Ein Mitarbeiter der Meister Lampe Wildtierhilfe bei der Umsiedlung der Marienkäfer (Foto: Fabian Rapp)

Rheinberg. Lange stand der Spanische Vallan verlassen im Rheinberger Stadtpark. Auf die Initiative des Rheinberger Autorenpaares Manuela Bechert und Renan Cengiz hin, hat die Stadt den beiden das sechseckige Türmchen als Schreibstube und Kreativraum überlassen. Bevor es jedoch richtig losgehen kann, haben es sich die Tierfreunde zur Aufgabe gemacht, hunderte Marienkäfer, die sich zur Winterruhe im Vallan niedergelassen haben, fachgerecht umzusiedeln.

Unterstützt von der Rheinberger Meister Lampe Wildtierhilfe und dem Naturschutzbund (NaBu), bemühten sich Bechert und Cengiz, jedem einzelnen Marienkäfer ein neues Zuhause zu geben. Der Rheinberger Ortsverband des NaBu stellte Nistkästen zur Verfügung, in denen die Tiere in der Vorweihnachtswoche untergebracht wurden. Die Kästen wurden zwischen Scheiben und Fensterladen eines Turmfensters aufgestellt, damit die Käfer an einem kalt-feuchten, dunklen und windgeschützten Ort überwintern können – wie sie es am liebsten mögen.

Die Geschichte des Vallans lebendig werden lassen

Nachdem die Käfer nun gerettet, die Fenster geputzt und die Böden gewienert sind, kann es für Bechert und Cengiz mit der eigentlichen Arbeit losgehen: dem Schreiben eines Buches über den Spanischen Vallan, seine Bewohner und seine Geschichte. Denn bis heute ranken sich um den Vallan geheimnisvolle Legenden. Wann genau das romantisch anmutende, sechseckige Türmchen erbaut wurde und warum, darüber sind sich Gelehrte und Historiker nicht ganz einig. Auch der Name „Spanischer Vallan“ hat schon manche Expertenstirn in Falten gelegt. Vermutet wird, dass er dem Volksmund entsprungen ist und mit den Spanischen Truppen in Verbindung steht, die Rheinberg in der Vergangenheit wiederholt angegriffen und erobert haben. Das Gelände des heutigen Vallans war damals ein vorgelagerter Teil der Rheinberger Festungsanlagen. Eine alte Legende besagt, dass sich ein unterirdischer Gang vom Spanischen Vallan bis unter den Marktplatz ziehen soll; eine andere, dass der Turm lange als geheimer Treffpunkt für Liebende hergehalten hat.

Ob es wirklich einen Gang gab – oder vielleicht noch gibt – und welchen Zwecken der Turm und das Gelände über die Jahrhunderte dienten, möchten Bechert und Cengiz herausfinden. Dazu wälzen sie Quellen, recherchieren in diversen Archiven und lassen die Geschichte und das Wesen eines der schönsten Rheinberger Bauwerke Zeile für Zeile lebendig werden.

Buchreihe in Planung

Ursprünglich war ein einzelnes Buch angedacht, das die Stadt Rheinberg und ihre Geschichte aus einer neuen, jüngeren Perspektive darstellen sollte. Da die Fülle an Material und Ideen aber zu groß war, hat sich das Autorenpaar entschlossen, mehrere kleine Bücher im Vallan zu Papier zu bringen. Diese sollen sich von den bereits vorhandenen Werken über Rheinbergs Geschichte klar abheben – moderner, unterhaltsamer und nicht nur auf die Stadthistorie beschränkt. „Wir sind eine neue Generation, die sich dem Jetzt annimmt, und möchten daher auch Geschichten aus den letzten Jahrzehnten erzählen – nicht zuletzt, um auch jüngeren Menschen zu zeigen, was die Stadt, in der sie leben, preiszugeben und zu bieten hat“, so Cengiz.

Manuela Bechert und Renan Cengiz besichtigen ihren künftigen
Schreib- und Kreativraum im Vallan (Foto: Manuela Bechert)
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