(Foto: privat)
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Krefeld. Freitag, der 13. – ein schwarzer Freitag heute bei Outokumpu Nirosta in Krefeld. Die Restrukturierungspläne, die das Unternehmen letzte Woche ankündigte, werten die Beschäftigten, die Betriebsräte und die IG Metall als einen unverblümten Angriff auf die Tarifverträge, Mitbestimmung und Zukunftsfähigkeit des Unternehmens. Die notwendige Kosteneinsparung will das Unternehmen allein zulasten der Beschäftigten erzielen. Dafür hat es betriebsbedingte Kündigungen angedroht, um die bereits fest eingeplanten 105 Arbeitsplätze abzubauen. Es will heute schon das Tarifergebnis von 2021 in der Stahlindustrie nicht akzeptieren und stellt die Zahlung des tariflichen Weihnachtsgelds in Frage. Alle Auszubildenden, die ihre Ausbildung abschließen, werden nicht übernommen.

Die Belegschaft reagiert entsetzt wegen der angekündigten finanziellen Einschnitte und der drohenden Arbeitsplatzverluste. Deshalb folgten 200 Beschäftigte dem Aufruf der IG Metall Krefeld und versammelten sich heute zu einer ersten kurzfristig einberufenen Protestkundgebung, um ein klares Zeichen ihres Widerstands gegen die geplanten Maßnahmen in Richtung der Unternehmensleitung zu setzen. Von der IG Metall, ihren Vertrauensleuten und dem Betriebsrat kamen Vertreter zu Wort und haben klar ihre Empörung und den Willen zu weiteren Protestaktionen artikuliert.

Wenn ein Unternehmen es sich traut, Arbeitsplätze, Tarifverträge und Zukunft junger Fachkräfte gleichzeitig in Frage zu stellen, kann es nach Ansicht der IG Metall nur eine einzige Antwort der Betroffenen darauf geben: Solidarischer Zusammenhalt und gemeinsamer Kampf für den Erhalt von Mitbestimmung, Tarifverträgen, guten Arbeitsplätzen und fairen Arbeitsbedingungen. Ihre Solidarität haben bereits die Beschäftigten anderer Outokumpu Standorten bekundet, aber auch der Betriebsratsvorsitzende der benachbarten Deutschen Edelstahlwerke konnte aufgrund der schmerzvollen Erfahrung seiner Belegschaft glaubwürdig schildern, wie wichtig der Zusammenhalt gerade in schlechten Zeiten ist.

Die angedrohten Maßnahmen bei Outokumpu werden weder von der betrieblichen Interessenvertretung noch von der Tarifvertragspartei IG Metall mitgetragen. Outokumpu muss sich von seinen Maximalforderungen verabschieden und sich erst der Realität stellen. Für den Personalabbau sind ein Sozialplan und ein Interessenausgleich erforderlich, die erst noch zu verhandeln sind. Auch die jetzt geplanten Abweichungen von geltenden Tarifverträgen bedürfen auf jeden Fall der Verhandlungen mit und vor allem der Zustimmung der IG Metall. Ob, wann und mit welchem Mandat die IG Metall über die Abweichungen von Tarifverträgen mit Outokumpu verhandeln wird, steht noch nicht fest. Solange gilt aber der Grundsatz, dass Verträge einzuhalten sind.

Die aufgebrachte Stimmung in der Belegschaft und die rege Teilnahme an der Protestkundgebung machen deutlich, dass die Beschäftigten den Ernst der Lage erkannt haben und im Eigeninteresse motiviert sind, laut und deutlich mit der IG Metall für ihre Rechte und Interessen und gegen die Pläne des Unternehmens vorzugehen. “Das Unternehmen hat uns alle herausgefordert. Wir nehmen diese Herausforderung an”, erklärt die IGM.

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