elena BUCHHOLZ, Sebastian GUTKNECHT und Lilia WICK zu finden sind und zur vertiefenden Lektüre einladen. Die farbenfrohe Pflanzen- und Tierwelt zwischen Rhein und Maas hat Lucien PIJPER in packenden Momentaufnahmen festgehalten und von Hermann Josef WINDELN erfährt man in Wort und Bild, warum unter anderem Wespen sympathisch und nützlich sind.

Traditionell reichlich ist der Ertrag an Beiträgen zur Archäologie, Geschichte und Kunst des Gelderlandes, zu dem diesmal von mehr als 20 Autorinnen und Autoren beigetragen haben. So fasst Klaus OERSCHKES die neuesten Erkenntnisse zu den in Kervenheim geborgenen Scherben zusammen, während Timo BOLLEN der Bedeutung der Kaiserpfalz in Nimwegen während des Hochmittelalters nachspürt. In neuem ,Lichtʻ erscheint die Planung des Klosters Graefenthal nach den architekturgeschichtlichen Erörterungen von Christian WILTSCH, ebenso ein religiöses Gefäß aus dem Niederrheinischem Museum, dessen vordergründig rätselhafte Funktion Veronika HEBBEN aufzeigen kann.

Obwohl bereits wiederholt untersucht und vielfach bestaunt, gelingt es Hans Gerd DORMAGEN, der bekannten Grabplatte der Katharina von Geldern aus einem wahrlich neuen ,Blickwinkel‘ bisher unbekannte Einzelheiten zu entlocken. Die mächtigen Orgeln von St. Dionysius in Nieukerk behandelt der musikgeschichtliche Artikel von Niklas HUTH, die Bedeutung der hiesigen Sgraffiti-Kunst erklärt der Kunsthistoriker Peter LINGENS. Was die Wettener St. Petrus-Bruderschaft mit einem Silberschatz zu schaffen hatte, erläutert Dennis HARTJES, und wie aus einem Hahn einen Drache werden konnte, kann man dem Beitrag von Theo SIEBEN entnehmen, der von einem mundartlichen Artikel aus der Feder von Hubertus JANSSEN flankiert wird.

Ralf HENDRIX skizziert das Leben und Wirken des einflussreichen Unternehmers Reinhard Willemsen, ein Porträt des vielseitigen Künstlers Klaus Nisters steuert Hans-Josef DAHLEN bei. Otto WEBER wiederum gelingt es, anhand Straelener Sonderstempel stadtgeschichtliche Wegmarken der Nachkriegszeit zu visualisieren, während Theo MÄSCHIGs Darstellung der Geschichte einer Gaststätte in Schaephuysen-Lind begreiflich macht, wie aus einem ,Fuchs‘ ein ,Fuchsbau‘ werden konnte. Welche Auswirkungen das ,Neue Bauen‘ der 1920er und 1930er Jahre auch in kleinen niederrheinischen Ortschaften zeitigte, führt Johanna KLÜMPEN-HEGMANS am Beispiel Aldekerks aus.

Nicht nur Erfreuliches haben Jost Begrich zum Gelderner Giebelkreuz und Hans Dieter BONNEKAMP zum St. Josef-Hospital in Issum zu berichten. Paul LAMBERT wirft einen frischen Blick auf ein Kanalprojekt zwischen Niers und Maas, desgleichen Simone FRANK und Markus VEH in ihrer Geschichte der berühmtesten Worte, die je ein Ungeheuer sprach: „Gelre, Gelre!“ Der Sprachwissenschaftler Georg CORNELISSEN befasst sich gewohnt unterhaltsam mit den Verkleinerungsformen in niederrheinischer Mundart und Ronja HOCHSTRAT wendet sich den widrigen Umständen der Kevelaerwallfahrt unter dem Hakenkreuz zu.

Vornehmlich aus bisher wenig beachteten Archivbeständen speist sich die Rekonstruktion des Kriegsendes 1945 in Straelen und Velden, die Claudia KURFÜRST unternimmt, woran chronologisch die Erläuterung der Vorgeschichte der deutsch-französischen Städtepartnerschaft Straelen/Bayon durch Joachim BEVER anknüpft. An den Wegbereiter der geldrischen Geschichtsschreibung erinnert Matthias SCHRÖR, und wie die Brüder Grimm in Straelener Mundart geklungen hätten, vermittelt Heinz VELMANS. Freunde der hochdeutschen Poesie kommen mit den Gedichten von Maria DIEDENHOFEN und Liss STEEGER auf ihre Kosten.

Der neue Band des Geldrischen Heimatkalenders bietet also einmal mehr ein Panorama der Geschichte(n) unserer Region. Er schlägt in seinen Texten und Abbildungen eine Brücke vom Einst zum Jetzt. Vor dem Hintergrund aktueller Einschränkungen regt er vielleicht umso mehr zur häuslichen Lektüre an – und zur Beschäftigung mit den Lebensumständen vergangener Generationen mit ihren je eigenen Schicksalen und Nöten, Erfolgen oder Herausforderungen.

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Geldrischer Heimatkalender 2021, hrsg. v. Historischen Verein für Geldern und Umgegend, Redaktion: Gerd Halmanns, Jürgen Kwiatkowski, Beate Sturm und Matthias Schrör.

Festeinband, 304 Seiten, ca. 300 Abbildungen, 10,90 €.

Erhältlich im Buchhandel und beim Historischen Verein.

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