Während der digitalen Visite auf der Intensivstation des Evangelischen Krankenhauses Wesel: V.l. Chefarzt Dr. med. Joachim Große DEAA, Oberärztin Simone Enke, Fachgesundheits- und Krankenpflegerin für Anästhesie und Intensivpflege Jutta Gilhaus, Charité: Oberarzt Dr. med. Nikolai Andrees, Oberärztin Dr. med. Angelika Prost-Igel (Foto: EVK)
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Wesel. Gerade jetzt in der Pandemie gilt es durch fortschrittliches Denken und ungewöhnliches Handeln das Beste für die eigenen Patienten rauszuholen. Virtuelle Visiten mit der Charité-Universitätsmedizin Berlin stellen für das EVK Wesel ein probates Mittel dar, um Schwerstkranke und Intensivpatienten wohnortnah versorgen zu können und dabei rund um die Uhr auf das Wissen und die Facharztexpertise der renommierten Uniklinik zurückgreifen zu können.

Als im Frühjahr 2020 die Anzahl von schwer an Covid-19 Erkrankten stieg und überall im Land immer mehr dieser Patienten auf Intensivstationen künstlich beatmet werden mussten, bekam das Thema Erfahrungsaustausch via Telemedizin bundesweit einen enormen Schub. Und das, weil die Vorteile sowohl für Patienten, als auch für Angehörige und behandelnde Ärzte klar auf der Hand liegen.

Das Evangelische Krankenhaus Wesel war eine der ersten Kliniken in der Region, die bereits zu Beginn der Pandemie einen schwer erkrankten Corona-Patienten intensiv-medizinisch versorgen musste. „Im Rahmen dessen haben wir zum Erfahrungsaustausch bezüglich der medikamentösen Therapie den Kontakt mit der Charité in Berlin aufgenommen“, erläutert Dr. Joachim Große. Durch die persönliche Verwurzelung des Chefarztes mit der Traditionseinrichtung für die er lange Jahre tätig war, kam es per kurzen Draht zum telefonischen Konsil. Schnell stellten beide Seiten jedoch fest, dass es so nur bedingt zielführend ist. Deshalb boten die Mediziner der Charité ihren Weseler Kollegen an, ins Projekt „FUTURE“ einzusteigen, das die Charité gemeinsam mit dem Robert-Koch-Institut (RKI) initiiert hat. Diese Teilnahme eröffnete den Intensivmedizinern sowie deren Intensivpatienten neue Möglichkeiten, denn dabei geht es weit über eine rein theoretische Akteneinsicht und einen fachlichen Diskurs hinaus.

Hierbei stehen die Experten aus der fernen Bundeshauptstadt bei der täglichen individuellen Visite quasi direkt mit am Patientenbett. Aufgrund der hohen Fallzahlen an und Behandlungserfahrungen mit Covid-Patienten in der Charité können schneller Therapie-Erkenntnisse gewonnen werden und universitäre Handlungsempfehlungen so im Bedarfsfalle rund um die Uhr in den Behandlungsplan vor Ort eingebaut und umgesetzt werden. Ein mobiles Terminal ermöglicht dem Mediziner sich live ein Bild vom Zustand des Erkrankten zu machen, zudem ist ein Zugriff auf alle relevanten Untersuchungsergebnisse möglich und sogar ein Dialog mit dem Patienten, sofern dieser dazu in der Lage ist. „Unsere medizinischen Möglichkeiten vor Ort profitieren von dieser virtuellen Ergänzung enorm“, so Dr. Große. Risiko-behaftete und belastende Transporte können so umgangen werden und die Verlegung in eine Uniklinik kann, wenn notwendig, bedarfsgerecht und zeitpunktgenau terminiert werden.

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