Das Hololens-System unterstützt die Operateure während der Operation und liefert z. B. 3-D-Ansichten des zu operierenden Organs. Von links Prof. Gernot M. Kaiser, Claudio Brauner, Genadi Mero mit der Hololens-Brille und OP-Fachkraft Karla Feltes-Rensing (Foto: St. Bernhard-Hospital)
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Kamp-Lintfort. Was man meint, nur aus Science-Fiction-Filmen zu kennen, ist im Kamp-Lintforter St. Bernhard-Hospital schon Wirklichkeit geworden: künstliche Intelligenz und „erweiterte Realität“. In der Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie wird sie eingesetzt, um Ärzten vor und während Operationen dreidimensionale Bilder des Patienten zu zeigen – und auch, um Patienten ihre Eingriffe sehr viel anschaulicher als bisher erklären zu können.

„Das ist wie operieren mit einem Röntgenblick“, bringt es Prof. Dr. Gernot Kaiser augenzwinkernd auf den Punkt.

 

Viele Namen, eine Idee – die Theorie

Künstliche, oder auch artifizielle, Intelligenz – abgekürzt mit KI oder AI – ist vielen ein Begriff: Technische Geräte bilden hierbei menschliche Entscheidungsstrukturen nach. Aber was verbirgt sich hinter „erweiterter Realität“, oder in Englisch „augmented reality“? Das ist die computergestützte erweiterte Wahrnehmung der Realität. Was das heißt? Beispielsweise bekommt der Träger einer Brille von Microsoft (Hololens 2.0) durch selbige lebensechte Hologramme des Operationsbereiches angezeigt.

 

Die Praxis

Was in der Theorie so nüchtern klingt, ist in der Praxis ganz futuristisch. Der Arzt lädt die medizinischen Befunde, beispielsweise aus Computer- oder Magnetresonanztomographie-Untersuchungen (CT / MRT), digital in die Programme. Dort werden sie so umgewandelt, dass sie später optisch millimetergenau über die echten Strukturen des zu operierenden Menschen liegen.

„Durch die Brille sehen wir etwa das CT-Bild in 3-D genau an Ort und Stelle. Das Bild wird unmittelbar auf die betroffenen Bereiche des Patienten auf dem OP-Tisch projiziert. Somit müssen wir den Blick nicht mehr vom Patienten ab- und zum Bildschirm mit den Aufnahmen hinwenden, weil alles direkt vor uns liegt“, erklärt Gernot Kaiser vereinfacht. „Als wären Haut und darunter liegende Schichten einfach unsichtbar.“ Wie ein Raster legt sich das Bild über den Patienten, den das Programm an anatomischen Landmarken erkennt.

 

Sichtbar gemachte Daten

Für die Operationsvorbereitung und auch für das Training der Ärzte ist diese Technik hervorragend geeignet. „Bei den Patienten haben sich durch die Erkrankung Abweichungen von der üblichen Anatomie ergeben. Das betrifft ganz besonders komplexe Tumor-Operationen in der Viszeral-Chirurgie. Durch die Holographie können wir das Vorgehen detailliert planen und den Eingriff schon im Vorfeld optimieren“, erläutert der Chefarzt, „die Daten sind sichtbar gemacht.“

Gerade dieser Punkt hilft auch den Patienten in den Aufklärungsgesprächen. „Bei komplizierten Eingriffen oder wenn mehrere Organe beteiligt sind, fällt es Patienten oft schwer, sich die Behandlung vorzustellen. Mit Hilfe dieser neuen Methode hat der Patient ein ganz klares, dreidimensionales Bild vor sich, an dem wir alles beschreiben können. Das schafft ein ganz anderes Verständnis und nimmt Ängste“, so Gernot Kaiser.

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