Philine Barrawasser (Foto: privat)
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Krefeld/Rhein-Ruhr. Bauklötze, Puppen, Kuscheltiere – alle Jahre wieder möchten Großeltern, Eltern und Verwandte Kinder zu Weihnachten beschenken. Gesetzliche Regelungen rund um Spielzeug sind nicht so streng, wie die meisten es erwarten würden – es handelt sich eher um Mindestanforderungen. In der europäischen Spielzeugrichtlinie und den Spielzeugnormen sind grundlegende Schadstoff- und Sicherheitsanforderungen für Spielzeug geregelt. Doch die Einhaltung der Richtlinie kann nur bei einem sehr kleinen Teil der Spielzeuge durch die Überwachungsbehörden kontrolliert werden. Damit Sie die richtige Wahl treffen, hat die Umweltberaterin der Verbraucherzentrale Krefeld, Philine Barrawasser, wichtige Tipps zusammengestellt.

Welche Materialien sind besonders häufig mit Schadstoffen belastet?
Problem weicher Kunststoff: Besonders häufig ist Spielzeug aus Weich-PVC (Polyvinylchlorid) mit Schadstoffen belastet. Daher sollten Sie beispielsweise bei Kunststoffpuppen und -figuren auf Hinweise wie „PVC-frei“ oder zumindest „Phthalat-frei“ achten. Eine Materialkennzeichnungspflicht für Spielzeug gibt es leider nicht.

Woran erkenne ich sicheres, schadstoffarmes Spielzeug?
Achten Sie auf Spielzeug mit dem GS-Zeichen („geprüfte Sicherheit“). Bei diesem Zeichen wird die Einhaltung gesetzlicher Anforderungen an Schadstoffe und Sicherheit überprüft. Wichtig: Zusätzlich zum GS-Zeichen muss die Prüfeinrichtung, zum Beispiel TÜV Rheinland oder DEKRA, angegeben sein.

Bei Spielzeug aus Stoff weist das GOTS (Global Organic Textile Standard)-Siegel auf ökologische Materialien wie Baumwolle aus biologischem Anbau hin. Im gesamten Produktionsprozess ist der Einsatz vieler umwelt- und gesundheitsschädlicher Chemikalien verboten.

Das Oeko-Tex® Standard 100-Siegel liefert den Nachweis, dass das fertige Spielzeug auf Schadstoffe kontrolliert wurde.

Das VDE-Label zeigt, dass die elektronische Sicherheit des Spielzeugs geprüft wurde.

Unter www.spielgut.de finden Sie Spielzeug, das einen besonders hohen Spielwert hat. Es wird von spielgut nicht auf Schadstoffe untersucht, aber dort finden Sie wenigstens Informationen zu Materialien und Herkunftsland. Spielzeug aus dem Kunststoff PVC ist von der Prämierung ausgeschlossen (Ausnahme: Elektronikspielzeug).

Kann ich das Spielzeug auch selbst testen?
Ja, verwenden sie dazu (fast) alle Ihre Sinne: Sehen Sie Fehler z.B. in der Bedruckung oder Verarbeitung, ist Ihnen das Spielzeug, das Geräusche macht, direkt am eigenen Ohr zu laut, riecht das Spielzeug nach Duftstoffen oder grundsätzlich auffällig, lassen sich verschluckbare Teile mit der Hand ablösen, fühlen Sie scharfe Kanten oder färbt das Spielzeug ab? Dann lassen Sie es besser im Laden stehen!

Welche Alternativen gibt es für den Kauf von neuem Spielzeug?
Spielzeug lange zu nutzen schont die Umwelt und den Geldbeutel. Da sich außerdem im Laufe der Zeit viele Schadstoffe verflüchtigen, kann gebrauchtes Spielzeug häufig schadstoffärmer als neues sein. Plastikpuppen oder Spielzeug aus weichem Plastik sollte man jedoch nicht aus zweiter Hand kaufen: Hier können noch schädliche Weichmacher enthalten sein, die inzwischen bereits verboten sind.

Verschiedene (Online-)Anbieter verleihen Spielzeug gegen Gebühr. Für den Fall, dass Ihr Kind das Spielzeug nicht mehr „hergeben“ möchte, bieten die meisten Verleiher die Möglichkeit an, das Spielzeug zu kaufen.

Viele Kinderzimmer quellen bereits über vor Spielzeug. Verschenke Sie stattdessen doch schöne Erlebnisse wie einen Bastelnachmittag oder Ausflug. Daran erinnern sich Kinder oft länger als an manches Spielzeug.

Unter www.verbraucherzentrale.nrw/schadstoffe können Ratsuchende kostenlos ihre Fragen zu Schadstoffen in Spielzeug und anderen Produkten stellen. “Dort finden Sie außerdem Antworten auf Schadtstoffanfragen rund umdie Themen Haus, Möbel, Kosmetika, Kleidung, Küchenutensilien und Schädlingsbekämpfungsmittel”, erläutert Barrawasser das Angebot.

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