Petra van Bergen (Foto: privat)
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Geldern/Kreis Kleve/Kreis Wesel. Problematischer Alkoholkonsum nimmt im Beratungsalltag der Diakonie-Suchtberatung großen Raum ein. Er war 2019 bei ungefähr einem Viertel der Hilfesuchenden Thema. „Der Konsum von Alkohol ist gesellschaftlich akzeptiert und bleibt dennoch bedenklich“, sagt Petra van Bergen, Suchtberaterin der Diakonie im Kirchenkreis Kleve.

Alkohol und andere Suchtmittel verschaffen nur kurzzeitig Entspannung. Regelmäßiger Konsum hat negative Auswirkungen und kann zu einer Abhängigkeit führen, deren Folgen sieht van Bergen täglich. Manche Abhängigkeiten enden leider auch tödlich: Laut der Innungskrankenkasse IKK Classic starben 2018 im Kreis Kleve 46 Menschen an Suchtmittelmissbrauch. Davon seien 42 Todesfälle auf den Alkoholkonsum zurückzuführen.

Die Corona-Pandemie hat den Alkoholkonsum in Deutschland nochmals erhöht. Fachleute schätzen, dass ungefähr ein Drittel aller erwachsenen Personen in Deutschland mehr Alkohol konsumiert. Durch Einsamkeit, Kontaktbeschränkungen, abgesagte Veranstaltungen, Homeoffice und reduzierte Freizeitangebote nehmen psychische Belastungen deutlich zu. Angst vor Arbeitsplatzverlust oder Kurzarbeit führen zu familiären Konflikten. „Alkohol wird in Krisenzeiten für viele Menschen zu einer Art Bewältigungsmechanismus“, berichtet van Bergen. Dies sei jedoch keine hilfreiche Strategie, denn mit dem Alkoholkonsum steige auch das Risiko einer Alkoholabhängigkeit – ein Problem mehr, statt eines weniger. „Zu überprüfen ist immer, ob das tägliche Feierabendbierchen noch im risikoarmen Konsumbereich liegt“ so van Bergen. Täglicher Konsum, große Mengen an Wochenenden, häufige Gedanken an Alkohol oder heimliches Trinken sind deutliche Hinweise darauf, dass der Konsum reduziert werden, beziehungsweise Hilfe in Anspruch genommen werden sollte.

„Keine Abhängigkeit ist ausweglos“, macht Suchtberaterin van Bergen Mut. Einer der schwersten Erkenntnisse sei, überhaupt ein Problem zu haben. Die Fachberater*innen der Diakonie forschen nicht nur nach den Ursachen. Wichtig sei auch der Blick dafür, wie ein Ratsuchender gestärkt werden kann, um die Konsumreduzierung/den Entzug erfolgreich zu gestalten. Die Suchtberatung der Diakonie im Kirchenkreis Kleve e. V.  ist für alle da, die sich sicher oder unsicher sind, dass der eigene Konsum bedenklich ist. Sie berät kostenlos und hilft, das Ziel eines suchtfreien Alltags zu erreichen. Freunde, Familie und Arbeitskolleg*Innen nehmen den risikoreichen Konsum häufig vor den Betroffenen wahr. Oftmals sind sie überfordert, frühzeitig und sensibel negative Entwicklungen zu erkennen und anzusprechen. Auch sie erhalten bei der Suchtberatung der Diakonie Unterstützung und Hilfestellung.

Kontakt Petra van Bergen, Ostwall 20, 47608 Geldern, Telefon 02831 91 30-800, vanbergen@diakonie-kkkleve.de

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