Landrat Ingo Brohl sowie die Gleichstellungsbeauftragten Petra Preuß und Jeanette Romich (Foto: privat)
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Kreis Wesel. Am 25. November werden im Kreis Wesel wieder vor den Rathäusern die Flaggen gegen Gewalt an Frauen und Kindern von Terres des Femmes wehen. Sie sollen auch in diesem Jahr wieder auf ein leider viel zu wenig beachtetes Thema aufmerksam machen. Auch Landrat Ingo Brohl setzt ein Zeichen gegen häuslichen Gewalt an Frauen und Kindern im Kreis Wesel und lässt vor dem Kreishaus flaggen. „Häusliche Gewalt an Frauen und Kindern ist ein großes Problem in unserer Gesellschaft – vor allem während der Corona-Pandemie. Um auch bei uns darauf aufmerksam zu machen, hisst der Kreis Wesel die Flagge gegen häusliche Gewalt“, so Brohl.

Wenn in der Öffentlichkeit – egal ob Presse oder Film und Fernsehen – von „Familientragödien“ oder „Beziehungstaten“ gesprochen wird, erweckt das den Eindruck, dass es sich um ein Resultat privater Konflikte handelt, die nichts mit uns zu tun haben und bei denen eine „Einmischung von außen“ auch nicht angemessen ist.

Gewalt an Frauen und Kindern ist aber keine Privatsache – egal wo sie passiert, sondern ein Problem der gesamten Gesellschaft und wir als Mitmenschen müssen darauf reagieren. Der Runde Tisch gegen Häusliche Gewalt an Frauen und Kinder im Kreis Wesel bietet auf der Homepage des Kreises Wesel Informationen zu Hilfsangeboten vor Ort: https://www.kreis-wesel.de/de/kreisverwaltung/runder-tisch-gegen-haeusliche-gewalt-im-kreis-wesel/

Durch Ausgangseinschränkungen und der Arbeit im Homeoffice wegen der Corona-Pandemie sind sehr viele Menschen, häufig auf beengtem Raum, zu Hause – viele Familien habe große existenzielle Sorgen. Nöte und Isolation steigern den Stress zu Hause und führen häufig zu vermehrten Aggressionen oder lassen bestehende eskalieren. Ähnliche Entwicklungen wurden aus China berichtet, wo es während der Isolation dreimal so viele Fälle von häuslicher Gewalt gab.

Der gewalttätige Partner verlässt weniger die Wohnung als sonst oder die Betroffenen können die Wohnung nicht verlassen, was es für sie noch viel schwieriger macht, Hilfe zu suchen bzw. Beratungsstellen und Anwält*innen anzurufen.

Frauenberatungsstellen und Frauenhäuser warnen davor, dass es auch in den nächsten Wochen wieder zu deutlich mehr häuslicher Gewalt kommen könnte, da erste Zufluchtsorte innerhalb des Verwandten-, Freundes- und Bekanntenkreises wegfallen werden.
Von Gewalt betroffene Frauen, die nicht in ihrer Wohnung bleiben können oder wollen, finden zu jeder Tages- und Nachtzeit Schutz in Frauenhäusern. Hier erhalten sie und ihre Kinder eine Unterkunft sowie Beratung und psychosoziale Unterstützung. Die Adressen von Frauenhäusern sind nicht öffentlich, um umfassenden Schutz vor Gewalt zu gewährleisten. Der Erstkontakt kann telefonisch oder über die Polizei oder Frauenberatungsstellen und Hilfetelefone hergestellt werden. Informationen sowie eine Frauenhaussuche für NRW finden sich unter: https://www.frauen-info-netz.de/

Auch das bundesweite Angebot des Hilfetelefons kann Unterstützung auf der Suche nach einem Ausweg aus einer gewaltbelasteten häuslichen Umgebung bieten. Die kostenlose Telefonnummer 08000 116 016 ist 365 Tage 24 Stunden am Tag erreichbar. Das Hilfetelefon arbeitet mit Dolmetscher*innen zusammen, die zum Gespräch dazu geschaltet werden können, wenn die Betroffenen der deutschen Sprache nicht mächtig sind. Weitere Informationen erhalten Sie auch online unter: https://www.hilfetelefon.de/

„Wenn Sie von Gewalt betroffen sind oder jemanden kennen, die von partnerschaftlicher Gewalt betroffen ist, zögern Sie nicht, sich an eine Beratungsstelle, die Polizei oder das Hilfetelefon zu wenden“, fordert Petra Preuß (Gleichstellungsbeauftragte des Kreises Wesel) auf. „Helfen Sie sich und anderen, sicher durch diese schwierigen Zeiten zu kommen.“

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